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FCB-Haudegen Taulant Xhaka: «Mein Image? Es gefällt mir!»,

Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Doch damit kann der FCB-Verteidiger Taulant Xhaka umgehen, er ist sogar überzeugt: «Es braucht nicht nur Künstler, jede Mannschaft braucht auch Arbeiter und Typen, die immer Vollgas geben.»

Sebastian Wendel
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Taulant Xhaka fühlt sich wohl in seiner Rolle.

Taulant Xhaka fühlt sich wohl in seiner Rolle.

Keystone

Diejenigen, die Taulant Xhaka hassen, sagen, der FCB-Profi sei ein Brutalo, der ohne Rücksicht auf Verluste in die Zweikämpfe steige. Ein Provokateur, der bei jedem Handgemenge an vorderster Front mitmische. Ein Rotzbengel, der in sozialen Netzwerken mit seinem Reichtum prahle, einer, der eine grosse Klappe habe und nie erwachsen werde. Und ein Verräter, der sich für das albanische Nationaltrikot entschied, obwohl er seine Karriere dem Schweizer Verband zu verdanken habe.

Diejenigen, die Taulant Xhaka lieben, sagen, sein Kampfwille sei vorbildlich. Xhaka stelle sich immer in den Dienst der Mannschaft und wenn nötig vor diese. Dass er ab und zu ein Foto mit seinem Sportwagen ins Internet stelle, sei normal für einen 24-Jährigen, die Sprüche Abbild seines Schalks. Und der Entscheid für Albanien sei ganz einfach ein Entscheid, bei dem Xhaka seinem Herz gefolgt sei.

Xhaka schwankt in seiner Aussendarstellung zwischen Hassfigur und Idol. Darauf angesprochen, lächelt er und sagt: «Ja, das Image gefällt mir. Es braucht nicht nur Künstler, jede Mannschaft braucht auch Arbeiter und Typen, die immer Vollgas geben.» Aber eigentlich sei es ihm egal, was die Menschen über ihn denken.

Nur etwas schmerze: Wenn ihm die Menschen unterstellen würden, er verletze seine Gegenspieler mit Absicht. So geschehen nach dem brutalen Einsteigen gegen Alexander Gerndt im Februar 2014, das den YB-Stürmer ein Jahr der Karriere kostete. Und das Xhaka für viele Fussballfans endgültig zur Persona non grata werden liess. «Es tut mir leid, was damals passiert ist. Doch es war nie die Absicht, Gerndt zu verletzen. Und schliesslich habe ich den Ball gespielt.»

Das Foul wird immer Thema sein

Das Foul an Gerndt wird Xhaka bis ans Ende seiner Karriere begleiten. Genauso wie die Szenen im Oktober des vergangenen Jahres, als er bei den Tumulten im EM-Qualifikationsspiel zwischen Albanien und Serbien ein Hauptakteur war und danach als «Prügler» bezeichnet wurde.

Doch wer Xhaka nur auf diese zwei Episoden reduziert, tut ihm unrecht. Und verpasst etwas. Denn hinter dem vermeintlichen Rambo versteckt sich die Geschichte eines aufstrebenden Fussballers, der lange brauchte, um aus dem Schatten des jüngeren Bruders zu treten.

Als Xhaka 2011 als 19-Jähriger ins Basler Fanionteam aufgenommen wurde, stellte er schnell Ansprüche, war im Kopf den Füssen drei Schritte voraus. Gleichzeitig hatte er Mühe mit der Disziplin, kam öfter zu spät ins Training. Der damalige Trainer Thorsten Fink aber hatte keine Verwendung für Taulant, für den 18 Monate jüngeren Bruder Granit jedoch umso mehr. Während dieser auf Anhieb Stammspieler wurde und schnell einmal einen Vertrag in der Bundesliga bei Gladbach unterschrieb, war Taulant zum Zuschauen verdammt und liess sich schliesslich ernüchtert zu GC ausleihen.

In einem ist Taulant seinem Bruder Granit voraus

«Ich hatte nie ein Problem mit dem Erfolg von Granit», sagt er. Und fügt an: «Aber er hatte auch viel Glück. Und ich habe mittlerweile in der Champions League und gegen die besten Spieler der Welt gespielt – davon träumt Granit noch.»

Bei GC lernte Xhaka, was es heisst, Profi zu sein. Sein Lehrmeister war Veroljub Salatic, der ihm bereits am ersten Tag klarmachte: «Wenn du einmal ein grosser Fussballer werden willst, musst du dich ändern.» Fortan ändert Xhaka seine Essgewohnheiten, stellt morgens einen Wecker und macht auf dem Platz nur noch das, was der Trainer von ihm will.

Jetzt oder nie

Als er 2013 zurückkehrt zum FCB, weiss er: «Ich habe eine Chance – und die muss ich nützen.» Dass ihn Murat Yakin auf Anhieb zum Stammspieler machte und er auch in der Saison darauf unter Paulo Sousa zu den meisteingesetzten Spielern gehörte, darüber ist im Nachhinein sogar Xhaka selber überrascht. «Irgendwie hat zwischen mir und den beiden Trainern die Chemie gestimmt. Und wenn ich das Vertrauen spüre, spiele ich automatisch 30 Prozent besser.»

Xhakas Wandel hat auch Breel Embolo realisiert, der beim Gespräch danebensitzt und sich später von Xhaka nach Hause chauffieren lässt. «Tauli ist für jeden Spass zu haben. Doch wenn es ernst gilt, ist er sich nicht zu schade, mit mir zu schimpfen, obwohl wir uns schon ewig kennen.» Blick zu Xhaka, der anfügt: «Das ist das Schöne am FCB: Auch wenn ich mit 24 Jahren noch ein junger Spieler bin, hat mein Wort im Team Gewicht.»

Das dürfte auch daran liegen, dass er mittlerweile der dienstälteste Spieler im FCB-Kader ist. Wie lange noch? «Ich habe hier alles, was ich brauche. Aber klar – vom Ausland träumt jeder. Und dann die Karriere beim FCB beenden – das wäre toll.»

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