Unihockey
Für Wiler-Ersigen bricht eine neue Ära an

Am Sonntag um 18 Uhr startet Wiler-Ersigen bei GC in die neue Meisterschaft. Die Berner starten mit einem neuen Trainer und einer stark veränderten Mannschaft in die Saison. Trotzdem bleibt Wiler-Ersigen immer noch der Topfavorit.

Michael Lüthi
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Eines der Fragezeichen Ist Pascal Haab, der Nachfolger von Starkeeper Daniel Streit, ein Meistergoalie

Eines der Fragezeichen Ist Pascal Haab, der Nachfolger von Starkeeper Daniel Streit, ein Meistergoalie

Marcel Bieri

An Weihnachten gibt es bei vielen Menschen immer das gleiche Schlemmer-Menu. Eine Menge Leute fährt immer an denselben Ort in die Ferien. Und auch dem Beruf bleiben viele jahrelang treu. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, er mag es nicht, wenn plötzlich etwas im normalen Ablauf anders ist. Auch bei Wiler-Ersigen lief in den letzten acht Jahren immer (fast) alles nach dem gleichen Schema ab.

Alltagstrott

Das Siegen wurde zur Gewohnheit. Zwar zu einer schönen, aber eben: Irgendwie war es immer der gleiche Film, immer dieselben Muster. Sieben Schweizer Meistertitel in den letzten acht Jahren, zehn Playoff-Finals in Serie und acht Qualifikationssiege in Folge unterstreichen das eindrücklich.

Nun wurde Wiler-Ersigen auf diese Saison hin jäh aus dem Alltagstrott gerissen. Es kam der grosse Bruch, der grosse Umbruch. Nach acht Jahren steht zum Saisonbeginn erstmals nicht «Übertrainer» Thomas Berger, sondern mit dem Finnen Heikki Luukkonen ein Newcomer an der Bande. Und dann das Kader, kein Stein blieb auf dem anderen: Michael Flury - weg. Jonas Schneeberger - weg. Daniel Streit - weg. Olle Thorsell - weg. Joel Krähenbühl - weg. Michael Zürcher - weg. Roger Gerber - weg. Und Fabio Mutti - weg. So ging dem Serienmeister auf einen Schlag die Erfahrung von über 2000 Spielen in der Swiss Mobiliar League flöten. «Langwiler» ist Vergangenheit, ein neues Wiler startet am Sonntag in die Saison.

Finnisches Offensiv-Hockey

Auf den Szenendominator wartet die grösste Herausforderung seit Jahren. Die Spieler sind gespannt, angespannt. Etwas Neues, Ungewisses kommt auf sie zu. Wiler ist kein Gewohnheitstier mehr. Hinzu kommt der neue Trainer. Er lässt typisch finnisches Offensiv-Unihockey spielen. Vorbei ist es mit dem System Berger, das auf Ballbesitz und Spielkontrolle und damit Sicherheit basierte. Wie kann Wiler das «Luukkonen-Prinzip» umsetzen? Wie wird das Team mit den Abgängen der Routiniers fertig? Ist Pascal Haab ein Meistergoalie? Und wie schnell können sich die Neuen in die Mannschaft einfügen? Fragezeichen über Fragezeichen.

Diese Neuen sind ausser den beiden Finnen, Topskorer Essa Jussila (Malans) und Olli Oilinki (Langnau), beim SVWE keine Unbekannten. Cedric Rüegsegger (Dalen) und Nicolas Berlinger haben schon bei Wiler gespielt. Der Rest wird mit eigenen Junioren aufgefüllt. Sie sind das grosse Kapital der Emmentaler. Jedes Jahr bringt der Serienmeister zwei bis drei eigene Junioren heraus, die den Sprung in die erste Mannschaft nahtlos schaffen. Diese starke Nachwuchsförderung ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des Vereins.

Trotz allem der Topfavorit

Obwohl so vieles bei Wiler-Ersigen neu ist, ist einiges doch beim Alten geblieben. Mit den Hofbauer-Brüdern, den Rumpelstürmern Adrian Zimmermann und Philipp Fankhauser und den beiden Finnen Jussila und Oilinki verfügt das Team immer noch über eine unglaubliche offensive Feuerkraft. Und auch in der Defensive stehen mit Simon Bichsel und Henrik Quist immer noch zwei routinierte Dirigenten auf dem Feld. Obwohl die Konkurrenz (Langnau, Köniz, GC) gross aufgerüstet hat und wohl mehr denn je an einen Meistertitel glaubt, heisst der Topfavorit immer noch Wiler-Ersigen. Denn dieses Team weiss, wie man gewinnt ,und hat den absoluten Siegeswillen verinnerlicht. Und dieses Team ist dankbar für die vielen Fragezeichen, das Neue, die grosse Herausforderung. Der Ausbruch aus dem Leben als Gewohnheitstier kann beginnen...

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