Schlieren
Faszination China: Andreas Fischer erfüllt sich mit 80 Jahren einen Traum

Der ehemalige Schlieremer Gemeinderat hat sich stets für die Kultur und Geschichte des Reichs der Mitte interessiert. Nun hat er ein Buch darüber geschrieben.

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 Vor zwei Jahren unternahm Andreas Fischer eine zweiwöchige Teereise durch Südchina.
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 Auf einem Teemarkt in der 10-Millionen-Stadt Suzhou werden viele verschiedene Sorten Tee angeboten.
 Arbeiter bringen die geernteten Blätter und Knospen der Teepflanze von der Plantage zur Weiterverarbeitung ins Tal.
 «Das neue China», beschreibt Fischer dieses Bild. Darauf zu sehen sind die Wolkenkratzer Shanghais.

Vor zwei Jahren unternahm Andreas Fischer eine zweiwöchige Teereise durch Südchina.

Limmattaler Zeitung

Was haben Teetrinken, Tabakpfeiferauchen und Religion gemeinsam? Dass es sie schon seit Urzeiten gibt? Dass sie von unzähligen Menschen weltweit praktiziert werden? Andreas Fischer aus Schlieren hat darauf seine ganz persönlichen Antworten gefunden und diese in seinem neuen Buch «Tao, Tee und Tabakpfeife» verarbeitet. Darin nimmt der Schriftsteller die Leserinnen und Leser mit auf eine Reise ins Reich der Mitte: Er lässt sie eintauchen in die Welt jener drei Beschäftigungen, die er selbst sein Leben lang gepflegt hat. Und er zeigt auf, welchen Stellenwert Tao, der Tee und die Tabakpfeife in der chinesischen Gesellschaft noch heute haben.

«Tao», oder auch «Dao», kommt aus dem Chinesischen und bedeutet im Kontext der damit zusammenhängenden Philosophie und Weltanschauung, dem Daoismus, in etwa «der rechte Weg». In der Volksrepublik wird der Daoismus, dessen Ursprünge auf das vierte Jahrhundert vor Christus zurückgehen und auf den Schriften der Philosophen Zhuangzi und Laozi basieren, auch offiziell als Religion anerkannt. Laozi verfasste das «Daodejing», das als Hauptwerk des Daoismus gilt. Neben dem Buddhismus und dem Konfuzianismus hat der Daoismus die chinesische Kultur auf verschiedensten Ebenen beeinflusst und geprägt.

«So haben die Chinesen zum Beispiel eine gewisse Grundgelassenheit. Die Philosophie des Dao hat sie gelehrt, dass sich Gegensätze und Widersprüche nicht bekämpfen, sondern einander ergänzen. Wir kennen das vom ‹Yin und Yang›-Symbol», erklärt Fischer, der 1978 bis 1989 für die SP im Schlieremer Gemeinderat politisierte und später 16 Jahre als Bezirksrat amtete. Der Daoismus besagt, dass man nicht gegen diese Kräfte antreten, sondern sie wirken lassen soll – im Glauben, dass alles gut kommt. «Ein Stück weit sind die Chinesen eben Optimisten», sagt er. Ihr oft pragmatischer Ansatz könne aber bei uns im Westen durchaus für Verwirrung sorgen.

«Alle drei atmen den ­gleichen Geist»

Das Teetrinken und das Tabakpfeiferauchen schauen wie der Daoismus selbst in China auf eine lange Tradition zurück. Die Teekultur ist vor mehr als zwei Jahrtausenden in den daoistischen und buddhistischen Klöstern Chinas entstanden. Im Lauf der Zeit wurden genaue Techniken entwickelt, wie man Tee zubereitet und trinkt. Fischer ­beschreibt diese in seinem Buch ausführlich: «Klar, durch das Teetrinken entsteht nicht mehr Spiritualität als sonst. Aber wer sich wirklich mit dem Daoismus auseinandersetzen will, kann von solchen Techniken profitieren.»

Dadurch entstehe «ein wortloses Eins-Sein mit sich selbst und der Welt», das der Natur der Religion wie auch jener der beiden Genussmittel entspreche, wie Fischer in seinem Buch schreibt. Sie alle hätten einen ähnlichen Hintergrund, der sie miteinander verbinde. «Alle drei atmen den gleichen Geist.» Er will dem Leser vermitteln, wie man die Dinge zu beherrschen lernt, indem man ganz dem Fluss der Natur folgt. «Auf diese Weise, so scheint mir, kann es gelingen, sich dem Dao zu nähern.»

Dem passionierten Teetrinker und Pfeifenraucher selbst gelang dies auf seiner dreimonatigen Chinareise vor einigen Jahren. «Das Land und der Daoismus haben mich schon seit dem Gymnasium fasziniert. Vor zwei Jahren war ich zudem für zwei Wochen auf einer Teereise in Südchina», sagt Fischer. Nach einem Philosophiestudium arbeitete er als Dramaturg, Autor und Regisseur, unter anderem für das Schweizer Fernsehen. Ausserdem realisierte er Dokumentar- und Auftragsfilme und war als Journalist und Redakteur tätig. Seine Faszination für das Reich der Mitte auf Papier auszudrücken, sei ein lang gehegter Traum gewesen, sagt der mittlerweile 80-Jährige. «Jetzt hat es geklappt. Ich bin froh, dass ich einen Verlag für meine Idee gewinnen konnte.» Nach rund einjährigem Schreibprozess ist das 210 Seiten umfassende Buch erschienen.