«Projekt Florian»
Feuer im Dach: Keine neue Profi-Feuerwehr für den Raum Liestal

Der neue grosse Feuerwehr-Verbund Liestal liegt auf Eis. Ein Teilverbund macht lieber allein weiter: Der Bubendörfer Gemeindepräsident schert aus.

Benjamin Wieland
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Vielen Miliz-Feuerwehren fehlt die Manpower, wenn es tagsüber brennt wie hier im Herbst 2017 in Pratteln. Vollamtliche Profis sollen Abhilfe schaffen.

Vielen Miliz-Feuerwehren fehlt die Manpower, wenn es tagsüber brennt wie hier im Herbst 2017 in Pratteln. Vollamtliche Profis sollen Abhilfe schaffen.

Ein Jahr lang tüftelten die Verantwortlichen am Projekt. Doch jetzt lösen sich ihre hochtrabenden Pläne in Luft auf: Im Kanton Baselland wird es vorerst keine neue Profi-Feuerwehr für elf Gemeinden im Raum Liestal geben. Das Projekt namens «Florian» ist blockiert.

Das Vorhaben zum Scheitern gebracht hat Bubendorf, eine der elf Gemeinden, die sich dem neuen Verbund hätten anschliessen sollen. Bubendorf bildet zusammen mit Ramlinsburg und Ziefen den Feuerwehr-Verbund Wildenstein. Ohne ihn hätte es im Versorgungsgebiet von «Florian» eine Lücke gegeben – eine zu grosse Lücke, wie sich herausstellen sollte.

Zu den Gründen für das Ausscheren sagt der Bubendörfer Gemeindepräsident Erwin Müller: «In unserer Feuerwehr bestanden zu grosse Vorbehalte gegenüber ‹Florian›. Wir mussten uns eingestehen, dass wir mit der Vorlage vor der Gemeindeversammlung höchstwahrscheinlich Schiffbruch erlitten hätten. So sagten wir uns: Besser nicht noch mehr Ressourcen für das Projekt verschwenden – lieber gleich die Reissleine ziehen.»

Er sei sich bewusst, sagt Müller, dass bei den Verantwortlichen der Frust tief sitze. «Es ist schade. Aber uns sind die Hände gebunden. Die Zeit ist einfach noch nicht reif für den Grossverbund.»

Kryptische Mitteilung

Den Beschluss, aus «Florian» auszusteigen, fällte der Bubendörfer Gemeinderat bereits Ende 2017. Einige involvierte Gemeinden druckten in den Amtsblättern vom April jeweils eine gleichlautende Mitteilung ab, etwa Reigoldswil. Verfasst hat sie Florian Kron, Vorsteher des «Florian»-Lenkungsausschusses und Gemeindepräsident von Hersberg, das sich ebenfalls dem Verbund angeschlossen hätte.

Krons Mitteilung ist ziemlich verklausuliert. Erst in den letzten zwei Absätzen wird klar, dass das Projekt gescheitert ist. In ihnen heisst es, mit «Florian» sei zwar «wertvolle Vorarbeit geleistet worden», die könne jedoch erst «zu einem späteren Zeitpunkt» herangezogen werden. «In nächster Zukunft werden einige Gemeinden zusammen einen kleineren Verbund bilden.» Im Klartext: «Florian» kommt nicht.

Milizler nicht schnell genug

Kron sagt auf Anfrage der «Schweiz am Wochenende», man wisse noch nicht, wie es weitergehe. «Ursprünglich hatten wir vor, per Anfang 2019 loszulegen. Das können wir jedoch ohne eine gewisse Mindestzahl an Gemeinden nicht bewerkstelligen. Ziel ist jetzt ein kleinerer Verbund. Wie er genau ausschaut, müssen wir klären.»

Die Pläne für «Florian» – der Name leitet sich vom Schutzpatron der Feuerwehr ab – sahen mindestens elf Mitgliedsgemeinden vor: Liestal, Bretzwil, Seltisberg und Lupsingen (Verbund Oris), Arisdorf und Hersberg («Viola»), Reigoldswil und Lauwil («Wasserfallen») sowie der erwähnte Zusammenschluss Wildenstein, mit Bubendorf, Ramlinsburg und Ziefen.

Notwendig geworden sind die Kooperationen, weil etliche Feuerwehren Mühe bekunden, im Ernstfall genügend Angehörige aufzubieten, vor allem wochentags. Das habe mit der zunehmenden Mobilität zu tun, hiess es an einer Medienorientierung zu «Florian» im April 2017. Immer mehr Dienstleistende seien Pendler. Im Alarmfall könnten sie sich nicht rasch genug im Magazin einfinden.

Organisiert hatte die Medienkonferenz vom vergangenen Jahr die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung. Sie ist für das Feuerwehrwesen im Kanton zuständig. Das Projekt wurde als «Rettung der Milizfeuerwehr» bezeichnet. «Florian» sah zehn vollamtliche Profis vor, sie hätten für die angeschlossenen Ortschaften die Tagesbereitschaft garantiert. Die Orts-Feuerwehren wären nicht abgeschafft worden, zumindest vorerst. «Florian» galt als Pionierprojekt. Der Kanton sah insgesamt fünf derartige Verbünde vor.

Zumindest in Reigoldswil bedauert man das abrupte Ende von «Florian». Gemeindepräsident Urs Casagrande sagt: «Unser Verbund mit Lauwil funktioniert gut. Trotzdem hoffen wir, dass die Idee wieder aufgegriffen wird.»