Wahlen
FDP will mit vollen Listen wieder durchstarten

Der Pfeil der Wähleranteile der FDP Aargau zeigte bei den Grossratswahlen des neuen Jahrtausends bisher nur in eine Richtung: nach unten. Die FDP möchte nun zwei Parlamentssitze dazugewinnen und den Regierungssitz verteidigen.

Hans Fahrländer
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Integrator und Optimist: Thierry Burkart, FDP-Präsident und bald höchster Aargauer.

Integrator und Optimist: Thierry Burkart, FDP-Präsident und bald höchster Aargauer.

Aargauer Zeitung

War der Verlust 2001 noch marginal (von 19,6 auf 19 Prozent), rutschte der Anteil 2005 auf 16,9 und 2008 auf 14,3 Prozent. Die Freisinnigen starteten 2005 - nach der Parlamentsverkleinerung von 200 auf 140 - mit 24 Sitzen, tauchten 2009 auf 20 und stehen aktuell, nach dem Übertritt des Oftringers Martin Bhend von der EVP, auf 21. Keinen Zugewinn brachte die Fusion der FDP mit den Liberalen von 2009: Die Liberalen gibt es im Aargau nicht.
2009 verlor die Mitte zwar nicht, aber sie splitterte sich auf: Es schlug die Stunde für Grünliberale und BDP. Mit den 21 Sitzen liegt die FDP gleichauf mit der CVP (zu deren Fraktion allerdings noch drei BDPler gehören) und einen Sitz vor der SP (die 2010 zwei Mitglieder an die Grünliberalen verlor). Unerreichbar weit vorne liegt der ehemalige Juniorpartner SVP mit 45 Sitzen.
Geeinter und etwas weiter rechts
Nach dem erklärten Willen von Präsident Thierry Burkart soll der Abwärtstrend am 21. Oktober gestoppt und in einen (leichten) Aufwärtstrend verwandelt werden. Die Ziele lauten: Steigerung um 1 bis 2 Wählerprozente, zwei Sitzgewinne, Halten des Regierungssitzes von Peter C. Beyeler mit Stephan Attiger.
Burkart übernahm das Parteipräsidium 2010 von Doris Fischer-Taeschler. Er galt als Vertreter des rechten Flügels und man war gespannt, ob er zusammen mit Fraktionschef Daniel Heller, ebenfalls rechts der Mittellinie positioniert, die Partei einer Zerreissprobe aussetzen würde.

Doch die Konkurrenz hoffte vergeblich. Der noch junge Badener Rechtsanwalt erwies sich als Integrationsfigur. Zwar rückten Partei und Fraktion tatsächlich (leicht) nach rechts - doch sie rückten vor allem zusammen. Heute macht die FDP einen geschlosseneren Eindruck als noch vor ein paar Jahren.

In wichtigen Dingen einig

In wichtigen Abstimmungen stimmte die Fraktion einheitlich. Sie ist auch um Eigenständigkeit bemüht und fühlt sich weder der SVP, noch der CVP dauerhaft verpflichtet. Bei den Regierungsratswahlen marschiert die FDP allein. Man hätte sich nur mit der SVP verbunden, wenn auch die CVP beim Pakt mitgemacht hätte. Doch diese winkte ab. Trotzdem bezeichnet Präsident Burkart das Verhältnis zu den bürgerlichen Partnern als gut.
Die FDP-Listen in allen Bezirken sind voll. Thierry Burkart bezeichnet die Stimmungslage in allen Bezirks- und Ortsparteien als «hervorragend». Die Kantonalpartei investiert für eine Dachkampagne 90 000 Franken. An einzelne Kandidierende fliesst kein Geld.
Vorzeigekanton, partiell gefährdet
«Der Aargau ist ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftskanton mit sehr guten Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten», betont Burkart. Jedoch: «Chaotische Zustände im Asylwesen und Mängel bei der Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit beunruhigen die Bevölkerung und stellen die guten Rahmenbedingungen infrage.» Folgerichtig setzt die FDP im Wahlkampf auf die Themen «Kriminalität bekämpfen», «Asylchaos stoppen» - und auf ihr Kernthema: «Finanzen im Griff haben».
Zugkraft mit Attiger

Die FDP ist die einzige der fünf Regierungsparteien, die ihren Magistraten auswechseln muss. Peter C. Beyeler, in diesen Tagen 67, tritt nicht mehr an. Die Suche eines Nachfolgers verlief - im Vergleich zum Auswahlverfahren vor 12 Jahren - total harmonisch: Der Badener Stadtammann Stephan Attiger soll gewählt werden, weil er «jung und dynamisch» ist, weil er «Führungserfahrung in Wirtschaft und Politik» hat - und «weil der Ostaargau weiterhin in der Regierung vertreten sein soll».