Gassenküche
«Gasse-Chuchi»: 60 Leute kommen regelmässig

Die «Gasse-Chuchi» Langenthal startet morgen wieder mit der Essensausgabe an Randständige. Mit dabei ist auch die Gründerin Esther Schönmann.

Urs Byland
Merken
Drucken
Teilen

Solothurner Zeitung

Die «Gasse-Chuchi» wird während des Winters wieder jeden Donnerstag von 11.30 bis 12.30 Uhr unter dem Kastanienbaum beim Wuhrplatz Randständigen eine unentgeltliche, warme Mahlzeit abgegeben. Bei jedem Wetter ist die Vereinspräsidentin Esther Schönmann mit ihrem Team dort im Einsatz und bietet Hilfe und Ratschläge an. Stehend wird dazu das warme Mittagessen genossen.

Ihre Existenz verdankt diese soziale Einrichtung der Vereinspräsidentin. 2003 bildete sie sich zur Lebenstherapeutin aus. In der Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit dem Thema «Sehn – Sucht». Bereits 2004 startete sie den Vorläufer der Gassenküche. Doch was hat das eine mit dem anderen zu tun? «Man muss auf Menschen, die Probleme haben, zugehen, sie ermuntern, gemeinsam einen Lebensweg finden. Man muss ein Ziel vor Augen haben, beispielsweise versuchen, aus dem Dreck zu kommen.»

In der «Gasse-Chuchi» komme sie mit solchen Menschen in Kontakt. «Es sind über 60, die mehr oder weniger regelmässig kommen.» Es sei wichtig, diese Leute zu führen, sie zu motivieren und mit ihnen etwas zu unternehmen. «Das funktioniert, wenn man zu ihnen geht und ihnen etwas offeriert.»

«Ich finde es sinnvoll»

Diese Arbeit sei eine grosse Freude, sagt die 68-Jährige. «Ich muss nicht mehr Geld verdienen, habe viel Zeit und finde es sinnvoll.» Rund 5000 Franken jährlich kosten die Mahlzeiten, die jeweils am Donnerstag an die 30 bis 40 Randständigen abgegeben werden. Der Verein «Gasse-Chuchi» lebt von Spenden, die unregelmässig reintröpfeln. Esther Schönmann übernimmt aber auch noch andere Aufgaben. Sie macht Spitalbesuche. Oder wenn einer der Randständigen stirbt, übernimmt sie einen Teil der Trauerarbeit, spricht mit den Kolleginnen und Kollegen des Verstorbenen und geht auch an die Beerdigung. Sie sei so etwas wie die Mutter der Randständigen, sagt sie von sich.

Auch dem Verein erwachsen immer neue Aufgaben. Sechsmal im Jahr werden an einem Stand auf dem Markt Essen abgegeben und Waren verkauft. Jeden Mittwoch erhält Esther Schönmann Esswaren von der «Schweizer Tafel» an ihren Wohnort in Aarwangen geliefert. «Ich sortiere diese und fahre danach nach Langenthal ins Samariterhaus.» Dort erhält sie die Esswaren, die bei der Aktion «Tischlein deck Dich» keine Abnehmer gefunden haben.

Mit jeweils zwei Autos voller Esswaren fährt sie zum Wuhrplatz und gibt die Esswaren ab. «Dort werden nicht nur die Randständigen mit den Waren bedacht. Auch alte Leute, arme Familien oder Ausgesteuerte bedienen sich.» Neuerdings karrt sie am Sonntagmorgen einige Randständige an den Blaukreuz-Brunch und zahlt diesen den angebotenen Brunch. «Einzelne haben dort auch schon Beratung gesucht. So haben wir eine Brücke zwischen Randständigen und dem Blauen Kreuz geschaffen», erklärt sie mit Stolz.

Kein Unterstand für Essensabgabe

Seit sechs Jahren trotzen Esther Schönmann und ihr Team Wind und Wetter. «Bisher hat sich noch niemand gemeldet und uns einen Unterstand für die Essensabgabe angeboten.» Nach wie vor sei die Motivation gross. Das zeigt der Fototermin beim Standort der «Gasse-Chuchi». Sie winkt den dort auf der anderen Seite der Langeten sitzenden Randständigen freudig zu. Einige Unsicherheit bereitet dem Verein die Zukunft des Wuhrplatzes. Wo, wann und wie wird die «Gasse-Chuchi» weiter im Einsatz stehen können? Und was passiert mit den Randständigen?