«Päng»
Fasnachtszeitung trumpft mit Plagiatoren und politischen Burkaträgern

In Fasnachtszeitungen bekommen alle ihr Fett weg. Die Langenthaler Ausgabe «Päng» nimmt nebst Nanos der Migros, Plagiate und verhüllte Gemeinderäte auch die Sexmesse auf die Schippe.

Tobias Granwehr
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«Päng»-Chefredaktor Reto Kurt und Gemeinderätin Paula Schaub bei der gemeinsamen Zeitungslektüre.

«Päng»-Chefredaktor Reto Kurt und Gemeinderätin Paula Schaub bei der gemeinsamen Zeitungslektüre.

Solothurner Zeitung

Die Langenthaler Fasnachtsgesellschaft (LFG) und die «Päng»-Redaktion suchten sich gestern die grösste städtische Baustelle zur Übergabe der diesjährigen Fasnachtszeitung an den Gemeinderat aus. Der Nano-Planet Langatun sei im Umbau, erklärte «Päng»-Chefredaktor Reto Kurt in Anlehnung an die kleinen Sammelfiguren der Migros.

Während der Chef-Nano (Stapi Thomas Rufener) und der Fasnachts-Nano (Fasnachtsober Markus Gfeller) die druckfrische Ausgabe der Langenthaler Fasnachtszeitung gratis erhielten, mussten sich die übrigen Gemeinderatsmitglieder und Stadtschreiber Daniel Steiner zuerst eine verdienen. Dazu mussten sie auf dem Baustellenareal Nano-Ballons suchen. Darauf waren Fotos, welche die Gemeinderätinnen und -räte als Burkaträger zeigten.

Im November habe die «Päng»-Redaktion mit der Arbeit an der neusten Ausgabe begonnen, sagte Kurt. «Der ‹Päng› ist keine Kopie von früheren Jahren», sagte er mit aktuellem Bezug zum deutschen Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg. Er enthalte viele farbige Beiträge und schöne Bilder, «es hat wirklich Spass gemacht.»

«Er kopiert... und kopiert»

Als Plagiator muss im aktuellen «Päng» Beat Pfenninger herhalten – und zwar gleich über mehrere Seiten. Plakettenzeichner Pfenninger sorgte im vergangenen Sommer für Schlagzeilen: Erst wurde er als Sieger des Sujetwettbewerbes erkoren und damit als Zeichner der Fasnachtsplakette 2011. Später bemängelte die LFG jedoch, er habe zu stark einem früheren Sujet der Basler Fasnacht abgeschaut. Pfenninger zeigte sich darüber bitter enttäuscht. Jetzt wird der bedauernswerte Zeichner und begeisterte Fasnächtler gleich mehrfach durch den Kakao gezogen.

So steht im «Päng» auf jedem Seitenkopf: «Er kopiert ... und kopiert ... und kopiert». Der «Päng» weiss auch, was in so einem Fall passiert: Das lerne man bei den Hockeylern. Wer in Langenthal nicht mehr zu gebrauchen sei, wechsle nach Olten. Also habe Pfenninger sich bei der Oltner Fasnacht gemeldet und trete dort am Umzug auf, weiss die Fasnachtspostille.

Sportliche Aushängeschilder im Fokus

Äusserst interessant ist auch das Kreuzworträtsel auf Seite 3, das Bezug nimmt auf die Burka tragenden Stadtpolitiker. Jahr für Jahr gefundenes Fressen sind für die Redaktoren die sportlichen Aushängeschilder der Stadt: der SCL und der FCL. Während die Eishockeyler diese Saison eine «wahrhaftige Wundertüte» seien, bleibt dem Fussballclub laut «Päng» die Hoffnung auf den Durchmarsch aufs Matterhorn.

«In der Vorrunde versagen und dann aus einer fast perfekten Rückrunde Motivation für den Durchmarsch in der folgenden Saison schöpfen.» Doch meistens reiche es nach der «nicht so perfekten» Rückrunde nur gerade auf den Schoren-Hoger. Um beim Stande von 0:2 ein Spiel noch zu drehen, bleibe deshalb nur: Leibchen tauschen.

«Gstürm» um die Sexmesse

Nicht fehlen im «Päng» darf natürlich das «Gstürm» um die Sexmesse Amor, die bekanntlich nie in Langenthal stattfand. «Statt Überzieher gab es für Organisator J.P. Love einen Rückzieher. Der Schuss ging in die Hosen, könnte man salopp sagen – viel Geld floss für Sex, der nie stattgefunden hat.» Gemäss Fasnachtszeitung gebe es statt Silikonbrüste in der Märithalle am Viehmarkt halt wieder wie ehedem pralle Milch-Euter von Irma, Gerda, Erna oder Laila.

Übrigens habe «Porzi»-CEO Peter Joss – ein leidenschaftlicher Fasnächtler – sofort reagiert und das «Porzi»-Areal als Ersatz für die Sexmesse angeboten. «Mäni» Rieder, mit seiner Immobilienfirma Verwalter des Areals und ein noch leidenschaftlicherer Fasnächtler als Joss, sei darob fast ausgeflippt. Zum Glück habe er der «Porzi» aus Wut nicht noch das ganze Geschirr zertrümmert – «sonst wäre diese jetzt schon zu».

Auch der «Tägu» hat seinen fixen Platz im «Päng»: Welcher Langenthaler denn wisse, warum die erste Ausgabe des az Langenthaler Tagblatts mit dem neuen Layout auf den 2. Januar 1980 zurückdatiert worden sei? Eine Antwort bleibt der «Päng» schuldig – wir auch.

Die Fasnachtszeitung Päng (4000 Exemplare) ist ab sofort an allen Kiosken in der Stadt erhältlich.