Eriswil
Gemeindepräsident Hans Kleeb tritt per sofort zurück

Hans Kleeb bezeichnet sich selbst als Visionär – und dies wohl nicht zu Unrecht. Zwei seiner Visionen haben im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt. Die eine, die geplante Windenergieanlage in Eriswil, ist auf Erfolgskurs.

Christoph Neuenschwander
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Zurückgetreten: Hans Kleeb. archiv

Zurückgetreten: Hans Kleeb. archiv

Die andere, die Ortsplanungsrevision, ist fulminant gescheitert: An der Gemeindeversammlung im November hatte eine überwältigende Mehrheit der Stimmberechtigten die Einzonung von Wohnbauland abgelehnt.

Doch dieses Ereignis war nicht der Grund, weshalb er Ende Januar als Gemeindepräsident und Gemeinderat per sofort demissionierte, versichert Kleeb. Vielmehr war das Ereignis symptomatisch für einen Missstand im Gemeinderat, und ebendieser Missstand Grund für den Rücktritt. «Das gegenseitige Vertrauen im Gemeinderat war nicht vorhanden. Und ich hatte nicht das Gefühl, dass ich es aufbauen konnte», beschreibt Kleeb die Situation.

Gegen Person geschossen

Das Resultat: Ein Gemeinderat, der nicht geschlossen hinstand, als er genau das hätte tun sollen. Und eine Abstimmung, bei der es nach Kleebs Meinung nicht um die Sache, sondern um Personen ging. Denn Kleebs Partei, die SVP, die sechs von sieben Sitzen im Gemeinderat besetzt, sowie die Gewerbler hätten sich eigentlich «für die Ortsplanungsrevision und für einen attraktiveren Wohnraum aussprechen sollen», findet der Eriswiler. «Stattdessen wurde gegen Personen geschossen. Und eine dieser Personen war ich.» Man habe ihm vorgeworfen, er wolle sich mit der Ortsplanungsrevision ein Denkmal setzten. Dabei habe er lediglich die Eigenständigkeit der Gemeinde erhalten wollen.

Nach der Gemeindeversammlung war Kleeb allmählich klar geworden, dass er zurücktreten würde. «Ich wollte das eigentlich erst auf Ende 2012 tun, damit man Zeit hat, einen Nachfolger zu finden.» Doch die wiederkehrenden Grundsatzdiskussionen, die es seit der Wahl von fünf neuen Ratsmitgliedern vor einem Jahr immer wieder gegeben habe, eskalierte an der ausserordentlichen Gemeinderatssitzung vom 30. Januar schliesslich in Kleebs unverzüglicher Demission.

«Wir haben schon alle am selben Karren gezogen», sagt Kleeb, «aber nicht in dieselbe Richtung. Dadurch sind wir stehen geblieben. Und Stehenbleiben ist ein Rückschritt.» Mit der Niederlegung seines Amtes will er Platz machen, «damit hoffentlich der Rat wieder funktionieren kann.» Böse sei er der Gemeinde nicht.

Vorübergehend übernimmt nun Vizepräsident Heinz Ruch das Präsidium; Ersatzkandidat Markus Badertscher rutscht in den Gemeinderat nach. «Der Rücktritt kam für uns sehr überraschend», sagt Ruch auf Anfrage. «Jetzt müssen wir uns in der Partei Gedanken darüber machen, wen wir der Bevölkerung als Nachfolger vorschlagen.» Er selbst schliesse eine Kandidatur nicht aus.