Ratgeber Gesundheit
Hat die Grippe-Impfung versagt?

Warum haben dieses Jahr so viele Menschen Grippe gehabt? Wirkt die Impfung etwa nicht?

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Gesundheit Aargau
PD Dr. med. Christoph Fux Chefarzt Infektiologie und Spitalhygiene, Stv. Chefarzt Allgemeine Innere Medizin

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Gesundheit Aargau

Der Winter 2017/18 war tatsächlich gekennzeichnet durch überdurchschnittlich viele Grippefälle. Zwar waren die maximalen wöchentlichen Arztkonsultationen wegen Grippe mit rund 350 pro 100 000 Einwohner etwa gleich wie im Vorjahr. Die Dauer der Epidemie, die bereits Mitte Dezember begonnen hat, ist heuer aber deutlich länger. Sie erstreckt sich bis in den April. Der Grund für diesen langen Verlauf ist einzigartig: Wir beobachteten zwei Grippe-Wellen, die aufeinanderfolgten. Die Influenza, so der medizinische Name der ursächlichen Viren, kann in zwei Familien unterteilt werden mit je wieder mehreren Mitgliedern: Die Influenza A, wozu Vogel- und Schweinegrippe gehören, und die Influenza B. Leider muss mit den jetzigen Impfstoffen gegen jedes «Familienmitglied » einzeln geimpft werden – es gibt keine Anti-Aoder Anti-B-Impfung. Nach einer ersten Welle mit Influenza B, Typ Yamagata, folgte in dieser Grippe-Saison eine zweite Welle mit Influenza A. Bemerkenswert ist, dass der erste Virus, Yamagata, nur in einem einzigen der in der Schweiz verfügbaren Impfstoffe vorhanden war. Da dieser Impfstoff je zwei A- und B-Stämme beinhaltet, heisst er quadrivalent. Alle übrigen Impfstoffe haben 2 A-, aber nur einen B-Stamm und sind trivalent. Alle mit einem trivalenten Impfstoff Geimpften waren gegen die erste Grippewelle also nicht geschützt, während der Stamm der A-Welle in allen Impfstoffen erhalten ist. Ob Sie einen Schutz genossen haben, hängt also davon ab, mit welchem Impfstoff Sie geimpft worden sind. Leider muss die Influenza-Impfung jährlich erneuert werden, da der Impfschutz nicht nachhaltig ist. Dies bietet andererseits Gelegenheit, die Zusammensetzung den aktuell zirkulierenden Viren anzupassen. Die Auswahl der Impfstämme wird basierend auf einer weltumfassenden Virus- Analyse jeden Frühling von der WHO vorgenommen – rechtzeitig, sdass im Herbst genügend Impfstoff zur Verfügung steht. Impfen lassen sollten sich nicht nur ältere Menschen und Patienten mit Grunderkrankungen, sondern auch deren Angehörige sowie alles medizinische Personal. Jede Art von Immunschwäche, sei es durch Cortisoneinnahme, eine Chemotherapie oder auch nur das fortgeschrittene Alter führt zu einer geringeren Wirksamkeit des Impfstoffes. Viele Patienten sind deshalb darauf angewiesen, gar nicht erst in Kontakt mit Influenza zu kommen.