Schönenwerd
Für ihr Tanzstudio verschuldete sie sich – «heute habe ich einen Traumjob»

Marzia Talamonti übernahm vor 15 Jahren das Tanz-Atelier Schönenwerd. Damals war sie frisch geschieden und ging ein Wagnis ein. Heute ist sie froh darüber.

Isabel Hempen
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Marzia Talamonti links - rechts die 12- bis 15-jährigen Tänzerinnen der Showgruppe Tasty proben im Tanz-Atelier Schönenwerd

Marzia Talamonti links - rechts die 12- bis 15-jährigen Tänzerinnen der Showgruppe Tasty proben im Tanz-Atelier Schönenwerd

Bruno Kissling

In Schönenwerd erlebte Marzia Talamonti den ersten Schock ihres Lebens. Es waren die 1970er und sie war drei Jahre alt, als ihre Familie von der mittelitalienischen Region Marken in den Kanton Solothurn übersiedelte. Ihr Vater, ein Schuhmacher, heuerte bei Bally an. Zuvor hatten die Talamontis in Strandnähe gewohnt. «Ich genoss die Freiheit», erzählt die Seconda. Das Leben in Schönenwerd war ein anderes. Sie sperrte sich in ihr Zimmer ein.

Positives Ambiente

Marzia Talamonti sitzt im Büro ihres Tanzateliers in Schönenwerd. An die anfänglichen Schwierigkeiten nach dem Umzug kann sie sich nicht erinnern – ihre Mutter hat es ihr so erzählt. Die 47-Jährige ist leger gekleidet, trägt schwarzen Trainingsanzug, schwarze Ugg-Stiefel, schwarzlackierte Nägel.

Eine schwarze Brille und mittellanges schwarzes Haar rahmen das dezent geschminkte Gesicht. Es wirkt frisch, beinahe jugendlich. «Ich bin quasi hier drinnen aufgewachsen», sagt sie lachend, und deutet hinüber in den verspiegelten Saal. «Die Energie ist so gut hier, ich bin gerne hier.»

Impressionen aus dem Tanz-Atelier Schönenwerd Marzia Talamoonti (Mitte) vom Tanz-Atelier Schönenwerd mit Piloxing und Liah Szabo (für die abwesende Vanessa Gianelli) mit Kids aus den Showgruppen Freaky (8-11 Jahre) und Tasty (12-15 Jahre)
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Impressionen aus dem Tanz-Atelier Schönenwerd Marzia Talamoonti (Mitte) vom Tanz-Atelier Schönenwerd mit Piloxing und Liah Szabo (für die abwesende Vanessa Gianelli) mit Kids aus den Showgruppen Freaky (8-11 Jahre) und Tasty (12-15 Jahre)

Derzeit unterrichte sie selbst nicht, sagt die ausgebildete Jazz- und Hip-Hop-Tänzerin. Als sie vor fünf Jahren ihr zweites Kind bekam, reduzierte sie ihr Pensum. Dennoch ist sie jeden Tag in dem ehemaligen Loft anzutreffen, das sie vergangenes Jahr umbauen liess. «Vorher war alles offen, ich habe Wände reinmachen lassen», erklärt sie. Englische Begriffe zieren diese: energy, love, friendship. Ein positives Ambiente sei ihr wichtig. «Heute hat das Studio meinen Touch, meinen Style.»

Sie selbst war elf Jahre alt, als sie mit Tanzen anfing. In eben dem Tanzatelier, das sie heute führt. Um sich zusätzliche Lektionen finanzieren zu können, putzte sie dieses sogar. «Ich hatte den Schlüssel, das war genial.» Nach zehn Jahren Tanzunterricht in Schönenwerd bildete sie sich in Aarau, Zürich, Rom und San Francisco weiter. Zwischenzeitlich machte sie das KV und arbeitete beim Reiseunternehmen Kuoni in Zürich.

Vor 15 Jahren bot ihr die damalige Inhaberin Gabi Rehra an, das Tanz-Atelier zu übernehmen. Sie erinnert sich: «Ich war frisch geschieden und hatte kein Geld.» Mit der Hilfe von Familie und Freunden konnte sie die nötigen Geldmittel aufbringen. Heute sagt sie, sie habe einen Traumjob. – «Ich könnte nicht mehr für jemand anders arbeiten». Besonders dankbar ist sie ihrem Team, das ihr enorm den Rücken stärke.

Familie ist ihr wichtig

Wenn Marzia Talamonti ins Reden kommt, dann verleiht sie ihrer jugendlichen Sprache mit Gesten Nachdruck. Derzeit, sagt sie, macht sie vor allem Büroarbeit und betreut die Power-Plate- und Piloxing-Trainings. Immer wieder kommt sie auf ihre Familie zu sprechen. Insbesondere ihr Vater habe sie immer unterstützt. Ihre Tochter gibt an ihrer Schule Hip-Hop-Stunden. «Sie ist hier aufgewachsen, schon im Alter von zwei Jahren ist sie hier drin rumgehangen», meint Talamonti stolz. Sie schiebt nach: «Ich investiere recht in sie.» Die 17-Jährige mache das KV. Nächstes Jahr möchte sie an eine Tanzschule in die USA. «Sie will machen, was ich gemacht habe – und noch mehr», sagt Talamonti. Auch ihren 5-jährigen Sohn erwähnt sie: «Mein Kleiner ist temperamentvoll wie ich, es muss immer was laufen. Er hält mich extrem auf Trab.» Sie selbst, merke sie, werde mit dem Alter aber auch ruhiger. Auch wenn ihr Mann sich manchmal beschwere, dass sie dauernd im Studio sei. «Ich muss eben immer was tun ...»

Am Samstag, 21. Januar, feiert das Tanz-Atelier Schönenwerd sein 30-jähriges Bestehen. Ab 10 Uhr morgens werden kostenlose Tanzworkshops angeboten, ab 16 Uhr treten die Showgruppen auf. Ort: Oltnerstrasse 17, Schönenwerd.