Aarwangen
Gericht Aarwangen: Minergie-Standard statt Grisaille-Malereien

Im Schloss Aarwangen steht alles bereit. Umzugsschachteln stapeln sich. Das Gericht im Schloss bereitet seinen Umzug ins neue Verwaltungszentrum Neumatt in Burgdorf vor.

Jürg Rettenmund
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Gerichtspräsident Adrian Jaisli muss das schönste Büro im Schloss Aarwangen räumen.Fotos: jr

Gerichtspräsident Adrian Jaisli muss das schönste Büro im Schloss Aarwangen räumen.Fotos: jr

Dass im Schloss Aarwangen ein Umzug ansteht, merkt man bereits, nachdem die schwere Eingangstür ins Schloss gefallen ist: Unter der steinernen Wendeltreppe lagern Bündel von gefalteten Umzugsschachteln. Zwei Stockwerke weiter oben ists eine einzelne Schachtel, welche die hier bald einziehende Leere ankündigt. Sonst herrscht in der Zivilkanzlei auf den ersten Blick noch fast Courant normal.

Auch im Büro von Gerichtspräsident Adrian Jaisli sind erst einzelne Regale in die Schachteln geräumt. Auf den Pulten stapeln sich noch Akten. Vorne auf dem Tisch fallen drei kleine Spielzeugautos auf. «Die gehören nicht hierher», erklärt Jaisli, «sondern in den Gerichtssaal.» Nun warten also auch sie auf den Umzug nach Burgdorf.

Denn auch dort wird es Situationen geben, in denen der Gerichtspräsident in einer Verhandlung anschaulich machen muss, wie die Autos bei einem Verkehrsunfall genau fuhren und standen. «Da ist es praktisch, wenn man die Situation im Kleinen nachstellen kann.»

Spielzeug als Anschauungsmaterial

Als Erstes geraten im Büro von Adrian Jaisli jedoch nicht die Spielzeugautos in den Blick, sondern die prächtigen Malereien in Grisaille-Technik an Wänden und Decken. «Es ist der ursprünglichste Raum im Schloss überhaupt», erklärt Jaisli, der seit 18 Jahren hier arbeitet. Als Gerichtsschreiber kam er 1993 ins Schloss, lange Jahre war er dann parallel Gerichtspräsident und Gerichtsschreiber, ehe er mit der Justizreform vollständig zum Gerichtspräsidenten wurde.

«Es ist kein Geheimnis, dass wir das Schloss nicht gerne verlassen und nach Burgdorf ziehen», erklärt Jaisli. Das hängt nicht nur mit den Räumlichkeiten zusammen, die sich in Burgdorf in einem «Allerweltsminergie-Neubau» befinden, wie sich Jaisli ausdrückt; sondern auch mit der personellen Situation.

Ein grosse Familie

Gut zwanzig Personen arbeiteten im Schloss für das Gericht. «Wir waren hier eine grosse Familie, was sich in letzter Zeit auch in sehr wenigen Wechseln niederschlug», erklärt Jaisli. In Burgdorf wird diese «Familie» nun auseinandergerissen und auf das ganze, grössere Gericht verteilt. «Das löst beim einen oder andern schon Ängste aus.» Immerhin können aber alle Mitarbeitenden des Gerichts am neuen Ort weiterarbeiten.

So richtig Umzugsstimmung kommt wieder im Aufenthaltsraum auf: Dort stapeln sich die Kisten, nun aber vollgepackt. Ein Teil davon ist allerdings bereits weg. Denn eine Besonderheit eines Gerichtsumzuges ist die Masse an Akten, die bewegt werden muss. Auf 50 Laufmeter beziffert sie Adrian Jaisli. Es sind zur Hauptsache die Akten sämtlicher abgeschlossener Fälle der letzten gut 50 Jahre.

Waffen und Drogen

Auch Waffen und Drogen müssen gezügelt werden: Diese wurden beschlagnahmt und werden jeweils am Gerichtsort sicher aufbewahrt, bis im Rahmen der Verhandlung darüber entschieden wird, was mit ihnen geschieht. Bis heute Dienstagabend muss alles eingepackt sein. Um 17 Uhr schliesst auch der Schalter der Kanzlei. Dann übernehmen morgen Mittwoch die Zügelmänner.