Langenthal
Haslibrunnen: Ein Missverständnis aus dem Weg räumen

Das Alterszentrum Haslibrunnen bietet zurzeit 53 Betten an – viel zu wenig. Deshalb erklärt Heimleiter Marcel Lanz, wer den geplanten Ausbau bezahlt und wie er finanziert wird.

Tobias Granwehr
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Heimleiter Marcel Lanz will ein Missverständnis bezüglich der Ausbau-Finanzierung klären.Archiv/tg

Heimleiter Marcel Lanz will ein Missverständnis bezüglich der Ausbau-Finanzierung klären.Archiv/tg

Langenthals Politik diskutierte kürzlich über die Zukunft des Alterszentrums Haslibrunnen. Nach dem Entscheid im Stadtrat soll eine Projektorganisation noch in diesem Jahr einerseits die Trägerschaft des städtischen Alterszentrums und andererseits die Finanzierung des Ausbaus prüfen. Das Alterszentrum bietet zurzeit 53 Betten an – viel zu wenig.

Deshalb ist ein Ausbau auf maximal 152 Betten geplant. Der Kanton rechnet für den Um- und Ausbau mit Kosten von 241000 Franken pro Bett. Das ergäbe 36 Millionen Franken. Doch wer zahlt das?

Leiter seit 25 Jahren

In der politischen Diskussion war immer wieder von einer grossen finanziellen Belastung für die Stadt die Rede – vor allem vonseiten der FDP/jll-Fraktion. Das verwundert Heimleiter Marcel Lanz: Das Alterszentrum Haslibrunnen werde den Ausbau aus eigenen Mitteln finanzieren, sagt er. Das schreibt die neue Pflegefinanzierung vor, die am 1. Januar 2011 eingeführt wurde. Jedes Alterszentrum sei bereits heute ein KMU. Ihm ist wichtig zu betonen: Das Alterszentrum erwirtschafte jeden Franken, den es ausgebe, selbst.

Um künftige Investitionen zu tätigen, verrechnen die Altersheime jedem Bewohner so genannte Infrastrukturkosten, die im Kanton Bern 2012 bei Fr. 34.30 pro Tag liegen. Das ergebe bei 53 Betten und einer Auslastung von 95 Prozent über 600000 Franken im Jahr. «Dieser Betrag darf nur für den baulichen Unterhalt, für bauliche Investitionen oder für die Kapitalbeschaffung verwendet werden», erklärt der Heimleiter. Er übernahm die Leitung des «Haslibrunnen» übrigens vor genau 25 Jahren (siehe Text in der Mitte).

In 25 Jahren amortisieren

Die Frage ist also einzig, ob die Stadt als Kapitalgeberin auftritt, oder ob das eine Bank oder Dritte tun. Natürlich wäre das Geld gebunden, wenn es die Stadt vorschiessen würde, «aber der Aus- und Neubau wird die Stadt nicht belasten», so Lanz. Er rechnet vor, wie das Alterszentrum die Kapitalbeschaffung von 36 Millionen Franken finanzieren will: Bei einem Zinssatz von 2,75 Prozent ergebe das eine jährliche Zinsbelastung von 990000 Franken.

Bei zukünftig 152 Bewohnern und einer Auslastung von 95 Prozent komme man im Jahr auf einen Infrastrukturbeitrag von 1,8 Millionen Franken. Mehr als genug also. «Es wäre möglich, den Ausbau in 20 bis 25 Jahren zu amortisieren», sagt er überzeugt.

Letztlich hängt die Kapitalbeschaffung auch von der künftigen Trägerschaft ab. Ob es eine Aktiengesellschaft, eine Stiftung oder ein Verein wird – «es ist der politische Wille». Wenn die Betreuung von betagten Langenthalerinnen und Langenthalern nicht mehr eine städtische Aufgabe sein solle und das Alterszentrum Haslibrunnen an einen Drittanbieter veräussert werde, gingen ein 111-jähriger Gedanke und eine bemerkenswerte Geschichte zu Ende. Dass Lanz sich vorstellen kann, weiterhin eng mit der Stadt zusammenzuarbeiten, ist kein Geheimnis.

Er sagt jedoch: «Wir funktionieren schon heute wie ein Unternehmen. Mit der jetzigen Pflegefinanzierung ist unsere Trägerschaft als städtische Institution nicht mehr zweckmässig.» Das beschäftige nicht nur das «Haslibrunnen», sondern alle Pflegeheime im Kanton Bern. Im ganzen Kanton gibt es nur noch ganz wenige gemeindeeigene Pflegeinstitutionen.

Leistungsverträge mit der Stadt?

Betrieblich würde sich laut Lanz auch als privater Anbieter wie zum Beispiel einer Aktiengesellschaft (AG) nicht sehr viel ändern: «Wir führen das ‹Haslibrunnen› schon seit vielen Jahren ohne Verluste.» Obschon, Gewinn sei nicht sein prioritäres Ziel. «An erster Stelle steht hier die bestmögliche Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner mit den verfügbaren Mitteln.»

Als AG könnte das Alterszentrum mit der Stadt Leistungsverträge vereinbaren: zum Beispiel für die Bereiche der Aufnahme- und Betreuungskonzepte, für die
Tarifgestaltung oder ganz praktisch für den Einkauf von Leistungen wie die EDV oder den Rechtsdienst. Das wäre für ihn sinnvoll. Schliesslich ist sein Interesse auch ein städtisches: Allen Langenthalerinnen und Langenthalern einen Pflegeplatz anbieten zu können.