Hier spricht der Chef
Frankenuntergrenze ist keine Basis für nachhaltige Entwicklung

Die Entscheidung der Nationalbank, eine Untergrenze des Euro bei 1.20 festzulegen, lässt die Schweizer Industrie wenigstens kurzzeitig aufatmen. Eine tragfähige Basis für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung bietet dieses Wechselkursniveau nicht.

Konrad Kaufmann*
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*Konrad Kaufmann ist Geschäftsführer der F. Hunziker+Co AG, Dietikon

*Konrad Kaufmann ist Geschäftsführer der F. Hunziker+Co AG, Dietikon

Die Entscheidung der Nationalbank, eine Untergrenze des Euro bei 1.20 festzulegen, lässt die Schweizer Industrie wenigstens kurzzeitig aufatmen. Es ist klar: Eine tragfähige Basis für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung bietet dieses Wechselkursniveau nicht.

Die KMU, notabene das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft, segeln auch ohne Wechselkursrisiken hart am Wind. Innerhalb von rund eineinhalb Jahren reduzierte sich die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Firmen über die wichtigsten Währungen um rund 25 Prozent. Da helfen sogar deutliche Produktivitätsfortschritte nur spärlich. Sicher ist es so, dass international aufgestellte Unternehmen mit ausländischen Produktionsstätten den Einfluss der Währung besser abfedern können als jene, die ihr gesamtes Kapital in der Schweiz investiert haben. Sie sind in der Lage, schneller Kapazitäten im Ausland aufzubauen oder ganz einfach Produktionen zu verlagern.

Natürlich haben viele lokal produzierende KMU begonnen, im Euro-Raum Rohmaterialien, Anlagen und Dienstleistungen einzukaufen, um dem Margenzerfall entgegenzuwirken und damit ihr Risiko abzusichern. Wir müssen uns aber bewusst sein, dass damit substanziell Arbeitsplätze und Wertschöpfung ins Ausland exportiert werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Rückverlagerung ist sehr gering, wenn die Entscheide gefällt und die Investitionen getätigt sind (denn endlich hat man das «Euro-Problem» endgültig gelöst).

Für uns Schweizer sind das düstere Aussichten. Weniger Arbeitsplätze, tieferer Konsum, weniger Steuereinnahmen! Wenn die Entscheide nicht schon gefällt sind, werden sie in den nächsten Tagen und Wochen getroffen. Irreversibel! Unser Wohlstand wird darunter leiden!

Es darf nicht weiter gezögert werden: Die Schweizer Industrie braucht einen Euro-Wechselkurs von 1.40 oder höher! Letztlich kommt uns jeder Lösungsansatz teuer zu stehen. Im einen Fall führen die Interventionen der Nationalbank zu beträchtlichen Kosten, im anderen werden hohe Sozialkosten und fehlende Steuereinnahmen zu Buche schlagen. Im ersten Fall bleibt uns jedoch die sinngebende Arbeit zum Wiederaufbau unseres Wohlstandes! Die Politik und die Nationalbank müssen jetzt aktiv werden!

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