Rumisberg
Geschätzt, aber bisher nur wenig angefragt

Seit einem Jahr gibt es die Kinder- und Jugendfachstelle Bipperamt und Wangen. Die grösste Sorge der Jugendlichen, so viel ist jetzt klar, ist die Langeweile.

Andrea Marthaler
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Serge Marchand leitet die Fachstelle für Kinder- und Jugendarbeit. ama

Serge Marchand leitet die Fachstelle für Kinder- und Jugendarbeit. ama

Solothurner Zeitung

Gewalt, Gangs und herumlungernde Jugendliche sind auf dem Land im Gegensatz zu den Städten noch kein Thema. Dies bemerkte Serge Marchand in seinem ersten Jahr als Leiter der Kinder- und Jugendfachstelle der Region Bipperamt und Wangen. Er ist froh darüber und hat auch gleich eine Erklärung: «In den Städten gibt es viel mehr Spannungsfelder, auf dem Land existiert dagegen noch mehr Freiraum – Luft, um Konflikten auszuweichen.» Obwohl es in der Region also vergleichsweise wenige Probleme gibt, konnten Marchand und seine Mitarbeiterin Deborah Lanz schon einiges bewirken.

«Denn die grösste Sorge der Jugendlichen hier ist die Langeweile», sagt Marchand. Er höre immer wieder, in der Region laufe zu wenig, es gebe zu wenig Angebote für die Jungen. Dies habe dazu geführt, dass sich Jugendliche abends auf Bahnhöfen oder Schularealen trafen, wo sie nicht gern gesehen wurden. Deswegen war ein Schwerpunkt der Kinder- und Jugendfachstelle im letzten Jahr die Schaffung von Treffpunkten. In Wangen a.A. wurde der bestehende, aber verwaiste Jugendraum wieder mit Leben gefüllt. Im November konnte Neueröffnung gefeiert werden. «Seither läuft er sehr gut», betont Marchand. Bei einem seiner Besuche hätten Jugendliche einen Abend lang Spiele gespielt. «Sie sind sehr offen und begeisterungsfähig, das ist super.» Auch der Jugendraum in Attiswil soll wieder reaktiviert werden. Dieser war zwar nie geschlossen, aber wird nur noch wenig aufgesucht. Auf die Sommermonate ist dort die Neueröffnung geplant.

Fehlender Treff in Niederbipp

Auch in Niederbipp ist man weiterhin am Suchen nach geeigneten Räumlichkeiten für einen Jugendtreff. Ganz so einfach ist dies aber nicht, denn er soll etwas ausserhalb des Dorfes sein. Bereits konnte in Niederbipp aber ein anderer Treffpunkt auf die Beine gestellt werden. Seit letztem Mai können jeden Mittwochnachmittag, ausser in den Schulferien, Kinder und Jugendliche gemeinsam spielen. Pro Mal kamen durchschnittlich 12 bis 20 Jugendliche. «Der Treff ist derart erfolgreich, dass wir ihn weiterführen werden», so Marchand. Seit November gibt es in Niederbipp zudem jeden Samstag einen Midnight-Sport-Event. Dieser wird von Midnight Projekte Schweiz erfolgreich durchgeführt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Kinder- und Jugendfachstelle war im letzten Jahr der Aufbau von Workshops für die Schule. Angeboten werden heute welche zum Thema Klassenklima/Mobbing, Liebe/Beziehung/ Sexualität und Ernährung/Bewegung. Bisher wurde das Angebot aber nur wenig genutzt. Marchand konnte in der Oberstufe Niederbipp je einen Workshop zu Mobbing und Sexualität durchführen. Ein dritter Workshop in der Unterstufe in Wiedlisbach zu Ernährung und Bewegung ist geplant. Trotz der geringen Nachfrage vonseiten der Schulen, ist Marchand von den Workshops überzeugt: «Ich bin sicher, die Nachfrage wird kommen. Die Schulen mussten die Fachstelle erst einmal kennen lernen.» Die positive Resonanz auf das Angebot sei aber bereits vorhanden.

Kampagne zur Internetprävention

Ein weiterer Eckpfeiler der Kinder- und Jugendfachstelle ist die persönliche Beratung. Im letzten Jahr seien fünf bis acht telefonische Beratungen durchgeführt worden, ebenso viele fanden im Büro der Fachstelle in Rumisberg statt. «Auch hier sind wir noch sehr im Aufbau. Die Tendenz ist aber anziehend», so Marchand. Derzeit werde ein Beratungskonzept erstellt. Bisher lag das Bedürfnis der Beratung Suchenden im Bereich Schule. «Es ging ums Klassenklima, um Harmonie und das persönliche Wohlbefinden.» Auch Laufbahnberatung war schon gefragt.

Workshops in Schulen und persönliche Beratungen sollen künftig stärker ausgebaut und im kommenden Jahr noch häufiger durchgeführt werden. Daneben will die Kinder- und Jugendfachstelle weitere Animation im Freizeitbereich bieten. «Wir machen immer wieder spontane Angebote», so Marchand. Wie kürzlich der Barkurs im Jugendraum Attiswil. Ein neuer Schwerpunkt dieses Jahr wird die Sensibilisierung auf Gefahren im Internet sein. Ende August, Anfang September wird in Wiedlisbach der Bus der Kampagne Netcity.org stationiert sein. Schulklas-sen der elf Anschlussgemeinden werden eingeladen, am Präventionsprogramm teilzunehmen.