Kolumne
Frauen ticken anders

az-Kolumnist Werner de Schepper über die Afffäre Strauss-Kahn, eine Einladung als Gastredener an den Frauenstreiktag in Olten und das neue Selbstbewusstsein der Frauen.

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Frauen am grossen Streiktag am 14. Juni 1991

Frauen am grossen Streiktag am 14. Juni 1991

AZ

«Mais non!» Mathilde Jarry studiert in Neuenburg Journalismus und redet auf mich ein: «Aber nein, Strauss-Kahn ist unschuldig. Vielleicht hatte er Sex mit dem Zimmermädchen. Gut möglich. Aber nicht gegen ihren Willen. Sonst hätte er anders reagiert. Wäre entweder richtig geflüchtet oder extra in der Suite geblieben. Non, non. Wer brachte die News zuerst? Ein Sarko-Anhänger! Eine Stunde später wusste er es schon. Das ist alles inszeniert, um DSK auszuschalten.» Mann ist baff. Auch die anderen anwesenden Studentinnen denken so: «Typisch Amerika: Wenn die Sex hören, denken sie automatisch, dass die Frau das Opfer ist.»

Frau ist nicht gleich Opfer! Das sagt die junge Berner SP-Stadträtin Tanja Walliser und fordert, dass der Feministinnen-Klub «SP Frauen» als Sondergruppe ihrer Partei abgeschafft wird: «Es gibt nicht einfach die mächtigen Männer und die schwachen Frauen; das eigentliche Problem sind überholte Rollenmuster, die beide Geschlechter einschränken.» Mann staunt.

Noch mehr staunt Mann, als die junge Badenerin Andrea Arezina, die soeben erfolgreich 100000 Unterschriften für die 1:12-Lohninitiative organisiert hat, sagt: «Wir wollen Dich am Frauenstreiktag am 14. Juni in Olten als Gastredner.» – «Aber ich bin doch ein Mann.» – «Eben. Es ist doch viel interessanter, auch mal eure Sicht zu hören, als wenn wir uns nur selber beklagen.» – «Kann ich da noch Nein sagen?» – «Nein.»

Vier Frauen haben im Bundesrat den Atom-Ausstieg beschlossen. Das neue Selbstbewusstsein der Frauen tut uns Männern definitiv gut.