Hebel-Jahr
Hebels Texte haben bis heute Gültigkeit

Veränderte Lehrpläne sorgen dafür, dass Johann Peter Hebel an Basler Schulen in Vergessenheit gerät. Einige Lehrer betonen aber, wie gut sich der Basler Dichter als Stoff für die Schulen eignet.

Dina Zwimpfer
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Juri Junkov

Im Gegensatz zu vor 40 Jahren werden Johann Peter Hebels Texte heute an Schulen sehr selten gelesen. Sogar solche Lehrer, die Hebel selber sehr schätzen, verzichten oft darauf. «Ich bin selber ein grosser Hebel-Liebhaber, aber mit meinen Schülern habe ich Hebel nur einmal gelesen, und das ist lange her», erzählt Claudius Sieber, Lehrer am Gymnasium Liestal.

Das habe weniger mit Hebel zu tun als mit zu wenig Zeit für alte Werke und Autoren. «Als typischen Schweizer Autor lese ich immer Gottfried Keller anstatt Johann Peter Hebel», erklärt Sieber. Früher habe man Hebel zudem häufig als Beispiel für eine Kurzgeschichte gelesen, heute bieten sich vermehrt aktuelle Themen an. Seit gut 20 Jahren sei Hebel zudem nicht mehr in Lesebüchern vertreten. «Hebel gerät deshalb an Schulen immer mehr in Vergessenheit», sagt Sieber.

Literatur wird oft ausgehebelt

Zudem sei beispielsweise Informatik heute wichtiger als noch vor 20 Jahren. «Die Literatur wird daher immer mehr auf die Seite geschoben», erklärt Beat Trachsler, Mitglied der Basler Hebelstiftung und pensionierter Lehrer. «Ausserdem gibt es viele auswärtige Lehrkräfte, die Hebel nicht kennen oder bei denen er keine Priorität hat.»

Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, ist beim Basler Institut für Unterrichtsfragen und Lehrerfortbildung ein Kurs zu Hebel in Planung. Denn es gibt Lehrer, die betonen, wie gut sich Johann Peter Hebel in den Unterricht einbinden lässt. «Die alemannischen Gedichte und die Kalendergeschichten enthalten Lebensweisheiten, die bis auf den heutigen Tag ihre Gültigkeit haben», sagt Trachsler. «Die Beispiele sind zeitgebunden, aber die Charaktereigenschaften sind zeitlos.»

Üben mit kurzen Hebel-Texten

Willi Schläpfer, Vize-Präsident der Basler Hebelstiftung und ehemaliger Lehrer am KV Basel, betont zudem die geeignete Länge von Hebels Texten. «Beim KV können Lehrer keine langen Blöcke machen. Kurze Texte wie die von Hebel sind daher viel sinnvoller als Romane.»

Ein weiterer Vorteil seien die unterschiedlichen Themen, die man auf das Alter der Schüler abstimmen könne. «Deshalb eignet sich Hebel für alle Altersstufen», sagt Schläpfer.

Verschiedene Hebel-Projekte

Einer Primarklasse kann man Hebels Texte beispielsweise vorlesen. «Die Kinder müssen Hebels Sprache zuerst ins Ohr bekommen», sagt Silvia Kehrli, Leiterin des Peterschulhauses in Basel. Bei älteren Altersstufen hingegen könne man Hebels Texte als Beispiele für verschiedene theoretische Themen wie Schlusspointen, Ironie oder journalistische Textsorten verwenden. Schläpfer fand zahlreiche weitere Möglichkeiten, um Hebel in seinen Unterricht einzubinden.

«Viele von Hebels Texten sind eigentlich Witze in erzählter Form. Nach Hebels Vorbild haben wir deshalb mit der Klasse einen Witz in eine Geschichte umgeschrieben», beschreibt Schläpfer. In einem anderen Projekt übersetzte Schläpfer mit seinen Schülern Hebels «Z'Basel an mym Rhy» in 20 Sprachen. «Das war sehr spannend.
Man kann nämlich nicht alles einfach ins heutige Deutsch übersetzen. Die Schüler mussten versuchen, eigene Vergleiche zu finden - was nicht immer einfach war.» Schläpfer betont die langfristige Wirkung von Hebel auf die Schülerinnen und Schüler. «Viele Ehemalige sagten mir in späteren Jahren, wie toll sie es fanden, dass sie Hebel kennen.» In Basel läuft man Hebels Namen schliesslich häufiger über den Weg als dem Namen von anderen Dichtern - sei es beim Hebel-Denkmal in der Nähe der Peterskirche, beim Hebelplatz oder bei der Hebelstrasse.