Grünliberale
GLP-Martin Bäumle hat eine Beschwerde bei der SRG eingereicht: "Die Medien schneiden uns"

Auf einmal ist es um die Mitte-Partei still geworden. Mehr Aufmerksamkeit wäre aber durchaus angebracht. Mit den zwölf Stimmen im Nationalrat ist die GLP oft das Zünglein an der Waage.

Anna Wanner
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Den Grünliberalen fehlen Politiker, die in aller Munde sind. ALESSANDRO DELLA BELLA/Keystone

Den Grünliberalen fehlen Politiker, die in aller Munde sind. ALESSANDRO DELLA BELLA/Keystone

Sie fliegen unter dem Radar. Als Teil der politischen Mitte gehören sie nicht zu den Grossen und nicht zu den Lauten. Doch die Grünliberalen gewinnen weiterhin Wähler und gründeten in den letzten vier Monaten neue Kantonalsektionen im Tessin und in Glarus. Grün und liberal – das trifft den Zeitgeist. Trotzdem: In den vergangenen Sessionen tauchten sie kaum auf, bewegten sich hauptsächlich abseits der öffentlichen Wahrnehmung. Sie spielen nicht auf den Mann, sondern die leisen Töne. So leise, dass man sie zuweilen kaum mehr hört.

Mehr Aufmerksamkeit wäre aber durchaus angebracht. Mit den zwölf Stimmen im Nationalrat ist die GLP oft das Zünglein an der Waage – gerade, weil sie geschlossen auftritt. Beispielsweise bei der IV-Revision half sie der Linken, mehrere Sparmassnahmen aus dem Paket zu streichen.

Knallpetarden der Präsidenten

Für den Parteipräsidenten Martin Bäumle haben die Medien den momentanen Tiefflug der GLP mitzuverantworten. «Nur weil wir pragmatische Lösungen verfolgen und keine Bundesrätin haben, schneiden uns die Medien», beklagt er. Deshalb habe er bei der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) nun eine Beschwerde eingereicht. «Wenn kleinere Fraktionen mehr Aufmerksamkeit erhalten als wir, dann ärgert mich das.» Bäumle beurteilt die Situation dennoch nicht als «dramatisch»: «Bis vor einem Jahr hiess es, bei der GLP gibt es nur den Bäumle.» Jetzt erarbeite er im Hintergrund Lösungen, und das sei wieder nicht gut. Trotzdem bleibe er dabei. «Die Bürger sind nicht blöd. Sie erkennen die Knallpetarden, die andere Parteipräsidenten jeweils am Sonntag zünden.» Er sagt, er nehme sich zurück, versuche, die Parteikollegen in den Vordergrund zu rücken – und taucht nun öfter im «Glattaler» und im «Anzeiger von Uster» als in nationalen Medien auf.

Da liegt wohl der Hase begraben: Der rhetorisch starke Bäumle ist weg. Mit Ausnahme der Zürcher Nationalräte Tiana Angelina Moser und Thomas Weibel (ehemaliger Kantonsrat) und den beiden Ständeräten Verena Diener (alt Regierungsrätin Zürich) und Markus Stalder (alt Regierungsrat Uri) bringen die Grünliberalen kaum politische Erfahrungen mit. Das hängt mit dem rasanten Erfolg der Partei zusammen: Bisher wenig bekannte Gesichter rutschten in den Nationalrat. Daran haben die anderthalb Jahre Parlamentsarbeit bisher wenig geändert. Doch Bäumle zeigt sich konziliant: Das brauche seine Zeit. Er habe selbst lange politisch im Hintergrund gearbeitet, was dann erst Jahre später honoriert worden war.

Im Schatten verharrend

Allerdings scheuen seine Grünliberalen Kollegen das Rampenlicht. Die Bernerin Kathrin Bertschy bot den Bauernvertretern in der Agrardebatte des Nationalrats zwar Paroli. Sie sagte aber klar, es gehe ihr dabei alleine um die Sache, nicht um die Show. Die sachverständigen Grünliberalen, die Pragmatiker, die Technokraten verpassen es, sich medienwirksam zu positionieren. Wenn Bäumle sich zurückhält, fehlt einer, der etwas wagt, der sich auch mal aus dem Fenster lehnt. Mag sein, dass die Partei Brücken baut. Mag sein, dass sie Mehrheiten schafft, indem sie Themen ausführlich diskutiert, um mit einer konsolidierten Meinung geschlossen aufzutreten. Nur bringt das alles wenig, wenn davon niemand erfährt.