Langenthal
Fazit nach zwei Monaten: Methadonabgabe funktioniert

Seit Anfang Dezember ist das Zentrum für Ambulante Suchtbehandlung an der Bahnhofstrasse in Langenthal in Betrieb. Und die Methadonabgabe scheint akzeptiert. Nun wurden die Räume offiziell eröffnet.

Urs Byland
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Pedro Lenz liest zur offiziellen Eröffnung des Zentrums Ambulante Suchtbehandlung. Hansjörg Sahli

Pedro Lenz liest zur offiziellen Eröffnung des Zentrums Ambulante Suchtbehandlung. Hansjörg Sahli

Gut möglich, dass die angekündigte Lesung von Schriftsteller Pedro Lenz das neu eröffnete Zentrum Ambulante Suchtbehandlung (ZAS) füllte. Nicht weniger als 60 Leute drängten sich in die Kellerräume, in denen sonst Methadon an suchtkranke Menschen abgegeben wird, um am Eröffnungsapéro dabei zu sein. Sie verhielten sich wahrscheinlich weit weniger diskret als die Patienten, die die Räumlichkeiten aufsuchen. Räumlichkeiten, die auf Anhieb kaum jemand finden würde. Einzig der Briefkasten ist mit dem Namen des Betriebes beschriftet.

Der Betrieb des Zentrums Ambulante Suchtbehandlung (ZAS) an der Bahnhofstrasse 32 funktioniert bereits seit gut zwei Monaten. Die an einigen Stellen geäusserten Befürchtungen, die Methadonabgabestelle sei in diesem Wohnquartier fehl am Platz, haben sich keineswegs bewahrheitet. «Ich habe keine einzige Reklamation oder Beschwerde von Anwohnern oder Behörden erhalten», berichtet Franziska Reist, die Leiterin der Regionalstelle Oberaargau-Emmental von Contact Netz.

Contact Netz führt das Langenthaler ZAS (siehe Kasten). «Der Betrieb läuft geregelt ab, so wie wir uns das vorgestellt haben und wie wir es im Vorfeld auch kommuniziert haben», sagt Reist. Die Patienten würden einzeln kommen und auch wieder einzeln gehen. Von Ansammlungen, welche im Vorfeld befürchtet worden seien, könne keine Rede sein, so Reist.

Keine Beschwerden

Auch SP-Gemeinderat Reto Müller, der gestern kurz das Wort ergriff, hat von keinen Beschwerden zum Betrieb des ZAS vernommen. «Vonseiten des Sozialamtes Langenthal sind wir froh, dass wir einen nahtlosen Übergang der Patienten bewerkstelligen konnten. Sie haben zuvor bei einem Arzt in Langenthal das Methadon bezogen.

Dieser ging aber in Pension.» Die damalige Einsprache zum Baugesuch habe einzig die Parkplatzsituation betroffen. «Wir konnten aber die Einsprecher beruhigen. Denn Personen, die mit Methadon behandelt werden, haben ein Autofahrverbot. Sie können also gar nicht mit dem Auto zum ZAS kommen», erklärt Müller.

Institution wird akzeptiert

Im Moment nutzen 25 Personen die Institution, die jeweils am Morgen von 7.30 bis 9.30 Uhr und am Freitag zusätzlich von 18 bis 19 Uhr offen ist. «Der Freitag ist vor allem für diejenigen bestimmt, die arbeiten und integriert sind. Je nach Verordnung erhalten sie das Methadon für eine ganze Woche.»

Die Patientinnen und Patienten würden Angebot unterschiedlich beurteilen. «Ich spüre, dass die meisten gerne kommen. Es gibt auch wenige, die nicht ganz zufrieden sind, etwa mit den Öffnungszeiten und die sich eine Ausweitung wünschen», erklärt Franziska Reist. Reto Müller begrüsst seinerseits die Öffnungszeiten am Morgen. «Damit geben wir den Patientinnen und Patienten, die keiner geregelten Arbeit nachgehen, eine Möglichkeit in den Tag zu starten.» Dennoch denkt auch Franziska Reist an eine Anpassung der Öffnungszeiten. «Dies ist jedoch abhängig von der Anzahl der Patientinnen.» Je mehr Patienten das ZAS besuchen, desto eher würden die Öffnungszeiten angepasst. Sie denke etwa an die Öffnungszeiten am Abend.

Bei der Anzahl der Patienten geht Jakob Huber, Geschäftsleiter von Contact Netz, von einer Ausweitung aus. «Das Angebot wird sich herumsprechen. Das Lokal an der Bahnhofstrasse 32 erlaubt ohne weiteres eine Zunahme der Patienten.» Er gehe davon aus, dass mittelfristig 40 bis 50 Patienten das ZAS aufsuchen werden. Diese Zahl sei eine Schätzung und beruhe auf Angaben des Kantonsapothekers zur Anzahl von möglichen Patienten im Raum Oberaargau und zu Anzahl Ärzten, die absehbar in den Ruhestand wechseln. Diese versorgen bis anhin einen Grossteil der Klienten im Oberaargau mit Methadon.