Roggwil
Heisse Öfen erwärmten die Fans trotz bitterer Kälte

Der 34. Markt für Teile von alten Motorrädern und Oldtimern im Race-Inn in Roggwil fand grosse Beachtung. Die vorwiegend männlichen Besucher kamen aus allen Altersschichten und aus allen Ecken der Schweiz.

Brigitte Meier, Text und Fotos
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Original-Harley-Davidson-Tacho
10 Bilder
Dreiräder für Kinder
Messen, der passt!
34. Töff-Oldtimer-Teile-Markt im Race-Inn Roggwil
Feinmechaniker Christoph Ris präsentiert stolz einen Original-Harley-Tacho
Dampfmaschinen faszinieren Buben noch heute
Feilschen, Vergleichen, Fachsimpeln
Hot Dogs in einem Deutz Stationärmotor Baujahr 1927
Verkauft Moto Guzzi V50 Monza
Der Helm passt , oder?

Original-Harley-Davidson-Tacho

az Langenthaler Tagblatt

Selbst der kälteerprobte Maronimann aus Rothrist friert bei diesen arktischen Temperaturen: Die eisige Bise ist schlecht fürs Geschäft. Die meisten Marktbesucher eilen direkt in die ehemaligen Gugelmannhallen: «Heisse Öfen» nicht «heisse Marroni» sind begehrt.

Am 34. Töff-Oldtimer-Teile-Markt schlagen Sammlerherzen höher: Sie finden Stücke aus vergangen Zeiten, um das eigene Objekt wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Die Oldieliebhaber treffen sich zweimal jährlich im Race-Inn Roggwil, um Motorradteile ausgefallener Marken oder Kult-Motorräder von Moto Guzzi über Triumph bis hin zum legendären Solex zu ergattern. Neben Werkzeug sind auch Zubehör, Bekleidung und Literatur rund ums Motorrad erhältlich. Teilemärkte gehören zu den wichtigsten Ersatzteilquellen für alle, die einen Motorrad-Oldtimer besitzen.

Zu diesen gehört auch Philipp Schawalder aus Walliswil bei Wangen. Er ist ein grosser Fan von alten Autos und Motorrädern. «Hier findet man Material und vor allem Werkzeug. Ich gehe nicht allein wegen des Kaufens an diese Märkte, sondern weil man immer jemanden kennt und Gleichgesinnte trifft.»

Frühmorgens um sechs Uhr ist Hanspeter Bussinger in Nussbaumen Kanton Thurgau abgefahren. Der pensionierte Automechaniker besitzt mehrere Motorräder der britischen Marken A.J.S. und Matchless. Aus seinem Rucksack guckt ein glänzender Auspufftopf. «Ein veritables Schnäppchen unter 100 Franken. Wenn ich dieses Originalteil in London bestelle, zahle ich das Dreifache plus Porto und Zollkosten», erklärt er und holt am Stand von Christoph Ris sein repariertes Tachometer ab. Der Mikromechaniker betreibt in seinem Geschäft in Bettlach einen Tacho-Service: «Der persönliche Kundenkontakt ist mir sehr wichtig. Diesen kann ich an solchen Märkten pflegen», erklärt der Solothurner. In seiner abgeschlossenen Vitrine glänzen weder Gold noch Silber dafür Schmuckstücke wie ein Original Harley-Davidson-Tacho aus dem Jahr 1910. Allein, dass die Geschwindigkeit nicht in Meilen, sondern in Kilometer angezeigt wird, ist eine Besonderheit. Der Preis der handgemachten Trouvaille beträgt 400 Franken. «Am Zifferblatt habe ich nichts verändert, aber die Kleinteile aus Zinkspritzguss, die sich altersbedingt auflösten, habe ich in Präzisionsarbeit selber hergestellt», erklärt Christoph Ris, der auch Antriebszahnräder nach Kundenwunsch oder Muster anfertigt.

Hotdogs aus dem Motor

Frauen sieht man wenige. Die vorwiegend männlichen Besucher kommen aus allen Altersschichten und aus allen Ecken der Schweiz. Fachsimpeln und Feilschen sind obligatorisch. So wird neben Deutsch auch eifrig Italienisch oder Französisch parliert. Wer sagt denn, dass Männer nicht gern shoppen? Sie betrachten ihre Schätze und Errungenschaften mit leuchtenden Augen. Allerdings kaufen sie keine warme Mütze oder trendige Jeans, sondern tragen freudestrahlend einen nostalgischen Töffhelm oder ein chromglänzendes Auspuffrohr nach Hause.

Fein säuberlich nach Jahrgang geordnet stapeln sich Motorsporthefte auf einem Tisch. Neben sogenannten Werkstattbüchern von diversen Marken liegt ein grossformatiger Fotoband «Feuerstühle» sowie ein Buch über die «Titanic». Ein Käufer ersteht einen grossformatigen Ford Mustang- Kalender während sein Kollege nach Saccochen sucht und ein Set der praktischen Satteltaschen findet.

Kurz vor Mittag siedet draussen ein junger Mann aus Wasen im Emmental Würste. Nicht etwa in einer Pfanne, sondern im verdampften Wasser eines klassischen Deutz Stationärmotors Baujahr 1927. Bei diesen Minustemperaturen sind «Hotdogs» nicht zu verachten.