Erlinsbach SO
Für jeden ein Kostüm: Sie erschaffen Superhelden und Piraten

Beatrice und Daniela Wittwer führen in Erlinsbach einen Kostümverleih. Gerade vor Halloween kommen viele Kunden.

Silvana Schreier
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Tochter Daniela und Mutter Beatrice Wittwer stehen oft zusammen im Laden an der Hauptstrasse in Erlinsbach SO.

Tochter Daniela und Mutter Beatrice Wittwer stehen oft zusammen im Laden an der Hauptstrasse in Erlinsbach SO.

Bruno Kissling

Der Kleider- und Kostümverleih an der Hauptstrasse in Erlinsbach SO ist ein richtiges Familienunternehmen: Gehören tut der Laden zwar Beatrice Wittwer; Tochter Daniela und Grossmutter Brigitte helfen aber — wann immer nötig — mit. Beide kennen den Laden, der sich über vier Etagen erstreckt, wie ihre eigene Handtasche. Daniela Wittwer sagt aber: «Anfangs war es schon schwierig, sich zurechtzufinden. Ich habe Jahre dafür gebraucht.»

Riesige Maskottchen hängen im Laden von Beatrice Wittwer neben grünen Aliens, hautengen Superman-Anzügen und ausladenden Prinzessinnenkleidern. «Wir haben alles», sagt sie, während sie einen falsch aufgehängten Dracula am richtigen Kleiderständer platziert. Mehr als 4000 verschiedene Kostüme seien hier gelagert. Gezählt habe sie ihre Schätze aber schon länger nicht mehr.

Vampire und Piraten an Halloween

An Halloween, das übermorgen ansteht, seien besonders die Vampir- oder Piraten-Kostüme beliebt. «Ich sage aber immer: Für Halloween kann man eigentlich jedes Kostüm nehmen und sich dann einfach ein bisschen tot schminken», sagt Daniela Wittwer. Und mit den passenden Accessoires, die der Kunde beim Verleih kostenlos dazu bekommt, sei das gruselige Halloween-Wesen perfekt.

«Ich führe diesen Verleih nun schon seit mehr als 30 Jahren. Da habe ich natürlich laufend aufgestockt», sagt die 57-Jährige. Angefangen habe alles mit ihrer Mutter Brigitte Wittwer und deren Liebe zur Fasnacht. «Sie lieh jedes Jahr ein anderes Kostüm aus. Als ihr Stammladen dann zu ging, übernahmen wir die Kostüme und führten den Verleih in Erlinsbach weiter», erzählt Beatrice Wittwer.

Mittlerweile scheinen die Räume des Kleiderverleihs überzuquellen: «Langsam haben wir keinen Platz mehr», gibt Beatrice Wittwer zu. Darum seien sie laufend daran, nicht mehr gewünschte Kostüme auszusortieren.

Kaum läuft ein neuer Film wie etwa «Fluch der Karibik» im Kino, findet man die dazu passenden Kostüme im Laden der Erlinsbacherin. So gibt es etwa das «Jack Sparrow»-Kostüm inklusive mehrerer Fingerringe, einer Goldkette, einem Säbel und einer Ledertasche. Tochter Daniela sagt: «Meine Mutter hat einen sehr guten Riecher. Sie weiss, welche Kostüme bald angesagt sind und kauft diese bei Händlern auf der ganzen Welt.» Sie streicht der gruseligen Golum-Maske die spärlichen Haare auf die Seite und platziert sie auf dem Regal neben den anderen.

«Sie arbeitet ohne Unterbruch»

Die strengste Zeit des Jahres seien jeweils die zwei Wochen rund um die Fasnacht. Dann stehen Tochter, Mutter und Grossmutter im Laden und bedienen die Kundschaft, die aus der Region oder gar aus Zürich und Basel nach Erlinsbach kommt. «Aber auch vor und während der Oktoberfest-Zeit läuft es gut bei uns», sagt Beatrice Wittwer. Die verschiedenfarbigen Dirndl und Lederhosen seien sehr beliebt. Auch würden immer wieder Verkleidungen für Hochzeits- oder Geburtstagsfeste gesucht: Die zufriedenen Kunden schickten dann oft im Anschluss an die Mottoparty Postkarten oder Fotos von sich im Kostüm. Und einige Stammkunden kämen jedes Jahr vor der Fasnacht in den Laden, um stets dasselbe Kostüm mit nach Hause zu nehmen.

Für die Ladenbesitzerin ist der Verleih ein Vollzeitjob. «Eigentlich arbeitet sie ohne Unterbruch», sagt die 36-jährige Tochter, die als Teenager für den Katalog des Kostümverleihs gemodelt hatte. Wenn der Laden gerade geschlossen sei, müssten die zurückgegebenen Kostüme gereinigt und geflickt werden. «Manchmal laufen vier Waschmaschinen gleichzeitig», so Wittwer. An der intensiven Arbeit müsse man Freude haben, um sie schon so lange zu machen: «Selbst verkleide ich mich nicht mehr und gehe auch nicht an die Fasnacht. Irgendwann hat man genug vom Verkleiden», sagt Beatrice Wittwer. Lieber berate sie ihre Kunden bei der Wahl des perfekten Kostüms: «Das wird sehr geschätzt. Wir raten auch schon mal von einem Kostüm ab.» So habe sich mal ein älterer Herr ein Superman-Kostüm gewünscht. «Das war aber hauteng. So konnten wir ihn nicht aus dem Laden spazieren lassen», sagt Wittwer lachend.