Weihnachtsgewürze
Festlich gewürzt

Wie kamen Anis, Zimt und Kardamom einst in unser Weihnachtsgebäck? Wir unternehmen eine kleine Reise in die Welt der festlichen Gewürze.

Monika Burri
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Unverwechselbar duftende Gewürze künden jedes Jahr die Advents- und Weihnachtszeit an. Das ist kein Zufall, sondern hat einen historischen Hintergrund. Zimt, Muskat, Ingwer und weitere Aromen spielten in der Geschichte der Menschheit eine wirtschaftliche, politische und religiöse Rolle. Zusätzlich zu ihrer Verwendung zur Geschmacks- und Lebensmittelkonservierung werden auch heute noch viele Gewürze als Arzneimittel eingesetzt. Auffallend ist nämlich, dass die typisch weihnachtlichen Gewürze einen hohen Anteil an ätherischen Ölen enthalten, die beispielsweise die Verdauung fördern, den Appetit anregen oder die Abwehrkräfte stärken. Darüber wussten im Mittelalter vor allem die Mönche und Nonnen Bescheid: Sie studierten die Schriften der Antike und der Araber und pflanzten in ihren Klostergärten allerlei Gewürze an, von deren Heilkraft sie überzeugt waren.

Die wichtigsten Weihnachtsgewürze

Zimt Zimt stammt aus Sri Lanka und wird aus der getrockneten Rinde der Zimtbäume hergestellt.Er wirkt sich positiv auf den Blutzucker aus und gilt als wichtigstes Weihnachtsgewürz überhaupt. Man vermutet, dass die Chinesen schon vor 5000 Jahren Zimtbäume kannten und deren Rinde als Gewürz nutzten.
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Safran Der Safrankrokus stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum und ist eine der ältesten Kulturpflanzen. Er wird auch «rotes Gold» genannt, da nur die roten Fäden in der Küche verwendet werden. Weil Safran teuer ist, wird er oft durch das günstigere Kurkuma ersetzt. Safran kann schmerzlindernde wie auch harn- und schweisstreibende Eigenschaften haben.
Gewürznelken Gewürznelken stammen wohl von den indonesischen «Gewürzinseln». Im Mittelalter gehörten sie in die Küchen der Reichen, denn sie waren extrem teuer. Heute findet man Gewürznelken in der Weihnachtszeit in Lebkuchen, Früchtebrot, Glühwein und Punsch. Ihnen werden antibakterielle und appetitanregende Eigenschaften nachgesagt.
Ingwer Fruchtig und scharf ist er und darf weder im Lebkuchen noch im Spekulatius fehlen. Für Backwaren wird die Knolle getrocknet und zu Pulver zermahlen oder geschnitten oder kandiert. Ingwer fördert die Verdauung und stärkt die Abwehrkräfte. Ein paar frische Ingwerstücke im Tee können vor Erkältung schützen.
Piment Er ist vom Geschmack her eine Mischung aus Zimt, Gewürznelken, Muskat und Pfeffer und stammt aus Südamerika, Jamaika und den westindischen Inseln.Jede beerenartige Frucht enthält zwei Samen.Piment würzt Honig- und Pfefferkuchen, regt die Verdauung an und hilft gegen Blähungen, Appetitlosigkeit und Magenschwäche.
Vanille Vanille nimmt in der Gewürzwelt und allgemein in der Duftwelt einen enorm wichtigen Stellenwert ein. Der liebliche Geschmack in Süssspeisen zur Weihnachtszeit kommt aus der ganzen Schote, die mitgekocht wird, oder direkt als Mark. Vanille soll die Nerven stärken und sich positiv auf die Nierentätigkeit auswirken.
Kardamom Die Pflanze ist mit dem Ingwer verwandt und kommt bei Pfeffer- und Lebkuchen zum Einsatz. Aber auch im Glühwein oder im Weihnachtspunsch darf sie nicht fehlen. Eine Kapsel umschliesst die Samen und schützt so das Aroma. Kardamom schmeckt zitronig-fruchtig und soll sich positiv auf den Blutzuckerspiegel auswirken.
Anis Er schmeckt leicht süsslich, ähnlich wie Lakritz. Anis gehört zu den beliebtesten Gewürzen der Weihnachtsbäckerei. Bereits die alten Römer liebten Aniskuchen, den sie nach dem Festgelage zum Ausklang servierten. Nicht ohne Grund: Anis unterstützt die Verdauung und hilft beim Einschlafen.
Sternanis Die sternförmige Frucht bezeichnet man als Sternanis, obwohl diese nicht mit dem Anis verwandt ist. Er hat seinen Namen aufgrund seiner Form und seinem dem Anis ähnlichen Geschmack bekommen. Sternanis würzt Lebkuchen, Weihnachtstees oder Glühwein.Ihm werden heilende Wirkung auf den Atmungsapparat und das Verdauungssystem nachgesagt.

Zimt Zimt stammt aus Sri Lanka und wird aus der getrockneten Rinde der Zimtbäume hergestellt.Er wirkt sich positiv auf den Blutzucker aus und gilt als wichtigstes Weihnachtsgewürz überhaupt. Man vermutet, dass die Chinesen schon vor 5000 Jahren Zimtbäume kannten und deren Rinde als Gewürz nutzten.

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Prägen die Weltgeschichte

Zu den ersten, die Gewürze nach Europa brachten, gehörten die mittelalterlichen Rückkehrer aus den
Kreuzzügen im Osten. Sie hatten ihre Taschen voll mit exotischen und duftenden Lebensmitteln und weckten damit das Interesse in der europäischen Oberschicht. Als clevere Händler bekannt, erkannten die venezianischen Kaufleute das Potenzial der schmackhaften Ware. Sie nutzten ihre ideale geografische Lage mit dem Hafen an der Adria für den Aufbau des europäischen Gewürzhandels. Im Spätmittelalter und der beginnenden Frühneuzeit wurden sie jedoch von den grossen Kolonialmächten Portugal, Holland und England abgelöst. Diese übernahmen ab dem 16. Jahrhundert verstärkt eine führende Rolle im Weltgewürzhandel.

Gewürze schmecken nicht nur gut, sie sind auch gesund.

Gewürze waren so begehrt, dass sie oft als Zahlungsmittel verwendet wurden, nicht zuletzt auch, um Entscheidungsträger zu bestechen, Schulden zu begleichen oder um Richtergremien zu begünstigen. Erst im 19. Jahrhundert zerfielen die hohen Preise, so dass sich auch die weniger betuchte Bevölkerung Europas Gewürze leisten konnte – nicht nur für den kulinarischen Genuss, sondern auch als natürliche Medizin. Der intensive Einsatz exotischer Gewürze, vor allem im Winter und über die Festtage, ist wohl auch auf deren wohltuende Wirkung auf unsere Gesundheit zurückzuführen.