Lotzwil
Geboomt, abgestürzt, stabilisiert: Maschinenbauer ist optimistisch

Das Familienunternehmen Jorns AG in Lotzwil ist als Maschinenbauer den Konjunkturzyklen stark ausgesetzt. Nach Kurzarbeit und Stellenabbau sind die Auftragsbücher wieder deutlich besser gefüllt. Die Technologie spielt dabei eine grosse Rolle.

Franz Schaible
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Firmenchef Marc Jorns demonstriert die Funktionsweise einer Schwenkbiegemaschine zum Abkanten von Blechen.

Firmenchef Marc Jorns demonstriert die Funktionsweise einer Schwenkbiegemaschine zum Abkanten von Blechen.

hans ulrich mülchi

Exemplarisch verkörpert die Jorns AG in Lotzwil eine typische Stärke der Schweizer KMU-Szene. Angesiedelt in der Oberaargauer Gemeinde mit 2500 Einwohnern, beherrscht der kleine Anlagebauer den Weltmarkt – und zwar in einem ausgesprochenen Nischenmarkt.

Die Firma stellt sogenannte Schwenkbiegemaschinen zum Abkanten von Blechen her. Auf den Anlagen werden Bleche, ob aus Stahl, Chromstahl, Aluminium oder Kupfer, eingelegt.

Je nach Steuerungsprogramm werden diese vollautomatisch abgekantet. Mehrere tausend unterschiedliche Profilformen sind möglich. «Wir sind spezialisiert auf den Einsatzbereich für Gebäudehüllen», erläutert Firmenchef Marc Jorns auf dem Betriebsrundgang.

Auf den Jorns-Anlagen werden deshalb vorwiegend Feinbleche in die richtige Form gebracht, die später als Dachrinnen, Paneele, Mauerabdeckungen, Fassaden- oder Kehlbleche zum Einsatz kommen.

Der Kundenstamm der Lotzwiler Familienunternehmung lässt sich in zwei Bereiche gliedern. Einerseits setzen Dachdecker, Spengler und Fassadenbauer Jorns-Anlagen ein, andererseits sind es Halbfabrikatehersteller, die Profile für Dach- und Fassadenbauer produzieren. Dazu gehören Grossfirmen wie etwa die beiden Stahlriesen Tata Steel oder ArcelorMittal.

Harter Wettbewerb

Dass es sich um einen Nischenmarkt handelt, zeigen die Produktionszahlen. «Wir produzieren jährlich rund 150 Abkantanlagen. Damit haben wir einen Weltmarktanteil von über 50 Prozent», erläutert der 38-jährige Unternehmer, der den Familienbetrieb seit 2005 in zweiter Generation führt. Weltweit gebe es nur 15 Hersteller solcher Anlagen.

Trotz der starken Marktstellung müssen die Lotzwiler kämpfen, denn der Wettbewerb ist hart. So hart, dass der starke Franken das Unternehmen mit einem Exportanteil von rund 90 Prozent fast in die Knie zwang. Marc Jorns blickt zurück. «Der Wechselkurs führte dazu, dass wir 2010 im Euro- und Dollarraum fast über Nacht 30 Prozent teurer waren als die Konkurrenz. Unsere Anlagen wurden auf einen Schlag unverkäuflich.»

Die Folgen waren schmerzhaft. Trotz Einführung von Kurzarbeit «war ein Stellenabbau unvermeidlich. Nur so konnten wir den Betrieb überhaupt am Leben erhalten». So rasant, wie es zuvor nach oben rauschte, so schnell ging es nach unten.

Bei der Übernahme der Firmenleitung durch Marc Jorns zählte der Betrieb rund 60 Angestellte. «In den Folgejahren sind wir sehr stark gewachsen, der Personalbestand hatte sich bis zum Beginn der weltweiten Finanz- und Konjunkturkrise fast verdoppelt.» Aktuell beschäftigt Jorns 65 Angestellte, Tendenz wieder steigend.

Modulartiger Aufbau

Um die Firma zu retten, haben wir aber viel mehr getan, als Stellen abzubauen», will Jorns festgehalten wissen. Sämtliche Anlagen seien «redesigned» worden, um neu einen modulartigen Aufbau zu ermöglichen. Nur so sei es möglich, die stark unterschiedlichen Kundengruppen – vom Einmann-Betrieb bis zum Grossindustriebetrieb – mit individuellen Anlagen beliefern zu können.

Zudem können die gefertigten Teile für die unterschiedlichsten Anlagetypen verwendet werden. Jorns baut Anlagen von 3 bis 12 Meter Länge und bis zu einem Gewicht von 40 Tonnen. Ein weiterer Schritt zurück zur Wettbewerbsfähigkeit war eine teilweise Auslagerung der Fertigung von Kleinteilen an spezialisierte Metallbearbeiter in der Region.

Drehautomaten sind keine mehr im Betrieb. «Unserer Fertigungstiefe ist aber immer noch hoch», beteuert Jorns und führt wie als Beweis durch die hauseigene Schweisserei mit Robotern, durch die Werkhallen, eingerichtet mit kleinen und grossen CNC-Automaten zur Bearbeitung von Anlageteilen.

Wettbewerbsvorteile müssen gesichert werden

«Der günstigste Anlagebauer werden wir aber mit Standort Schweiz nie sein», macht sich Marc Jorns keine Illusionen. Allein der Wechselkurs, obwohl sich die Lage an der Währungsfront leicht entspannt habe, sorge für ein schwieriges Umfeld. Deshalb müsse man technologisch immer einen Schritt voraus sein. «Wir haben eine eigene Abteilung für mechanisch-hydraulische Entwicklungen. Die Steuerungen werden, in Zusammenarbeit mit einer externen Firma, ebenfalls im Hause entwickelt.»

So komme es, dass praktisch alle paar Monate neue Ideen direkt im Anlagenbau umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang nennt Marc Jorns die stetige Weiterentwicklung der 2001 eingeführten Doppelbiegemaschine, die sich zunehmend als Verkaufsschlager entwickle. Bei dieser Linie entfalle das zeit- und kräfteraubende Drehen und Wenden der zu bearbeitenden Blechen. «Das ist ein echter Wettbewerbsvorteil.»

Nach durchzogenen Geschäftsjahren 2011 bis 2013 habe sich das laufende Jahr gut angelassen, blickt Jorns nach vorne. «Die Auftragslage ist gut und der Betrieb ist bereits bis im September voll ausgelastet.» Aber aus eigener Erfahrung wisse er, dass man sich in der schnelllebigen Zeit von einem Auftragshoch nie blenden lassen darf. So sei das Auftragsvolumen der Jorns AG naturgemäss von der Entwicklung der Bauwirtschaft abhängig.

Wichtig sei deshalb neben dem Neu- auch das Ersatzgeschäft. Seien doch weltweit rund 5000 Jorns-Anlagen im Einsatz, die nach einer bestimmten Einsatzzeit ersetzt werden müssten. Die Jorns AG erwirtschaftet aktuell einen Umsatz zwischen 13 und
s15 Millionen Franken. «Mit Ausnahme im Krisenjahr 2010 haben wir immer schwarze Zahlen schreiben können.»