Sagibach
Geplanter Neubau «schluckt» das Wasserrad am Sagibach

Am Sagibach in Langenthal dreht seit Jahr und Tag ein Wasserrad, angetrieben vom fliessenden Wasser. Die Idylle im Grünen droht zu verschwinden. Mit Profilen ist ein Neubau ausgesteckt genau dort, wo das Wasserrad unentwegt dreht.

Urs Byland
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Plakat mit Fotomontage in Paul Christens Schaufenster. uby

Plakat mit Fotomontage in Paul Christens Schaufenster. uby

Noch wurde kein Baugesuch publiziert. Aber bereits sind die Dimensionen des neuen Wohn- und Geschäftshauses am Sagibach in Langenthal erkennbar. Verfolgt man die Kanten des schon profilierten Baus, stellt man mit Erstaunen fest, dass das Wasserrad am Sagibach, dieses Wahrzeichen Langenthals, entweder verschwindet oder vom künftigen Neubau umhüllt sein wird.

Zweites ist der Fall, denn das Wasserrad muss auch künftig dort drehen, wo es jetzt Wasser schaufelt. Dies sei vertraglich so festgeschrieben, erklärt Stadtbaumeister Urs Affolter. Die Stadt hatte das Land weiterverkauft und vertraglich sichergestellt, dass die Käuferin das Wasserrad weiterhin betreiben wird.

«Wasserrad weg?»

Gegen das Bauvorhaben regt sich aber schon vor der Publikation des Baugesuches Widerstand. Im Schaufenster seines Fotogeschäftes fragt Anwohner Paul Christen auf einem Plakat «Wasserrad weg?» «Baum weg?» und beschwört die Langenthaler aufzuwachen, es sei noch nicht zu spät. Das Plakat zeigt in einer Fotomontage den künftigen Bau. Im Gegensatz zu weiteren Anwohnern wurde Paul Christen nicht vom planenden Architekturbüro Lüscher Egli AG vorinformiert. «Das wird heute um 9 Uhr morgens nachgeholt. Wahrscheinlich haben sie zu Jahresbeginn nur diejenigen informiert, von denen sie nicht zu viel zu befürchten glaubten», mutmasst Christen. Nachbarn hätten ihn dann trotzdem über diese Vorinformation in Kenntnis gesetzt.

Mehrere Gründe hätten ihn dazu bewogen, das Plakat im Schaufenster auszuhängen: «Uns stört der Bau. Er nimmt uns die Abendsonne. Aus unseren Fenstern würden wir direkt an die Fassade des Neubaus schauen. Wahrscheinlich sind wir diejenigen, die am stärksten betroffen sind.» Weiter wehre er sich dagegen, dass das Wasserrad «faktisch verschwindet».

Er sei sich schon im Klaren darüber, dass baurechtlich wenig gegen den Neubau auszurichten sei. Er hofft deshalb auf politischen Widerstand gegen das Bauvorhaben. Erreichen will er sein Ziel, «indem man den Leuten vor Augen führt, dass nachher das Wasserrad und der schöne Baum weg sind». Er wisse schon, dass das Wasserrad nicht verschwinde. «Darauf hat mich, eine Stunde nachdem ich das Plakat aufhängte, bereits einer der Architekten hingewiesen.» Es werde umbaut. «Aber damit wird es der Öffentlichkeit entzogen und nicht mehr im Grünen stehen», sagt Christen.

Ihn stört nicht nur der Neubau. «Man könnte sagen, dass von der Markthalle, vom alten Feuerwehrmagazin her betrachtet, das Wasserrad noch sichtbar sei. Aber genau dort werden Garagen hingestellt.» Christens Ärger über den geplanten Neubau ist gross, aber er weiss auch: «Wir haben seinerzeit die Überbauungsordnung genehmigt, hier darf beispielsweise dreistöckig gebaut werden. Aber ich finde es total schade um das Wasserrad und dass wieder ein Flecken Grün in Langenthal verschwinden soll.»

Für heute um 14 Uhr hat das Architekturbüro Lüscher Egli AG die Presse zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Aus erster Hand solle von ihrer Seite über das Bauvorhaben informiert werden, ist der Einladung zu entnehmen.

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