Hagneckkanal
Hagneckkanal: Mit jedem Bautag ein bisschen sicherer

Seit 1878 fliesst die Aare ab Aarberg durch den Hagneckkanal in den Bielersee. Doch das wichtigste Bauwerk der 1. Juragewässerkorrektion ist altersschwach. Nurn wird das über 130-jährige Bauwerk bis 2015 umfassend saniert.

Bruno Utz
Merken
Drucken
Teilen
Hier rutschten vor vier Jahren 8000 Kubikmeter Felsmaterial in den Hagneckkanal ab. uz Hier rutschte vor 4 Jahren 8000 Kubikmeter Felsmaterial in den Hagneckkanal ab. uz

Hier rutschten vor vier Jahren 8000 Kubikmeter Felsmaterial in den Hagneckkanal ab. uz Hier rutschte vor 4 Jahren 8000 Kubikmeter Felsmaterial in den Hagneckkanal ab. uz

Solothurner Zeitung

Die auf beiden Seiten je gut drei Kilometer langen Dämme haben sich auf dem torfigen Seeländer Boden zum Teil um über einen Meter gesetzt. Und sie wurden durchlässig und rissig. Zudem rutschten am 1. März 2007 von der Böschung beim Hagneck-Einschnitt 8000 Kubikmeter Erde und Gestein in den Kanal ab. Für Notmassnahmen, unter anderem musste das Rutschmaterial aus dem Kanal entfernt werden, gab der Kanton eine Million Franken aus.

Günstige Wetterbedingungen und Wasserstand

Die Rutschung und zwei Hochwasser zeigten dem Kanton auf, wie dringlich die Gesamtsanierung des über 130-jährigen Bauwerks ist. Die bereits laufende Projektplanung wurde beschleunigt. Ende Februar 2011 fuhren die schweren Baumaschinen auf und gestern lud Baudirektorin Barbara Egger die Medien zur Baustellenbesichtigung ein: «Wir sind im Programm: Dank günstigen Wetterbedingungen und tiefem Wasserstand sind die Bauarbeiten gut vorangekommen», lobte Egger. Beim «Einschnitt»-Hang würden bis Ende 2012 insgesamt 100000 Kubikmeter instabiles Felsmaterial abgetragen.

Ab 2015, nach der Sanierung, wird der Hagneckkanal eine Abflusskapazität von 1500 Kubikmeter pro Sekunde haben
9 Bilder
Der Hagneckkanal wird auch ökologisch aufgewertet
Am Schluss wird das ganze Gelände wieder renaturiert
Blick vom Einschnitt Richtung Gasthof Bruecke
Gegen 9000 Lastwagenfahrten sind nötig
Der beliebte Skater- und Veloweg entlang des Kanals wird während der Bauarbeiten umgeleitet
Regierungsrätin Barbara Egger erklärt den Medien die Baumassnahmen im Gebiet Epsen
Den Gasthof Brücke kauft der Kanton für 1,8 Millionen Franken
Im Einschnitt werden rund 100000 Kubikmeter Erde und Fels abgetragen

Ab 2015, nach der Sanierung, wird der Hagneckkanal eine Abflusskapazität von 1500 Kubikmeter pro Sekunde haben

AZ

Die 8000 bis 9000 Lastwagenladungen Material würden für den Bau der Zufahrtsstrassen sowie für die Erhöhung und Verstärkung der Dämme verwendet. Zur Entwässerung des Hangs würden Rohre in den Felsen verlegt. «Bemerkenswert ist, dass aus der vor zwei Jahren erstellten Probebohrung immer Wasser geflossen ist, selbst während der Dürre in diesem Frühjahr», so Egger.

Der derzeit wüste Anblick werde verschwinden. «Die Landschaft wird nach Abschluss der Sanierung vollumfänglich wieder hergestellt.» Die Natur profitiere sogar von den neuen Flachwasserbereichen am Ufer für Jungfische. Und die verbleibende Steilwand werde seltenen Vögeln als Standort dienen. Den Tatbeweis lieferte gestern bereits eine ansiedlungswillige Kolonie Mauersegler. Diese liessen sich weder von den lärmigen Baumaschinen noch von den schweren Lastwagen stören.

Aufwertung der Vorländer

Auch bei den Dämmen unterhalb der Walperswilbrücke bauen Arbeiter bereits eifrig. Bevor sie die neuen Dämme aufschütten, sie werden bis zwei Meter höher, müssen sie den torfigen Boden mit Sand vermischen und austauschen. In den nächsten drei Jahren werden die Abwasser- und Trinkwasserleitung sowie die Starkstromleitung neu verlegt. Die zahlreichen ökologischen Verbesserungen erfolgen während der gesamten Sanierungsdauer. Dazu gehören unter anderem die Aufwertung der Vorländer entlang der beiden Ufer sowie die grosse Ausweitung im Epsemoos. Für das benötigte Landwirtschaftsland erhielten die Bauern Realersatz. Die entsprechenden Landkäufe habe der Kanton getätigt.

Laut Egger kostet die Sanierung des Hagneckkanals insgesamt 43 Millionen Franken. Aufgrund der «vielen ökologischen Massnahmen» beteilige sich der Bund mit dem Maximalsatz von 45 Prozent daran.