Fasnacht
Geister spuken aus den Startlöchern

Wenn Geister mit dem Feuer spielen, mischen sich Flammen mit Licht, Rauch und Eis. Mit ihrem Wagen visualisiert die Clique der Braui geischter heuer Gegensätze.

martina schlapbach
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Daniel Niklaus, Thomas Schneider und Roland Duppenthaler (von links) von den Brauigeischtern. msl

Daniel Niklaus, Thomas Schneider und Roland Duppenthaler (von links) von den Brauigeischtern. msl

Solothurner Zeitung

«Fire and Ice», nennt der markige Schriftzug. Und von «Feuer und Eis» spricht auch der Mann, der vor den markanten Buchstaben steht: Mit klar weisenden Händen und deutlich ertönender Stimme tritt Thomas Schneider als Wagenbauchef auf – eine Funktion, welche die Markthalle in den vergangenen Tagen zu Schneiders zweitem Zuhause werden liess. Mit zwei Dutzend Gleichgesinnten, die sich unter der Truppe der Brauigeischter zusammenfassen, gab sich der Aarwanger in den vergangenen Wochen der Herausforderung hin, Kälte und Hitze gleichzeitig visuell umzusetzen.

In der Markthalle, wo der Fasnachtsendspurt aus jeder Ecke hörbar ist, herrscht angenehme Zimmertemperatur. Klirrende Kälte kommt dennoch auf, wenn man den hinteren Teil des entsprechenden Wagens erblickt: Eine Schneebar, die einige Brauigeischter mit letzten Eiszapfen verzieren; einem Hitzewall glaubt sich der Betrachter hingeben zu müssen, sobald dieser das vorderste Wagenelement fokussiert: einen rot-schwarz leuchtenden, brüllenden Drachenkopf.

Wirkung dank richtigem Material

Den Drachen mit seiner nunmehr erhitzenden und nicht minder furchterregenden Wirkungskraft zu versehen, war laut Bauteam die herausforderndste Aufgabe der vergangenen Tage. «Die Wahl der richtigen Materialien ist dabei entscheidend», sagt Schneider. Er wohnt der Fasnacht seit der Cliquengründung im Jahre 1990 als Brauigeischt bei und kann bei der Wagengestaltung nicht nur von seiner langjährigen Narrenerfahrung profitieren: Das gefragte visuelle Vorstellungsvermögen wendet der 64-Jährige, der in der Lüftungsbranche tätig ist, tagtäglich in seinem Beruf an.

Styropan und Bauschaum umgeben jetzt Styropor und Holzgerüste, sodass der gestaltete Drachenblick den Beschauer direkt durchdringt. «Uns war wichtig, dass man unser Monster auf den ersten Blick als solches erkennen würde, ohne über allfällige Deutungen philosophieren zu müssen», sagen Daniel Niklaus und Roland Duppenthaler vom Wagenbauteam. Um den Erkennungseffekt zu verstärken, verraten die beiden Brauigeischter, anlässlich des bevorstehenden Auftritts noch andere Sinne anzusprechen. Von Rauch, welcher den Rachen des Drachens in rauen Mengen verlässt, ist die Rede; ebenso von Lichtstrahlen und Konfettimassen, mit welchen das Ungeheuer sein Umfeld überraschen wird.

Traditionelle Geheimniskrämerei

«Doch Überraschung soll über Überraschung bleiben», wendet Schneider ein – und verweist damit auf den Grundsatz, wonach dort, wo Geister spuken, immer auch Geheimnisse in der Luft liegen. Diesem Gebot kommen neben den Brauigeischtern auch alle anderen Langenthaler Cliquen nach. Mucksmäuschenstill verstecken sie sich mit ihren Wagen noch in der Markthalle, nur einzelne unverdeckte Motive lassen vermuten, zu welchen Assoziationen das diesjährige Motto nebst den allpräsenten Flammen einlädt. Erst mit dem grossen Umzug morgen Sonntag mögen sich zur Kalt-Heiss-Paarung noch eine Reihe weiterer Gegensätze gesellen, um vereint ein Feuerwerk der Sinne, einen «grande carnevale», zu bewirken.