Social Media
Facebook und Twitter bergen für Politiker Gefahren und Chancen

Der Wahlkampf für die Regierungsratswahlen ist in vollem Gange. Politikerinnen und Politiker versuchen allenthalben, auf sich aufmerksam zu machen. Doch in der aktuellen Zeit ist die Arbeit mit Plakatwerbung, Veranstaltungen und Flyer-Verteilen nicht getan.

Adrian Hunziker
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So nutzen Aargauer Regierungsratskandidaten Facebook und Twitter
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FDP-Regierungsratskandidat Stephan Attiger.
Verzichtet auf Social Media: Finanzdirektor Roland Brogli.efu

So nutzen Aargauer Regierungsratskandidaten Facebook und Twitter

Die meisten Regierungsratskandidaten nutzen auch digitale Medien, um ihre Meinungen und Anliegen zu verbreiten. Facebook und Twitter werden nicht nur im privaten Bereich, sondern auch was den beruflichen Aspekt betrifft immer wichtiger.

Das Paradebeispiel, wie sich eine Politikerin mit Facebook und Twitter zu helfen vermag, ist Landammann Susanne Hochuli (Grüne). Sie betreibt ihren Facebook- und Twitter-Account regelmässig. «Ich habe mir mit Social Media neue Kommunikationsmittel und Kommunikationsformen erschlossen, mit denen ich Menschen erreiche, denen ich sonst kaum begegnen würde. Faszinierend sind dabei das Interaktive, der Austausch und die Entwicklung von Diskussionen», sagt Hochuli. Sie nutzt ihre Bekanntheit auf Social Media auch im Wahlkampf: Sogar auf ihren Wahlplakaten prangen Tweets – Nachrichten von ihrem Twitter-Account.

Brogli mags lieber klassisch

Doch nicht alle Regierungsratskandidaten sind von Facebook und Twitter überzeugt. Roland Brogli (CVP) beispielsweise hat weder noch. «Ich nutze die klassischen Kommunikationskanäle, um meine Botschaften als Regierungsrat an die Einwohnerinnen und Einwohner des Kantons zu bringen. Das hat bis jetzt gut funktioniert», meint Brogli. Er biete gleichzeitig allen, die mit ihm ins Gespräch kommen möchten, viele Möglichkeiten und Plattformen zum Dialog – an Anlässen und Volksfesten oder über seine Website.

«Den Entscheid, keine Facebook-Seite für mich zu erstellen oder einen Twitter-Acount zu eröffnen, habe ich mir gründlich überlegt. Nur eine Facebook-Seite zu eröffnen, weil Wahlen sind, finde ich nicht ehrlich und glaubwürdig», fügt er an.

Dass ein Social-Media-Account auch seine Tücken haben kann, musste der SVP-Politiker Seppi Spiess aus dem Kanton Schwyz kürzlich schmerzlich erfahren. Nachdem er einen rassistischen Facebook-Kommentar verfasste, gab er als Konsequenz seinen Rücktritt aus der SVP und wurde von seinem Arbeitgeber beurlaubt. Auch Thomas Hodel, Berater an der Schnittstelle von Politik und Social Media, erkennt Gefahren beim Umgang mit sozialen Medien: «Ein veraltetes Profil kann potenzielle Wähler verärgern. Der Politiker erleidet einen Image-Schaden. Zudem muss man sich bewusst sein, dass eine Aussage auf einer Facebook-Seite öffentlich von zig Tausenden Personen gelesen werden kann.»

Kein Ersatz für reale Kontakte

Dessen sind sich auch die Regierungsratskandidaten bewusst. «So gut und notwendig Social Media sind, so sehr dürfen sie nicht über zwei Dinge hinwegtäuschen: Gerade die Einfachheit und Schnelligkeit dieser Medien erfordert einen sorgfältigen und verantwortungsvollen Gebrauch und Umgang mit ihnen. Und sie ergänzen, aber ersetzen niemals den ganz persönlichen, realen Kontakt mit Menschen», gibt Samuel Schmid (SLB) zu bedenken. Das sieht auch Alex Hürzeler (SVP) ähnlich: «Ich schätze insbesondere die persönlichen Begegnungen, welche an den vielen Veranstaltungen und Auftritten möglich sind.» Das ist einer der Gründe, weshalb Hürzeler Social Media (noch) nicht nutzt.

Doch die öffentlichen Accounts sind nicht nur schlecht für das Image. «Nur wer über Jahre stetig und glaubwürdig über diese Kanäle kommuniziert, kann einen Nutzen daraus ziehen. Generell ist zu sagen, dass sich ein Politiker einzig via eigene Website und Social-Media-Kanäle jederzeit und ungefiltert an die Öffentlichkeit wenden kann», so Hodel.

Einige Kandidaten nutzen laut ihrer eigenen Aussage die Portale aber mehr zum privaten Zweck. «Ich verbreite weniger politische Nachrichten, mehr persönliche Mitteilungen. Politisches verbreite ich eher via Medienkonferenzen oder Medienmitteilungen. Ich will via Facebook bewusst andere Inhalte vermitteln. Facebook ist die Plattform für persönliche Mitteilungen», sagt beispielsweise Stephan Attiger.