Dietikon
Freiwillige lassen die Nähmaschinen für Flüchtlinge rattern

Freiwillige haben einen Tag lang Decken genäht, damit auch Flüchtlingskinder etwas zum Kuscheln haben.

Franziska Schädel
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Nähen für Flüchtlinge
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Das Ehepaar Wüest hilft gerne, wo es kann.
Christina Burgstaller ist konzentriert bei der Arbeit
Christine Burgstaller ist konzentriert an der Arbeit

Nähen für Flüchtlinge

Franziska Schädel

Es ist still, nur die Nähmaschinen surren leise. 16 Frauen nähen bunte Bettdecken, die sie Flüchtlingskindern mit auf den Weg geben möchten. Eine kuschelige Bettdecke vermittelt Geborgenheit, Schutz und Wärme und sie kann ein Stück Heimat sein. Das hat sich die Aargauerin Simone Maurer gedacht und 2014 das Projekt «Mini Decki» ins Leben gerufen. Seither nähen engagierte Menschen in der Schweiz, in Deutschland und Österreich Bettdecken für Flüchtlingskinder.

Die Dietikerin Seraina Gloor hat in einer Zeitschrift von diesem Projekt gelesen und nach Anleitung im Internet selber eine solche Decke genäht. «Das ging so einfach, dass ich mir dachte, zusammen mit anderen einen Tag lang Decken nähen, das wäre doch super.» Sie begeisterte den Sozialdiakon der reformierte Kirche Dietikon für ihre Idee. Die Kirche hat ihr den Saal des Kirchgemeindehauses zur Verfügung gestellt und einen Kredit gesprochen, um das nötige Material zu beschaffen.

Berge von Stoff gespendet

«Nach einem Spendenaufruf haben uns die Leute Berge von Stoff gebracht», erzählt Seraina Gloor. «Einige Leute arbeiten auch von zuhause aus, andere stellen ihre Nähmaschinen zur Verfügung. Ist jemand nicht so geübt, dann helfe ich.» Die Basis der Decken ist ein Duvet von Ikea. Der Stoff wird draufgenäht und fertig ist die kleine Decke, die ein Flüchtlingskind künftig begleiten wird. Die bunten, sorgfältig zusammengestellten Stoffe machen jede Decke einzigartig. Auf einem Tisch stapeln sich die fertigen Arbeiten. Mit dem Resultat dieses Tages ist Seraina Gloor sehr zufrieden: «Es ist erst Mittag und bereits sind alle Decken vernäht. Ich musste Nachschub holen in der Ikea.»

Am Ende, so Gloor, werden es 50 Decken sein, die sie der Organisation zur Verfügung stellen kann. Christine Burgstaller verarbeitet einen gemusterten grün-gelben Stoff. «Es ist doch eine gute Idee, statt Geld zu spenden, direkt zu helfen», findet sie. Das Material hat die gelernte Schneiderin selber mitgebracht. Auch Heidi Flückiger ist zufrieden. Sie hat bereits fünf Decken genäht. «Und ich mache noch eine Weile weiter», sagt sie. Ein einziger Mann legt auch Hand an. Felix Wüest hält seiner Frau die Stoffbahn, während ihre Nähmaschine rattert. «Ich wollte meine Frau abholen, aber weil sie noch nicht ganz fertig ist, helfe ich ihr. Selber nähen, das kann ich nicht», lacht der Rentner. Seine Frau Lilly sag stolz: «Zwei Decken habe ich genäht, und das hat mir grosse Freude bereitet.»

Für Seraina Gloor ist klar: «Jede Mutter möchte, dass ihr Kind sich wohlfühlt und etwas hat, an dem es sich halten kann. In unsere Decken können sie sich reinkuscheln. Es ist unser kleiner Beitrag, das Los der Flüchtlingskinder etwas leichter zu machen.»