Ratgeber Gesundheit
Gebärmuttersenkung auch nicht-operativ behandelbar?

Ich (69) vermute bei mir eine Gebärmuttersenkung, sichtbar in der Scheide. Der Termin bei der Gynäkologin steht bevor. Ich habe keine Beschwerden beim Wasserlassen und verliere keinen Urin. Was für Behandlungen gibt es ? Gibt es nicht-operative Möglichkeiten? Ich möchte die Gebärmutter möglichst nicht entfernen lassen, wenn sie noch gesund ist, wegen möglicher Beschwerden wie Harn- oder Stuhlinkontinenz oder Blasenentzündungen. Was für Möglichkeiten gibt es sonst noch, eine Gebärmuttersenkung zu beheben?

Dr. med. Rüdiger Mascus
Dr. med. Rüdiger Mascus
Drucken
Teilen

Gesundheit Aargau
Dr. med. Rüdiger Mascus Leitender Arzt Gynäkologie und Geburtshilfe Kantonsspital Baden; Spezialgebiete: Urogynäkologie und Gynäkologische Onkologie

Dr. med. Rüdiger Mascus Leitender Arzt Gynäkologie und Geburtshilfe Kantonsspital Baden; Spezialgebiete: Urogynäkologie und Gynäkologische Onkologie

Gesundheit Aargau

Während entzündliche Krankheiten, Knochenbrüche oder Tumore dringend und sofort behandelt werden müssen, entwickelt sich die Senkung des Genitales langsam und bleibt auch unbehandelt über eine lange Zeit zunächst ungefährlich. Allerdings - und das scheint mir bei Ihnen möglicherweise auch der Fall zu sein, kann eine Senkung sehr lästig sein. Auch wenn Blasen- oder Darmentleerungsstörungen, Inkontinenz oder Drangsymptome fehlen, kann allein das senkungsbedingte Fremdkörper- oder Vorfallgefühl in der Scheide zu großem Leidensdruck führen. Und genau dieser Leidensdruck bestimmt dann die Therapienotwendigkeit. Wenn Sie also zu Ihrer Gynäkologin gehen, sollten Sie sich bereits überlegt haben, wie groß Ihr Leidensdruck ist. Ihre Frauenärztin wird gegebenenfalls eine Therapie einleiten oder Sie einem Beckenbodenzentrum zuweisen. Hier arbeiten auf Beckenbodenstörungen spezialisierte Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachbereiche zusammen, die Ihnen zunächst nicht-operative Behandlungsmöglichkeiten anbieten. Dazu gehört die Aufklärung über ursächlich verantwortliche Risikofaktoren wie zum Beispiel Übergewicht, Hormonmangel und wiederholtes schweres Heben. Sollten Risikofaktoren vorliegen, gilt es diese, sofern möglich, unbedingt zu vermeiden. Weitere nicht-operative Behandlungsmethoden sind die Pessar- und Hormontherapie sowie die Verordnung physiotherapeutischer Behandlungen. Die Therapie mit einem Pessar zielt darauf ab, das sich senkende Genitale aufzurichten um dadurch die anatomischen Verhältnisse zu normalisieren. Gleichzeitig werden durch das Pessar die unangenehmen Senkungssymptome bei der Patientin ausgeschaltet. Das Gleiche versucht die durch Physiotherapie erzielte Kräftigung des Beckenbodens. Während man früher die Physiotherapie eher in der Behandlung der Harn- und Stuhlinkontinenz eingesetzt hat, mehren sich die Hinweise, dass ein gezielt eingesetzter Beckenbodenmuskel auch in der Therapie von Senkungszuständen unangenehme Symptome lindern kann. Erst wenn die konservative Therapien nicht mehr greifen oder aber von Beginn weg von der Patientin nicht gewünscht werden, ist eine operative Behandlung sinnvoll. Je nachdem, welche Senkungsform vorliegt, würde man diese von vaginal oder minimal-invasiv, das heißt laparoskopisch, vornehmen. Wenn Sie dabei die Gebärmutter behalten möchten, ist das prinzipiell möglich. In einem präoperativen Gespräch, in dem auch über die Vor- und Nachteile des Gebärmuttererhalts gesprochen wird, können Sie mit Ihrem Operateur dann das definitive Vorgehen festlegen.

Aktuelle Nachrichten