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Herzrhythmusstörungen: Neuer Defibrillator sendet Daten direkt an App

Vom Herz aufs Handy und per Klick in die Kardiologie: Die neue Generation der Defibrillator-Implantate ist via Bluetooth direkt mit dem eigenen Smartphone verknüpft. Als eines der ersten Spitäler der Schweiz hat die Kardiologie der Medizinischen Uniklinik am Kantonsspital Aarau das smarte Gerät eingesetzt.

Martin Winter, Aarau
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Gesundheit Aargau

Wie lange hält die Batterie noch? Wer ein herkömmliches Defibrillator-Implantat unter der Haut trägt, kennt die bange Frage. Nur der Gang in die Kardiologie bringt eine zuverlässige Antwort. Und ist die festgestellte Unregelmässigkeit bereits ein Grund zur Sorge?
Diese Zweifel gehören schon bald der Vergangenheit an – eine innovative Technik macht es möglich. Ab sofort haben Menschen mit Herzrhythmusstörungen ihre Daten buchstäblich selber in der Hand: denn die neue Generation der Defibrillator-Implantate ist per Bluetooth direkt mit einer speziellen App auf dem eigenen Smartphone verbunden. Ein Klick genügt, und der Stand des Akkus wird sofort ersichtlich.
Mehr Sicherheit, aktive Kontrolle
Tritt eine Herzrhythmusstörung auf, startet man auf der App die Abfrage der aktuellen Daten und übermittelt diese sofort an die Kardiologie, wo die Spezialisten rasch beurteilen können, ob eine Kontrolle oder eine Behandlung nötig ist, und allfällige Fragen gleich am Telefon klären.

Für Dr. med. Jan Berg, Oberarzt Kardiologie an der Medizinischen Uniklinik des Kantonsspitals Aarau, bringt der innovative Defibrillator vor allem drei Vorteile: «Mehr Sicherheit, eine höhere Selbstkontrolle und gleichzeitig weniger Konsultationen. Derzeit finden alle drei bis sechs Monate Kontrollen statt. Dank der Datenübermittlung könnten es in Zukunft weniger sein.»

Gemäss dem Kardiologen funktioniert der smarte Defibrillator in der Grösse eines Fünflibers wie die herkömmlichen: Registriert er Herzrhythmusstörungen, sendet er automatisch einen Stromstoss aus und behebt sie so. Der einzige Unterschied: Das neue Gerät zeichnet die Störung in der App auf. «Nur bei einem akuten Fall ist eine Abfrage der Daten nötig», betont Jan Berg. «Es wäre kontraproduktiv, den eigenen Herzrhythmus ständig auf der App zu verfolgen. Das würde eher zur Beunruhigung beitragen.»

Spezialisiert auf Herzrhythmusstörungen
Der Spezialist und sein Team haben unter der Leitung von Prof. Dr. med. Laurent Haegeli eine Pionierrolle inne: Sie gehören zu den Ersten in der Schweiz, die ein Implantat der neuen Generation eingesetzt haben. Dass gerade das kardiologische Zentrum im Kanton Aargau zuerst Neuland betritt, hat gute Gründe: Es zählt schweizweit zu den grossen Zentren zur Behandlung aller Herz-Kreislauf-Krankheiten und ist spezialisiert auf Herzrhythmusstörungen. Das Einsetzen von Defibrillator-Implantaten gilt hier seit Jahren als Routineeingriff, entsprechend reich ist die Erfahrung.

«Der Eingriff selber ändert sich mit den neuen Implantaten nicht», sagt Jan Berg. Der Defibrillator, ein
Gerät von wenigen Zentimetern Grösse und mit Batterie ausgestattet, wird auf der linken Seite der Brust unter die Haut implantiert; die Elektrode, die damit verbunden ist, wird über die Schlüsselbeinvene ins Herz eingelegt. Die Operation dauert durchschnittlich eineinhalb Stunden; während des Eingriffs bekommen die Patienten Medikamente für einen leichten Schlaf.

Noch während des Eingriffs werden die Messwerte laufend überprüft. Nach einer Nacht im Spital finden weitere Kontrollen statt, zum Beispiel, ob die Elektrode richtig arbeitet. Ungefähr zwei Wochen dauert es, bis die Wunde verheilt ist, und rund vier Wochen, bis man wieder wie gewohnt arbeiten oder auch Sport treiben kann. Danach ist im besten Fall zehn Jahre lang kein Eingriff mehr nötig – so lange hält die Batterie.

Affinität zu Smartphones
Die erste Implantation des neuen Defibrillators bei einem Patienten um die fünfzig sei komplikationsfrei verlaufen, so Jan Berg. Eine gewisse Affinität zu Smartphones erachtet er als Vorteil für die Betroffenen, ansonsten sei die neue Variante grundsätzlich für alle geeignet. «Es gibt immer wieder Leute, die Störungen mit anderen elektronischen Geräten im Alltag befürchten, aber das ist nicht der Fall.»

Auch andere Nebenwirkungen seien nicht zu befürchten, abgesehen von jenen Risiken, die jede Operation berge, betont Jan Berg. Der Voruntersuchung komme grösste Aufmerksamkeit zu, versichert der Oberarzt: «Es ist zwar ein kleiner Eingriff, doch die Nähe zum Herz verlangt eine sorgfältige Abklärung.»

Wie sich der neue Defibrillator mit Smartphone-Verknüpfung nun in der langjährigen Praxis bewährt, darauf ist Jan Berg genauso gespannt wie die Menschen, die ihre Herzfunktion bald via Handy kontrollieren können.

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