Langenthal
Frischgebackene Eltern erhalten in Langenthal kein Geschenk

Babys werden von der Stadt Langenthal nicht honoriert – von 2002 bis 2003 gab es noch ein Goldvreneli. Und noch in den 80er-Jahren erhielten Mütter in Langenthal einen Beitrag von 75 Franken an die Kosten für die Geburtshilfe.

johannes reichen
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Alleine mit dem Kinderwagen: Von der Stadt jedenfalls gibts kein Geschenk. (Foto: Felix Gerber)

Alleine mit dem Kinderwagen: Von der Stadt jedenfalls gibts kein Geschenk. (Foto: Felix Gerber)

Solothurner Zeitung

Daniel Steiner stellte sich das so vor: Wer in Langenthal ein Kind bekommt, erhält obendrauf ein Kärtchen vom Stadtpräsidenten und dazu einen Einkaufsgutschein der Stadtvereinigung im Wert von 50 Franken. Ausgehend von 150 Geburten pro Jahr (2010 waren es 140) würde dies die Stadt nur 7500 Franken kosten. «Wollen wir also ein sympathisches Zeichen setzen?», fragte der EVP-Stadtrat.

Sie wollten nicht, Steiner kam am Montag vor dem Stadtrat nicht durch mit seiner Motion, die verlangte, dass den «Eltern neugeborener Kinder ein Anerkennungsgeschenk zur Geburt» auszurichten sei. Das hätte übrigens nicht unbedingt ein Einkaufsgutschein sein müssen, fand Steiner. Auch Abfallmarken (für die Entsorgung von Windeln), ein Eintritt ins Stadttheater oder ein Gutschein fürs Babysitten hätten den Zweck erfüllt.

Früher gabs ein Goldvreneli

Es ist noch nicht so lange her, da gab es in Langenthal so was Ähnliches. An diese Zeit erinnerte sich auch Nathalie Scheibli (SP). Sie erzählte von einer gewordenen Mutter, die einst ein Goldvreneli von der Stadt bekommen hatte, währenddessen sie selbst, die ihre Kinder später bekommen hatte, leer ausgegangen war.

Tatsächlich wurde das Kinderkriegen ab 2002 mit einer Münze honoriert, aber eben nicht für lange. Ende 2003 wurde das entsprechende Reglement aufgehoben, «im Rahmen von Sparmassnahmen», wie Steiner in der Motion schrieb. Und noch in den 80er-Jahren erhielten Mütter in Langenthal «einen Beitrag von 75 Franken an die Kosten für die Geburtshilfe». Als «nicht mehr zeitgemässe soziale Massnahme» wurde er letztmals 1989 ausbezahlt.

Nun gibt es also keine moderne Version von Goldvreneli oder Geburtshilfe-Batzen. Auch des Motionärs Hinweise auf Zürich (200 Franken) oder Cham (Windlicht) nützten nichts. Die Bürgerlichen stimmten mit einer Ausnahme gegen den «Willkommensgruss für Eltern»; man könnte ja eventuell die Bedürfnisse der Väter und Mütter verfehlen, und das beste Geschenk einer Gemeinde seien ohnehin gute Strukturen.

Die Linke sprach sich mit einer Ausnahme dafür aus; es spreche ja nichts gegen die sympathische Geste. Machte 20 Nein zu 17 Ja. Steiners Motion wurde für nicht erheblich erklärt, das Parlament folgte damit dem Antrag des Gemeinderats.

Rufeners Bedenken

Das dürfte für Erleichterung gesorgt haben bei Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP). Der hatte die Befürchtung geäussert, dass es gar nicht so einfach wäre, ein Geschenk und das Reglement dazu «sinnvoll auszugestalten». Und er gab auch zu bedenken, «dass es ja nicht in jedem Fall so klar ist, wo das Geschenk hingehen sollte». Damit war er der Einzige – Spezialfälle wie Kuckuckskinder, Samenspenden, Leihmutterschaften wurden in der Debatte jedenfalls ausgeblendet.

Neuen Eltern bleibt also eine städtische Anerkennung bis auf Weiteres versagt – ausser man betrachte die fast einstündige Diskussion als Teil davon. Und falls die Stimmbürger im Mai der 19 Millionen Franken teuren Sanierung der Schulhäuser Kreuzfeld 1 und 4 zustimmen (siehe Ausgabe von gestern), ist das ja möglicherweise auch ein sinnvolles Geschenk für die Kinder.

Dem Stadtrat wäre es das 2500-fache von 150 Gutscheinen wert.