Waldau Bern
«Glücksfall» mit Nebengeräuschen

Was wir bereits am 1. Februar meldeten, ist jetzt offiziell: Regula Mader, bis 2009 neun Jahre lang Regierungsstatthalterin im Amt Bern, übernimmt per 1. März die Geschäftsleitung der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) Waldau bei Bern.

Samuel Thomi
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Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud preist die neue Waldau-Chefin Regula Mader als «Glücksfall». sat Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud preist die neue Waldau-Chefin Regula Mader als «Glücksfall». sat

Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud preist die neue Waldau-Chefin Regula Mader als «Glücksfall». sat Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud preist die neue Waldau-Chefin Regula Mader als «Glücksfall». sat

Solothurner Zeitung

«Ich könnte bereits morgen beginnen», kommentierte sie gestern vor den Medien; derart gross sei ihr Tatendrang.

Seit Maders freiwilligem Verzicht auf eine Wiederkandidatur war die Juristin vorab selbstständig tätig. Im Mandat baute sie 2010 etwa den Rechtsdienst am Berner Inselspital auf oder war verschiedentlich als Mediatorin tätig.

Die rund 1300 Waldau-Mitarbeitenden wurden bereits am Montag über den Wechsel informiert; im März will Mader das Personal auf den Abteilungen persönlich besuchen, derweil der 70-jährige Interimspräsident Karl Studer die Geschäfte noch einen Monat weiterführen wird. «Dank langjährigen Erfahrungen und vertieften Kenntnissen der Psychiatrieversorgung ist Regula Mader ein Glücksfall», sagte der bernische Gesundheitsdirektor Philippe Perrenoud.

Mader habe beruflich zwar nicht direkt einen medizinischen Hintergrund, als Präsidentin der Kommission Psychiatrie verfüge sie dennoch über das nötige Wissen für den Waldau-Führungsjob, ergänzte der SP-Regierungsrat.

Chefinnenposten dank «SP-Filz»?

«Generell», so Philippe Perrenoud, «war es nicht einfach, einen Nachfolger für den bereits vor zwei Jahren abgetretenen UPD-Vorsitzenden Bruno Guggisberg zu finden.» Dieser ist seit Anfang Jahr CEO des Spital STS in Thun. Laut Perrenoud, der einst sel-ber Klinikdirektor war, waren die gut 50 Bewerber «entweder noch nicht reif genug», um eine Psychiatrie zu leiten, oder dann hätten mehrere geeignete Kandidaten am Ende «wegen der Lohnfrage» abgelehnt. «Für mich ist der Lohn nicht das wichtigste Kriterium», sagte dazu Regula Mader auf Nachfrage. «Der Lohn reicht längst zum Leben», so die 49-Jährige. «Ausser dass er unter dem eines Regierungsrates liegt», wollte Perrenoud nicht näher darauf eingehen.

Trotz Vorschusslorbeeren: Bereits vor der Ernennung Maders zur neuen Waldau-Chefin wurde bereits vor vierzehn Tagen im Grossen Rat Kritik laut. Thomas Fuchs etwa warf Philippe Perrenoud mit Bezug auf den Artikel dieser Zeitung «SP-Filz» vor. Der Berner SVP-Grossrat kritisierte, die mehrmalige Verlängerung des Studerschen Interregnums sei ob Präferenzen Maders erfolgt; für die SP-Frau habe Perrenoud den Waldau-Chefposten extra frei gehalten. Wie aus gestrigen Antworten hervorgeht, bewarb sich Mader tatsächlich bereits 2009 um den Führungsjob.

In einem Assessment wurde sie laut Perrenoud damals als geeignet evaluiert. Aus persönlichen Gründen zog Mader ihre Bewerbung aber zurück. «Nach den belastenden Statthalter-Jahren spürte ich, nicht gleich weitermachen zu können», kommentierte sie. Da ihr Co-Statthalter, Grünen-Nationalrat Alec von Graffenried, vorzeitig zurückgetreten war, führte Mader das Amt in den letzten Monaten vor der Bezirksreform schliesslich alleine. «In den letzten zwei Jahren merkte ich aber, dass mir die Führungsarbeit fehlt», so Regula Mader gestern. So kam die erneute Anfrage des Kantons gelegen. Mader musste nun aber laut Perrenoud noch ein zweites Assessment durchlaufen und wurde danach vom Regierungsrat ernannt.

«Für mich zählt einzig die Qualifikation», wies Perrenoud den «Filz»-Vorwurf zurück. Dass in seiner Direktion Mitarbeiter aller Parteien arbeiteten, sei der beste Beweis dafür.

«Daran lasse ich mich messen»

Inhaltlich setzt sich Regula Mader zum Ziel, die UPD zu einer der qualitativ führenden psychiatrischen Institutionen der Schweiz zu machen. «Daran werde ich mich nach einiger Zeit messen lassen.» Wichtig sei, dass sich die Waldau «primär an den Interessen der Patienten» orientiere. Perrenoud sagte, nebst der neuen Spitalfinanzierung müsse Mader die in den letzten Jahren von Karl Studer und Team erarbeitete neue Organisation mit den Schwerpunkten Poliklinik, Sucht, Forensik, affektive Erkrankungen, Psychosen, Psychotherapie und Alterspsychiatrie umsetzen. Kommentar rechts

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