Gemeindefusion
Grossaufmarsch an der Brautschau

Acht Gemeinden im früheren Fraubrunnenamt planen den Zusammenschluss. An der ersten Informationsveranstaltung in Fraubunnen wollten gut 250 Personen Genauers wissen zu den angedachten Fusionen

Bruno Utz
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Solothurner Zeitung

Mittwochabend in Fraubrunnen, kurz nach 19 Uhr. In der Turnhalle stehen Stühle für 250 Personen bereit. An drei Tischen vorne in der Halle richten Thomas Läderach und Heinz Berger den Arbeitsplatz für die nächsten Stunden ein. Wenig später besprechen Ivo Bravin und Heinz Berger unaufgeregt den Ablauf des Informationsabends zum Projekt «Zusammenarbeit G8». Konkret geht es um die Fusion der acht Gemeinden Büren zum Hof, Etzelkofen, Fraubrunnen, Grafenried, Limpach, Mülchi, Schalunen und Zauggenried. Bravin (parteilos) ist Gemeinderatspräsident von Grafenried und – das ist an diesem Abend wichtiger – Präsident der 16-köpfigen G8-Arbeitsgruppe. Der Fusions-Spezialist Berger betreut das Projekt als externer Berater. Und Fraubrunnens Gemeindeverwalter Läderach ist der Sekretär der Arbeitsgruppe. Er kann sich heute aufs Zuhören beschränken, protokolliert wird nichts.

az Langenthaler Tagblatt

Etwas grösser als Utzenstorf

Berger steckt das Umfeld ab, indem er die Eckwerte jeder Gemeinde kurz erläutert. Fraubrunnen ist mit 1770 Einwohnern die grösste Gemeinde, einwohnermässig die rote Laterne trägt Mülchi (233). «Zusammen haben die 8 Gemeinden heute rund 4800 Einwohner und eine Fläche von 32 Quadratkilometern.» Im Grundlagenbericht der Arbeitsgruppe sind zum Vergleich Zahlen zu Jegenstorf (4636 Einwohner) und Utzenstorf (4162) enthalten. Die G8-Gemeinden hätten über 400 Behördensitze zu besetzen, die beiden Vergleichsgemeinden nur je etwas mehr als 100. Die Steueranlage der G8-Gemeinden liege durchschnittlich bei 1,66 Einheiten. «Mit der Fusion würde sie um rund einen Steuerzehntel sinken», sagt Berger und schiebt nach: «Das bringt sie in die Nähe zu Utzenstorf (1,55), wäre aber immer noch weit weg von Jegenstorf (1,28).»

Ivo Bravin verweist auf die Vor- und Nachteile einer Fusion. «Wir haben sie in Messbare und Emotionale aufgeteilt.» Neben den sinkenden Steuern nennt er den Abbau von Doppelspurigkeiten und gleichzeitig sinkenden Verwaltungskosten als gewichtigste Vorteile: «Statt 8 Gemeinderäten und 28 Kommissionen und rund 400 Behördensitzen wären noch 1 Gemeinderat, 7 Kommissionen sowie rund 100 Behördenmitglieder tätig.»

Diese Reduktion führe jedoch zu einer geringeren Verankerung der Behörden in der Bevölkerung. Und Bevölkerung, Behörden und Verwaltung müssten sich an Veränderung gegenüber dem Bekannten gewöhnen, räumt Bravin ein.

Fragen und Bemerkungen

Eine Dreiviertelstunde referieren Bravin und Berger. Gleich viel Zeit beansprucht danach die Fragerunde. Eine Frau kritisiert den Vergleich mit Jegenstorf und Utzenstorf: «Das sind Industriegemeinden, einige G8-Gemeinden haben aber überhaupt keine Industrie.» Unter Beschuss geraten auch die angekündigten tieferen Verwaltungskosten. «Bei den Spitälern haben wir andere Erfahrungen gemacht. Und die Reorganisation der kantonalen Verwaltung brachte dasselbe in Blau.» Was passiert mit den Kirchgemeinden, den Schulen, den Schülertransporten beziehungsweise dem öffentlichen Verkehr?, wollen andere wissen.

Der Bericht berücksichtige den Verlust an Identität und Bürgernähe zu wenig, sagt einer. Berger und Bravin wissen auf alle Fragen Antworten, oft zufriedenstellende, manchmal nicht.

Bravin appelliert, die noch bis zum 20.Mai laufende öffentliche Mitwirkung zu nutzen. Wenn immer möglich, werde die Arbeitsgruppe Anregungen im Antrag an die acht Gemeindeversammlungen vom 21.November 2011 noch berücksichtigen. Bei positivem Ausgang würden anschliessend der Fusionsvertrag und die nötigen Reglemente ausgearbeitet. Darüber könnten die Gemeindeversammlungen im Herbst 2012 abstimmen. Gemäss Fahrplan würde die neue Gemeinde ab Januar 2014 tätig. Wie die Kommune heissen könnte, sei noch völlig offen. Bravin: «Es kann ein völlig neuer Name sein oder beispielsweise einen Bezug zum früheren Amtsbezirk Fraubrunnen haben.»

Es ist 21.30Uhr. Bravin werden keine Fragen mehr gestellt. Die Halle leert sich. Der eingangs erwähnte Rentner bilanziert: «Ich bin genau gleich weit, wie am Anfang. Mir sind viele neue Fragen aufgetaucht.»