Vorsichtsmassnahme
Für Ebola gewappnet: Zürcher Unispital richtet Ebolastation ein

Das Zürcher Universitätsspital ist nun bereit, bei Bedarf einen Patienten mit Verdacht auf Ebola aufzunehmen.

Matthias Scharrer
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Blick ins Patientenzimmer der Isolierstation für Ebola-Patienten am Unispital Zürich.

Blick ins Patientenzimmer der Isolierstation für Ebola-Patienten am Unispital Zürich.

Universitätsspital Zürich

Das Universitätsspital Zürich (USZ) hat eine neue Isolationseinheit eingerichtet, um für Ebola-Patienten gerüstet zu sein. Die neue Station wurde zusätzlich zum bereits vorhandenen Isolationsbereich für die Behandlung von Patienten mit hoch ansteckenden Krankheiten geschaffen. «Die Abteilung ist vom übrigen Gebäude baulich abgetrennt und speziell gesichert», so USZ-Sprecherin Martina Pletscher auf Anfrage. Der Zugang sei nur mit einem speziellen Badge möglich. So soll verhindert werden, dass Unbefugte versehentlich auf die Ebolastation gelangen.

Spezialbehälter für Abfälle

Die Abläufe seien zudem so gestaltet, dass auch Material nur dekontaminiert und damit gefahrlos die Station verlasse: Abfall werde in extradichten mehrschichtigen Abfallkübeln entsorgt. Das WC ist im Patientenzimmer. Es handelt sich um ein sterilisierendes Trocken-WC, damit keine Viren ins Abwasser gelangen können. Fürs Personal hat das USZ laut Pletscher seine Vorräte an Schutzanzügen aufgestockt; dazu gehören auch virendichte Schutzmasken. Die Schutzanzüge würden nur einmal verwendet und dann ebenfalls im gesicherten Abfallbehälter entsorgt.

Auch die Ärzte und das Pflegepersonal, die auf der Station zum Einsatz kämen, verfügen laut Pletscher über die nötigen Kenntnisse zum Umgang mit Ebola-Verdachtsfällen und -Patienten. Bislang habe es aber am USZ weder Ebola-Verdachtsfälle noch -Patienten gegeben.

Anders am Universitätsspital Genf: Dort ist seit letztem Donnerstag ein Ebola-Patient in Behandlung. Es handelt sich um einen kubanischen Arzt, der sich bei einem Hilfseinsatz in Sierra Leone infizierte. Gemäss Bundesamt für Gesundheit ist mit weiteren Einzelfällen dieser Art zu rechnen. Darauf hat sich das USZ nun eingestellt: «Das Universitätsspital Zürich ist bereit, einen Patienten mit Verdacht auf Ebola in der Isolierstation aufzunehmen, abzuklären und zu behandeln», so Pletscher.

USZ ist erste Anlaufstelle

Die Infektiologie des USZ ist im Kanton Zürich die «erste und umfassendste Anlaufstelle» für solche Fälle, wie Daniel Winter, Sprecher der kantonalen Gesundheitsdirektion, sagt. Der Kanton Zürich erfülle damit die Aufforderung des Bundesamts für Gesundheit an alle Kantone, solche Anlaufstellen zu schaffen. Neben dem USZ ist gemäss Winter auch das Kantonsspital Winterthur fähig, Ebola-Patienten ohne gravierende Komplikationen zu behandeln und zu betreuen.

Alle anderen Spitäler im Kanton Zürich seien darüber instruiert, was für Massnahmen bei Ebola-Verdachtsfällen zu ergreifen wären. Speziell erwähnt Winter hygienische Massnahmen und die Kontaktaufnahme mit dem USZ.

Unispital Basel hat Erfahrung

Erfahrung mit der Behandlung von Ebola-Patienten hatte in der Schweiz bislang nur das Universitätsspital Basel: Der Infektiologe Andreas Widmer betreute dort vor 18 Jahren eine Ebola-Patientin.

«Die Pflege ist extrem aufwendig. Deshalb kann kein Schweizer Spital mehr als einen Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung betreuen», sagt Widmer. Seine Patientin verliess das Universitätsspital Basel vor 18 Jahren gesund, wie die Basellandschaftliche Zeitung berichtete. Auch dem letzte Woche im Universitätsspital Genf eingelieferten kubanischen Ebola-Patienten geht es laut Medienberichten bereits besser.

«Die Gefahr in der Schweiz ist klein»

Seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie im vergangenen Frühling haben sich in den westafrikanischen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone über 15 000 Menschen angesteckt; über 5400 starben. Im Oktober traten erstmals vereinzelte Erkrankungen ausserhalb von Afrika auf (in den USA und Spanien). «Die Gefahr eines Ebola-Falls in der Schweiz ist klein», schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Für eine Infektion brauche es Körperkontakt zu einer bereits erkrankten Person, konkret: mit deren Blut, Speichel, Urin, Kot, Erbrochenem, Schweiss oder Sperma. Eine Ansteckung über die Luft sei nach aktuellem Wissensstand nicht möglich. Und wer noch keine Krankheitssymptome zeige, könne niemanden infizieren.
Passagiere aus Guinea, Liberia und Sierra Leone werden laut BAG bei der Ausreise aus ihrer Heimat kontrolliert und in den Flughäfen Zürich und Genf aufgefordert, sich beim BAG zu melden, falls sie sich krank fühlen. Das Risiko, dass Asylsuchende das Ebola-Virus über den Landweg einschleppen, ist gemäss BAG gering, da es Infizierten während der Inkubationszeit von maximal 21 Tagen praktisch unmöglich sei, auf diesem Weg die Schweiz zu erreichen. Ohnehin kommen nur sehr wenige Flüchtlinge aus Guinea, Liberia und Sierra Leone in die Schweiz. Der aktuell bislang einzige an Ebola Erkrankte hierzulande befindet sich im Universitätsspital Genf. Es handelt sich um einen kubanischen Arzt, der sich bei einem Hilfseinsatz in Sierra Leone infizierte. Letzten Donnerstag wurde er nach Genf geflogen. Gemäss Angaben des Universitätsspitals Genf geht es ihm bereits besser, das Fieber habe nachgelassen, ebenso die Anzahl der Viren im Blut.
Das BAG hat in mehreren grossen Schweizer Spitälern Vorbereitungen auf Ebola veranlasst. Im Vordergrund steht dabei das Szenario, dass ein an Ebola erkranktes Mitglied einer Hilfsorganisation zur Behandlung in die Schweiz transportiert wird.

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