Samstagsgespräch
«Heute wird nicht viel weniger Wein getrunken als früher»

Weinprofi Markus Nauer über die Qualität der Trauben und die der Gewächse 2009, über die Wirtschaftskrise und die Aktivitäten der 1893 gegründeten Bremgarter Weinfirma.

Merken
Drucken
Teilen
Markus Nauer, Bremgarten

Markus Nauer, Bremgarten

Aargauer Zeitung

Lukas Schumacher

Herr Nauer, die Krise schlägt wohl keinen Bogen um die Weinbranche?

Markus Nauer: Nein, tut sie nicht. Auch unser Weinhandels- und Weinproduktionsbetrieb spürt die Krise. Im Gegensatz zu einigen anderen Schweizer Weinhäusern geht es uns aber nach wie vor recht gut.

Wird heute viel weniger Wein getrunken als vor zwei, drei Jahren?

Nauer: Würde ich nicht sagen, nein. Es sind vorab 5-Sterne-Hotels, die weniger bestellen, weil Kunden von Wirtschaftsunternehmen ausbleiben. Auch bei Seminaren und anderen grossen Firmenanlässen wird weniger Wein getrunken. Im Gegensatz dazu läuft der Privatkonsum aber hervorragend. Und viele Gaststätten verzeichnen keinen Rückgang beim Wein-Absatz.

Markus Nauer

Zusammen mit Cousin Patrick Nauer leitet Markus Nauer das Bremgarter Weinhaus in vierter Generation. Seit 25 Jahren arbeitet er im Familienunternehmen mit. Markus Nauer wohnt mit seiner Frau, Tochter (17) und Sohn (14) in Fischbach-Göslikon. Hobby: Pilze sammeln.

Sie selber genehmigen sich vermutlich täglich einen guten Tropfen zum Essen?

Nauer: Ich trinke nicht jeden Tag Wein. Selbstverständlich lasse ich gelegentlich einen Abend bei einem Glas Wein ausklingen. Wein muss man bewusst und massvoll geniessen.

Man hört und liest, dass die Traubenernte 2009 qualitativ sehr gut ausfallen wird.

Nauer: Es macht ganz den Anschein. Die Öchslgrade sind erfreulich hoch. Mit jedem sonnigen Herbsttag, gefolgt von einer kalten Nacht, steigen die Öchslewerte der Trauben um ein Grad an. Dieser Zuckergehalt ist zwar nicht das einzige Qualitätsmerkmal, aber sehr wichtig. Bezüglich der Ernte 2009 halte ich Jubelgesänge aber für verfrüht.

Wie ist das zu verstehen?

Nauer: An vielen Trauben sind pralle, vollsaftige Beeren auszumachen, die ineinander verkeilt sind. Ein wenig Nässe genügt, damit diese Beeren platzen und faul werden. Hoffentlich bleibt uns dieses Szenario erspart.

Sie haben Ihre Weinproduktion vor zwei Jahren von Tegerfelden nach Bremgarten verlegt. Hat sich das gelohnt?

Nauer: Auf jeden Fall. Daheim, in unserer gut ausgerüsteten neuen Trotte, fehlt es an nichts. Insbesondere die Energieversorgung ist in Bremgarten optimal. Die Weinpflege braucht ja je nach Prozess Wärme und Kälte.

Wie viele Tonnen frisch gelesene Weintrauben werden jeweils in Bremgarten angeliefert?

Nauer: Das schwankt zwischen 100 und 150 Tonnen im Jahr. Die Traubenlieferungen stammen hauptsächlich aus dem Aargau. Dazu gehören selbstverständlich auch die Bremgarter Trauben aus dem Stadtberg. Das Fassungsvermögen unserer Kellerei für Offenweine beträgt nahezu 900 000 Liter.

Der Bremgarter Stadtberger hat laut Weinkennern in den letzten 20 Jahren stark an Qualität zugelegt. Weshalb?

Nauer: Ein wichtiger Grund ist bestimmt die Mengenbeschränkung auf maximal 800 Gramm Weintrauben pro Quadratmeter Rebfläche. Zudem feilen auch wir als Verarbeiter ständig an der Vinifikation, an der Pflege des Weins, an der Technologie und an den diversen Abläufen. Die Trauben, die bei uns wachsen, sollen möglichst optimal in die Flasche kommen.

Der eleganteste und begehrteste der Bremgarter Weine ist der Charmont, der seit gut 15 Jahren produziert wird. Bald soll ein neuer Bremgarter Wein auf den Markt kommen.

Nauer: In der Tat. Aus der letztjährigen Ernte stellen wir einen Bremgarter Dessertwein her. Er erlangt demnächst Trinkreife.

Wie funktioniert eigentlich der Deal zwischen Ihnen als Produzent und der Ortsbürgermeinde als Rebbergbesitzerin?

Nauer: Ganz normal, wie mit anderen Weinbauern oder Weingenossenschaften auch. Wir kaufen die Jahresernte auf, wobei wir letztlich nicht nach Menge bezahlen, sondern nach Fläche. Diese misst in Bremgarten rund zwei Hektaren.

Ihr Metier sind dann die Verarbeitung, das Marketing und der Verkauf?

Nauer: So läuft es, ja. Einen Teil des produzierten Weins verkaufen wir der Ortsbürgergemeinde Bremgarten. Den Rest veräussern wir an Privatkunden und Restaurants.

Wie funktioniert in Ihrer Unternehmung die Co-Geschäftsleitung mit Cousin Patrick Nauer?

Nauer: Er ist sozusagen der Innenminister, der Chef der ganzen Administration. Ich als Aussenminister befasse mich mit dem Einkauf und Verkauf der Weine.

Wie steht Ihr Unternehmen im Vergleich mit ähnlich grossen Weinhäusern da?

Nauer: Genaue Zahlen gibt unser Familienbetrieb nicht bekannt. Sie können davon ausgehen, dass der Jahresumsatz mehr als 10 Millionen Franken beträgt. Unser KMU-Betrieb ist recht flott unterwegs. Dies auch dank den 30 Mitarbeitenden, von denen viele schon seit langem im Unternehmen tätig sind. Verantwortung nehmen wir auch als Lehrbetrieb für Jugendliche wahr.

In welchen Berufen beschäftigen Sie Lehrlinge?

Nauer: Wir haben derzeit vier Lehrlinge. Zwei absolvieren die kaufmännische Lehre, einer wird Logistiker und einer Getränketechnologe.