Bauernverband
Hans Frei ist Zürichs neuer höchster Bauer

Der SVP-Kantonsrat Hans Frei ist neuer Präsident der Zürcher Landwirte. Er selbst sagt im Interview, dass er einen Beitrag zum Naturschutz leistet. Dies, obwohl er sich gegen zu viel Renaturierung aussprach.

Caroline Bossert
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Der SVP-Politiker Hans Frei war früher Gemeinderat in Regensdorf-Watt und sitzt seit 1996 im Kantonsrat.

Der SVP-Politiker Hans Frei war früher Gemeinderat in Regensdorf-Watt und sitzt seit 1996 im Kantonsrat.

Sybille Meier

Herr Frei, Sie waren bereits Vize- und Interimspräsident des Zürcher Bauernverbandes (ZBV). Ist das neue Amt dennoch eine neue Herausforderung?

Hans Frei: Es ist klar eine neue Herausforderung. Als Präsident ist man viel stärker in die Verantwortung eingebunden. Man muss sämtliche bäuerliche Anliegen aufnehmen und im Sinne der Landwirtschaft umsetzen, steht in Kontakt mit Behörden und Verwaltung und ist auch direkte Ansprechperson für den Geschäftsleiter des ZBV.

Ihr Vorgänger Hans Staub ist wegen der Kontroverse zur Kulturlandinitiative von seinem Amt zurückgetreten. Spürt man beim ZBV die Gräben noch?

Im Vorstand gab es nie Gräben. Wir haben uns mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt, aber immer auf einer sehr sachlichen Ebene. Was bis zur Basis allerdings nicht vorgedrungen ist, ist, dass wir schon vor der Initiative einiges unternommen haben, um das Kulturland zu erhalten. So haben wir eine Forderung an den Kantonsrat gestellt, dass man den Fruchtfolgeflächen einen höheren Schutz einräumt.

Sie waren gegen die Kulturlandinitiative, warum? Kann sie nicht einen weiteren Beitrag zum Schutz von Kulturland liefen?

Sie wird nicht viel mehr dazu beitragen können, wie unsere Arbeit im Vorfeld zum Schutze der Fruchtfolgeflächen geleistet hat. Zudem hat der Bauernverband in den letzten vier Jahren erlebt, wie Personen aus dem Kreis der Initianten selbst dem Kulturland keinen hohen Schutz einräumten. Stattdessen haben sie auf Landwirtschaftsflächen den Humus abgetragen und neue Ökoflächen realisiert. Zudem kommt aus denselben Kreisen die Forderung, den Gewässerschutzraum zu vergrössern. Damit würde die Landwirtschaft wieder grosse und sehr wertvolle Flächen verlieren. Meiner Meinung nach verstricken sich damit die Initianten in Widersprüche. Deshalb habe ich sie nicht unterstützt.

Sie haben sich gegen zu viel Renaturierung ausgesprochen, etwa beim Gewässerschutz. Sind Sie der Schrecken der Umweltschützer?

Nein, ich setze mich mit diesen Forderungen kritisch auseinander. Mit meinem Hof leiste ich selber einen Beitrag zum Naturschutz. Ich bin aber dagegen, wenn Naturschutzprojekte zulasten von bewirtschaftbaren Flächen gehen.

Am 25. November steht mit dem Tierseuchengesetz wieder eine Abstimmung an, die die Landwirtschaft betrifft. Auch hier gehen die Meinungen unter den Bauern auseinander. In den vergangenen Jahren haben sich einige Landwirte gegen obligatorische Impfungen gewehrt. Ist man sich diesmal beim ZBV einig?

Eine Parole haben wir noch nicht gefasst. Persönlich bin ich aber davon überzeugt, dass die Revision eine Verbesserung für die Landwirtschaft darstellt. Im Kanton Zürich fand bereits eine Revision statt. Seither haben Tierhalter ein grösseres Mitspracherecht bei Impfungen und beim Schadensfall wird der Staat stärker in die Verantwortung eingebunden.

Die aktuelle Agrardebatte sorgt unter den Landwirten für Zündstoff. Künftig sollen sie nicht mehr entsprechend der Anzahl der gehaltenen Tiere ausbezahlt werden. Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf die Zürcher Bauern ein?

Die Entscheide gehen klar zulasten der Betriebe im Mittelland. Gerade hier wurden in den letzten Jahren grosse Investitionen in die Ställe getätigt, um sowohl den neuen Tierschutz-Bestimmungen gerecht zu werden als auch um günstig Produzieren zu können. Nun sollen die Bauern für die Tiere keinen Beitrag mehr erhalten. Es ist schwierig, wenn die Bauern Investitionen für die nächsten 20 Jahre tätigen, die Politik aber alle vier Jahre wieder Kurskorrekturen vornimmt.

Eine Überproduktion an Milch und Fleisch drückt aber die Preise und fällt auf die Landwirte zurück...

Wenn man von Überproduktion in der Schweiz redet, muss man berücksichtigen, dass eine permanente Unterversorgung der Bevölkerung mit einheimischen Nahrungsmitteln herrscht. Dies wird natürlich mit Importen gedeckt. Allerdings werden importierte Lebensmittel nicht unter den gleichen Rahmenbedingungen produziert wie hierzulande. Wir haben viel höhere Anforderungen an die Qualität, den Tierschutz, den Gewässerschutz und so weiter. Das hat natürlich seinen Preis. Die einzige Hilfe wäre, wenn die Bauern einen höheren Erlös für ihre Produkte bekämen. Die Nahrungsmittel sind heute einfach zu billig.

Viele Konsumenten kaufen aber gerne möglichst günstig ein. Wie wollen Sie Ihr Ziel erreichen?

Hier sind wir gefordert. Wir müssen dem Konsumenten vor Augen führen, was wir alles leisten. Öffentlichkeitsarbeit ist hier das A und O, um bei der Bevölkerung ein gewisses Verständnis für uns zu schaffen. Die Veranstaltung «Vo Puur zu Puur» ist hier ein grossartiges Beispiel. Das Echo war riesig.

Was sind sonst die aktuellen Probleme der Bauern?

Neben der Einkommenssituation und dem ständig wechselnden politischen Kurs sind vor allem die vielen Auflagen problematisch. Das Tierschutzgesetz erfordert Investitionen, die nicht jeder Betrieb aufwenden kann. Manche werden deswegen schliessen müssen. Auch die neuen Auflagen zum Gewässerschutz könnten für viele Betriebe einschneidende Folgen haben. Ebenso schwierig ist es, ausserhalb der Siedlungsgebiete zu bauen. Will man dort anbauen, gibt es nun so viele Vorschriften, dass man als Familienbetrieb auf externe Beratungen angewiesen ist. Die gibt es auch nicht zum Nulltarif.