Expovina Primavera
Expovina-Veranstalter Bruno Sauter: «Dieser Internet-Gugus, das geht doch nicht mit Wein!»

Schon als Bub half er auf der Expovina mit, wischte auf dem Veranstaltungs-Schiff Planken. Jetzt will er mit Frühlingsausgabe Weinliebhaber anlocken.

Matthias Scharrer
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Expovina Primavera
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Expovina-Chef Bruno Sauter blättert im Katalog der Weinausstellung von 1960.
Die Expovina-Weinschiffe ankern jeweils im Spätherbst beim Bürkliplatz.
Puls 5 bei Nacht.
Die Expovina Primavera spricht ein jüngeres Publikum an.

Expovina Primavera

Matthias Scharrer

Die Expovina ist eine Zürcher Institution, doch ihre Schaltzentrale liegt ein paar Meter jenseits der Stadtgrenze in Oberengstringen. Von hier aus organisiert Bruno Sauter zusammen mit einem dreiköpfigen Team die Zürcher Weinausstellungen, deren Frühlingsausgabe «Expovina Primavera» morgen Donnerstag beginnt.

Der Vater hat die MS Linth ausgewählt

Das Büro der Expovina wirkt mit seinen schweren Ledersesseln wie ein Wohnzimmer aus den 1970er-Jahren. Und tatsächlich hatte Sauters Vater es in jener Zeit eingerichtet: Was Sauter senior, der einen Comestibles-Laden in Zürich führte, in den 1950er-Jahren als Weinschiff auf der MS Linth lanciert hatte, war unterdessen zum Grossanlass geworden, der mehr Bürofläche brauchte.

Inzwischen führt Bruno Sauter die Geschicke der Expovina seit 25 Jahren. Kurz nach dem Tod des Vaters hatte er 1991 die Geschäftsleitung übernommen. Obwohl er längst im Pensionsalter ist, will Sauter von Ruhestand nichts wissen: «Ich hätte die Expovina schon vor Jahren für eine stolze Summe verkaufen können», sagt er. «Doch da steckt so viel Herzblut von mir drin. Ich fühle mich auch heute noch jung genug, dieses schöne Erbe weiterzuführen.»

Als 1953 die erste Expovina stattfand, war Bruno Sauter elf Jahre alt. Auf dem Weinschiff hatte er als Bub seine ersten Hilfsjobs: Planken wischen und Weinflaschen aufstellen. Später arbeitete er zunächst in der Immobilienbranche. Doch für die Zeit der Expovina im Spätherbst nahm er jeweils Ferien – und übernahm an der vom Vater gegründeten Weinausstellung immer mehr Verantwortung.

Die ruhigere Frühlingsedition

Heute beschäftigt sie ihn und sein kleines Team ganzjährig. Zum Unternehmen Expovina gehört neben den Weinschiffen, die im Spätherbst am Bürkliplatz ankern, auch die Internationale Weinprämierung Zürich, an der jeweils im Juli 150 Fachleute Weine aus aller Welt degustieren und auszeichnen; und seit 2005 die Expovina Primavera, die – nach einem fünfjährigen Abstecher in die Messe Zürich – inzwischen in der ehemaligen Giessereihalle im Puls 5 in Zürich West etabliert ist.

«Wir organisieren die weltweit grösste Plattform für Weinvermarktung», sagt Expovina-Chef Sauter. Obwohl die Konsumenten seit der Finanzkrise 2008 zurückhaltender beim Weinkauf seien, gehe es der Expovina gut: Die Weinschiffe im Spätherbst seien für viele Händler der wichtigste Anlass im Jahr. Und die Frühlingsausstellung im Puls 5 werde von vielen, denen der Trubel auf den Weinschiffen zu gross sei, als gediegener und ruhiger beurteilt.

«Auf den finalen Durchbruch warten wir noch», sagt Sauter über die Expovina Primavera. Sie sei, was den Publikumsandrang betrifft, noch nicht mit den Weinschiffen vergleichbar. «Aber deren Durchbruch kam auch erst seit den 1960er-Jahren.»

Sauter holt einen Katalog der Expovina 1960 hervor und blättert darin. Mit einigen der schon damals vertretenen Weinhandlungen geschäftet er auch heute noch. Persönliche Beziehungen und eine gute Ambiance für Degustationen sind für ihn das A und O einer Weinmesse. Auf die Frage, was es Neues an der Expovina Primavera 2016 gebe, reagiert der Weinkenner denn auch etwas ungehalten: «Jeder Jahrgang ist neu. Deshalb muss man ihn jedes Jahr degustieren.» Der lange Sommer 2015 habe in der Schweiz und in Italien Trauben in geringer Menge, aber von hoher Qualität hervorgebracht. Daher empfehle es sich, schon im Frühjahr zu kaufen: «Im Herbst gibts davon vielleicht schon nichts mehr.»

Überhaupt lasse sich die Faszination der Weinvielfalt an einer Weinausstellung mit Degustationen am besten erleben. «Dieser Internet-Gugus, das mag mit einem Produkt, das immer gleich bleibt, gehen – aber doch nicht mit Wein!», sagt Sauter. Er selber habe nie die nötige Zeit gefunden, um Wein zu keltern – obwohl er mit seiner Frau in Maienfeld (GR) direkt neben einem Weingut wohnt. Auch so ist sein Weinkeller gut gefüllt.

Mit Pudel Pablo spaziert Bruno Sauter am Wochenende gern von Fläsch bis Malans durch die Weindörfer der Bündner Herrschaft. Unter der Woche ist er vorwiegend in der Expovina-Schaltzentrale in Oberengstringen anzutreffen. «Ich bin ein leidenschaftlicher Kreuzfahrer», sagt Sauter. Doch es scheint, als sei seine Leidenschaft für die Weinausstellungen der Expovina noch grösser.