Langenthal
«Eselgeschichte»: Als Samichlaus fing vor 30 Jahren alles an

Der Lotzwiler Andreas Zumbach züchtet in Langenthal seit vielen Jahren Esel. Nur zu gerne erzähle der 62-Jährige seine «Eselgeschichte», die vor etwa 30 Jahren begann.

Hans Mathys
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Andreas Zumbach

Andreas Zumbach

Solothurner Zeitung

Wenn Langenthaler über Esel sprechen, tun sie dies meist in Zusammenhang mit Edwin Bucheli, denn nach seiner Pensionierung sah man den ehemaligen Coop-Chef oft mit seinen Eseln spazieren. Dass es aber während der warmen Jahreszeit auch an der Haldenstrasse – am Hügel unterhalb des Kinderheims Schoren – Esel zu bestaunen gibt, ist beinahe nur den dortigen Quartierbewohnern bekannt. Einige von ihnen haben kürzlich von den dort weidenden sieben Eseln Abschied genommen, ehe diese in einem Transporter ins Winterquartier nach Lotzwil gefahren wurden.

Vor 30 Jahren hat alles begonnen

Der Anblick der friedlichen Esel ist auch Balsam auf die Seele des 62-jährigen Lotzwilers Andreas Zumbach. Gerne erzählt er seine «Eselgeschichte», die vor etwa 30 Jahren begann: Damals sei er vom Marktverband Bern angefragt worden, ob er auf dem Weihnachtsmarkt den Samichlaus spielen würde. Er habe zugesagt. Diese Premiere sei aber kein pures Vergnügen gewesen, weil ein Teil des von den Leuten offerierten Glühweines seinen künstlichen Bart verklebte.

Bei seinem zweiten Auftritt ein Jahr später sei er professioneller vorgegangen. Er habe von einem Gärtnerkollegen für den Auftritt am Weihnachtsmarkt in der Bundesstadt einen Esel ausgeliehen. Damit sei er in Bern gut angekommen. Etwa zehn Mal habe er dort den Samichlaus gespielt – mit Eselhengst Charly und inzwischen mit echtem Bart.

Mit der Eselzucht hat der gelernte Gärtner vor 20 Jahren begonnen. Dabei kam Zumbach das Angebot seines damaligen Arbeitgebers Ernst Häusermann gelegen, die Esel auf jener Landparzelle an der Haldenstrasse in Langenthal weiden zu lassen, welche Häusermann von der Stadt pachtet. Einiges hat sich seither geändert. Zumbachs haben in Lotzwil die Gärtnerei Reber übernommen, und die Eselzucht umfasst inzwischen sieben Grautiere.

«Diese bereiten uns viel Freude», sagt der Vater von drei erwachsenen Kindern. Als «Glücksfall» bezeichnet er seinen inzwischen etwa zehnjährigen Hengst Attila – den Nachfolger des 25-jährig verstorbenen Charly. Attila sei genügsam und jammere nicht. «Sonst könnte ich ihn nicht hier weiden lassen», so Zumbach, der einen weiteren positiven Aspekt Attilas hervorstreicht: «Er ist nicht zu faul zum Decken.»

Manchmal störrisch, nie blöd

Zumbach freut sich, «eine ruhige Eselgruppe» zu besitzen und zählt die Namen der sechs Mähren auf – von der Stammmutter Mischa (10-jährig) über Lara (6), Naomi (5), Nubia und Minusch bis zur halbjährigen Nora. «Ich betreibe keine Leistungszucht», sagt Zumbach, der sein Esel-Hobby sichtlich geniesst. «Nur» zweimal musste er bisher Esel einschläfern lassen, weil diese auf der Weide etwas zu fressen erhielten, das ihnen gar nicht bekam.

Er erinnert sich hier vor allem an jenes Jungtier, das wohl Bonbons oder Kaugummi zu fressen bekam und damit seine Speiseröhre verklebte. «Der Esel ist generell nicht so blöd, dass er Sachen frisst, die ihm schaden», so der Eselzüchter, «aber dass es Leute gibt, die den Eseln schimmliges Brot, Pizza und Kuchen füttern, kann ich nicht verhindern», so Zumbach.

Sind Esel wirklich so störrisch, wie es im Volksmund heisst? Zumbach: «Einen Esel, der sich entschieden hat, keinen Schritt mehr zu gehen, kann man auch nicht mit einer List zum Gehen bringen. Man muss ihm ein Stück weit seinen Willen lassen und ihn an die Menschen gewöhnen. Bei Vorgängen, die der Esel kennt, gibt es keine Probleme.» Das zeigt sich auch diesmal, als die Esel mit einem Satz in den Transporter springen, um ins Winterquartier chauffiert zu werden. «Um den Eseln das Einsteigeritual zu erleichtern, habe ich früher einmal eine Treppe gezimmert. Die Tiere haben sie aber nicht benutzt. Sie haben neben der Treppe zum Satz ins Fahrzeug angesetzt», erinnert sich der Hobby-Züchter.

Zumbach freut sich mit seinen sieben Eseln, dass sie dieses Jahr bis im November am «Schorenhoger» weiden und bei meist sonnigem Wetter noch ausreichend Gras fressen konnten. Jetzt aber haben die Grautiere den Kindern Platz gemacht, um an diesem Hügel dem Wintersport zu frönen. «Die Esel kommen jeweils gerne wieder zurück ins Winterquartier nach Lotzwil», sagt Zumbach. In Langenthal gibt es an diesem Hügel bereits Schnee statt Klee und in Lotzwil für die Esel jetzt Heu statt Gras.