Langenthal
Gefangen im Kulturstall zwischen Schwiegereltern und der Hölle

Die Theatergruppe Shnawaria ist im Kulturstall wieder am Werk. Das hat Folgen: Es gibt viel zu lachen, es wird improvisiert, und jeden Abend kann ein Zuschauer ein Bild nach Hause nehmen. Trotz kreativem Chaos gibt es jetzt erstmals eine Regie.

Lucien Fluri
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Auf dem Regiestuhl sitzt Nadine Wasem, es spielen (v.l.) Sheine Messerli-Wagner, Martin Held, Taymah Huber, Alain Fehlmann und Anja Adolf.lfh

Auf dem Regiestuhl sitzt Nadine Wasem, es spielen (v.l.) Sheine Messerli-Wagner, Martin Held, Taymah Huber, Alain Fehlmann und Anja Adolf.lfh

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Publikum fehlt im Saal, laut Drehbuch haben die Schauspieler jetzt nichts zu lachen – und trotzdem wird im Kulturstall laut gelacht. Shnawaria heisst die aufgestellte junge Theatertruppe, die mit viel Witz das Stück «Irgendwo im Nirgendwo» von Wolfgang Binder probt. Bühnenbild, Kulisse und Licht sind wieder in Eigenregie entstanden. Ab dem 27. April führt die Gruppe das Stück fünfmal auf.

Shnawaria, das sind vier Männer und vier Frauen, die dieses Mal mitspielen. Seit 2009 hat die Gruppe jedes Jahr ein Stück aufgeführt. Als sich die Theatergruppe in Walliswil bei Wangen auflöste, haben sich Nadine Wasem und Sheine Wagner zusammengetan, der Rest der Gruppe fand sich über private Kontakte. Beruflich hat niemand von ihnen etwas mit dem Theater zu tun.

Himmel und Hölle

Eigentlich zeigt die Gruppe eine Komödie, doch die beginnt tragisch: Auf dem Weg zum ersten Treffen mit seinen künftigen Schwiegereltern stirbt Markus Walther (Alain Fehlmann) bei einem Autounfall. Vor der Himmelspforte stellt sich die Frage: Himmel oder Hölle? Eindeutig ist es nicht. Also schicken Himmel und Hölle Markus für 24 Stunden wieder auf die Erde, wo er nur noch die Wahrheit sagen darf.

Für Markus fast die Hölle. Denn das erste Treffen mit seinen Schwiegereltern in spe wird zum Albtraum. Dass das Wohnzimmer übel eingerichtet ist, mit dieser Aussage kann er sich nur unbeliebt machen. Schwerer wiegen Familiengeheimnisse, die langsam ans Licht kommen. Markus redet sich um Kopf und Kragen. Schnelle Personenwechsel und spritzige Dialoge bringen das Stück voran. Für Lacher sorgen die Sprüche der beiden «Gutachter» der Hölle und des Himmels, die nur Markus sehen kann. Und am Ende ist doch wieder alles anders, als es der Zuschauer denkt.

Nun mit richtiger Regie

Zum ersten Mal hat Shnawaria dieses Mal einen Regisseur. Nadine Wasem, für das «nawa» in Shnawaria verantwortlich, übernimmt den Part. «Ein Auge von aussen ist eine gute Stütze», sagt Wasem, die wie die meisten Schauspieler seit Beginn dabei ist.

Zur jeder der fünf Aufführungen gehört am Ende auch die Versteigerung der Bilder, die an der Kulisse hängen. Damit will die Gruppe ihre Theaterkasse aufpeppen. Wer bei der amerikanischen Versteigerung mitbietet, zahlt jeweils nur die Differenz zum Vorbieter. Wer nach Ablauf einer gewissen Zeitspanne Höchstbietender ist, erhält den Zuschlag. Er bezahlt jedoch nicht den ganzen Preis, dafür bezahlt jeder Mitbieter seinen Teil.

Vorführungen: 27. und 28. April sowie 3./4./5. Mai; jeweils im Kulturstall. Türöffnung um 19 Uhr, Eintritt: 18 Fr.

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