Samuel Kaderli
Fischereiaufseher tritt nach 27 Jahren ab und freut sich aufs Fischen

Der Lotzwiler Samuel Kaderli wollte aussteigen, landete alsbald aber erst recht in einem stressigen Job. Nun zieht der 63-Jährige Bilanz und tritt definitiv ab.

Samuel Thomi
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Gestern war Schluss: Fischereiaufseher Samuel Kaderli ist pensioniert.

Gestern war Schluss: Fischereiaufseher Samuel Kaderli ist pensioniert.

sat

Gestern packte Samuel Kaderli letztmals das Elektrofanggerät zum Fangen von Fischen ins extragrosse, geländegängige Auto. Dieses wie auch die Elektro-Anode benötigt er ab heute nicht mehr. Nach 27 Jahren beginnt für den 63-Jährigen der Unruhestand: «Ich züchte ja auch noch Jagdhunde», erzählt er am Küchentisch. «Ende Mai gibts wieder Nachwuchs, darauf freue ich mich, und habe nun auch genug Zeit dafür.»

Zudem wolle er bald in Norwegens Fjorden Dorsche und Heilbutte angeln. «Und natürlich haben meine Frau und ich gemeinsame Pläne.» - Doch Ruth Kaderli, die inzwischen auch am Tisch sitzt und zuhört, will noch ein paar Jahre weiter arbeiten. Mehr Zeit wird Kaderli also auch für die Jagd haben. Denn - wie könnte es anders sein - der Lotzwiler fischt nicht nur: «Bald besuche ich mit Kollegen befreundete Hundezüchter in Tschechien und gehe dort auf die Jagd.»

An der Kreuzfeldstrasse erinnert nicht mehr viel daran, dass Samuel Kaderli von hier aus fast drei Jahrzehnte lang die oberaargauer Gewässer beaufsichtigte. Die äusserst selbstständige Arbeitsweise als «Herr der Fische» habe Vor- und Nachteile. Ob der ständigen Erwartungshaltung der Bevölkerung habe er lernen müssen, sich abzugrenzen. Erst recht, als die drei inzwischen erwachsenen Töchter noch zu Hause wohnten. Letzte Säcke mit Papier sind in der Wohnung noch zu sehen, hinterm Haus stehen noch letzte Eimer und Kanister. Den Rest hat Nachfolger Tihomir Prevendar schon abgeholt; der erste Arbeitstag des Aarwangener ist heute Dienstag.

Schlaflose Nächte

«Ich schaue mit Freude und Befriedigung zurück», zieht Samuel Kaderli Bilanz. Er sei damals «ein Aussteiger» gewesen, habe sich als gestresster Verkaufsleiter nach einer ausgleichenden Alternative umgesehen. Und kam auf die Welt: «Ich musste zwar nicht mehr Umsatz oder Cashflow-Prozente erreichen, dafür haben mir Konfliktsituationen oder Gewässerverschmutzungen immer wieder stark zugesetzt.»

Der Fischereiaufseher sei zwar wie der Name sagt Fürsprecher für Gewässer und Fische: «In all den Jahren habe ich jedoch lernen müssen, dass man meist schneller vorankommt, wenn man die Erwartungshaltung seines Gegenübers kennt und zu verstehen versucht, statt stur die eigene Position durchsetzen zu wollen.» Manchmal, so Kaderli, habe er jedoch auch schlaflose Nächte verbracht: «Wenn ich wieder einmal ein paar hundert weisse Bäuche obenauf schwimmen sah, konnte mich das tagelang beschäftigen.»

Überhaupt scheint das Thema ein schwieriges: «Oft, wenn ich an einem Unglücksort eintraf, fühlte ich mich eher als Täter statt als unabhängige Ordnungskraft.» Weil Fischereiaufseher in den meisten Fällen naturgemäss zu spät eintreffen, da sprichwörtlich schon zu viel Wasser den Bach hinunter geflossen ist, sei die für eine Bestrafung nötige Beweispflicht meist nur schwer zu erfüllen.

Aber eigentlich erzählt Kaderli lieber von Erfolgen; davon, dass in seiner Zeit im Oberaargau der einst heimische Edelkrebs wieder angesiedelt wurde. Dass sich bedrohte Fischarten wie der Strömer erholt haben, die Aesche zurück in der Oenz und neu in der Langete anzutreffen ist, oder dass die Nase langsam wieder in die Seitenflüsse der Aare eingesetzt wird und diese hoffentlich wieder erobert.

«Um ein guter Fischereiaufseher zu sein, muss man kein Grüner sein», sagt Kaderli. «Aber eine Beziehung zur Natur braucht es schon.» In seinem Fall habe er diese von seinem Vater mitbekommen: «Ich war stolz und schätze mich glücklich, dass ich bereits als Zehnjähriger quasi neben dem Elternhaus in einer privaten Fischenz an der Langete fischen durfte.»

Wie damals, als Zehnjähriger

Einer, der ebenfalls an der Langete fischt, ist Markus Meyer. Als Kantonaler Fischerpräsident sagt der Roggwiler Grossrat über Samuel Kaderli: «Trotz unterschiedlicher Rollen habe ich die Zusammenarbeit mit Samuel stets äusserst geschätzt.» Dieser habe «seine Linie auf eine gute Art durchgezogen», sei also nicht nur Fischer-Polizist gewesen, sondern habe seine Arbeit umfassend gesehen.

Früher, sagt Samuel Kaderli, habe er tatsächlich mehr Kontrollgänge gemacht. «Wie ich mich, hat sich in den Jahrzehnten auch mein Beruf stark gewandelt.» So werde er heute fast zu jeder Wasserbau relevanten Baustelle beigezogen, müsse viel mehr Büroarbeit verrichten: «Wenn dann noch Laichfischfang ist, werden Nachtschichten respektive Überstunden unausweichlich.» Je nach Saison komme es vor, dass er den Grossteil der Arbeitszeit draussen verbringe, manchmal sei es gerade umgekehrt.

Aus der Arbeit seines Nachfolgers will sich Samuel Kaderli tunlichst raushalten. «Bei Fragen stehe ich zur Verfügung und werde ihn auch tageweise einarbeiten.» Schliesslich freue er sich aber darauf, nun aus der Haut des Fischereiaufsehers zu schlüpfen und wieder als normaler Fischer am Ufer zu sitzen. Wie damals als Zehnjähriger, als neben dem Elternhaus an der Langete die Faszination für sein jahrelanger Job geweckt wurde.

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