Restaurants
Es rumort wieder in der Beizenszene

Die Restaurantszene im Oberaargau leidet an Schindsucht. Aber nicht alle. Das Befinden ist unterschiedlich

Irmgard Bayard
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In der «Waldegg» in Aarwangen bewährt sich das spezielle Konzept. Fotos: Jürg Rettenmund

In der «Waldegg» in Aarwangen bewährt sich das spezielle Konzept. Fotos: Jürg Rettenmund

Solothurner Zeitung

Das Gastgewerbe ist wohl die Branche, in der es die meisten Wechsel gibt. Schliessungen, neue Pächter, Hoffnungen und Resignation sind an der Tagesordnung. Beispiele gibt es viele, auch im Oberaargau.

Im Anzeiger Oberaargau West war kürzlich die betreibungsamtliche Grundstücksteigerung des «Wohn- und Geschäftshauses Schwendi» in Graben ausgeschrieben. Der Wert wird auf 1,292 Millionen Franken geschätzt. Die Dorfbeiz wurde von Inhaber Eugen Niederhäuser im September 2009 kurzerhand in eine Spielstätte umgewandelt, nachdem er mit den Pächtern Pech hatte. Er stellte Dart- und Flipperkästen, Billard- und Töggelitische auf. «Der Beginn ist schwierig», äusserte er sich damals. Offensichtlich nicht nur der Beginn. Der Inhaber war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, Auskunft erteilt aber sein Bruder Wolfgang Niederhäuser. Die «Schwendi» ist auch sein Elternhaus, weshalb er immer noch um eine Lösung kämpft, denn «die Hoffnung stirbt zuletzt.» Es müsse nur eine Bank die Türe öffnen, dann könne die Steigerung verhindert werden, sagt er. Denn die Situation sei nicht so schlimm, «umso mehr als alle vier Wohnungen vermietet sind.»

Er sei daran, eine Lösung zu finden, eventuell in Zusammenhang mit seinem Architektur- und Immobilienbüro. Sogar das Restaurant erfolgreich zu führen wäre möglich, glaubt Wolfgang Niederhäuser. «Es braucht nur den richtigen Pächter mit guten Ideen.»

Schwarze Zahlen

Mehr Erfolg hat Massimo Santucci. Er eröffnete am 1. April 2010 die «Waldegg» in Aarwangen mit dem Konzept «Swiss go round» (wir berichteten). Er bietet am Abend ein Buffet auf dem Förderband an, ganz nach amerikanischem Vorbild. «Ich bin sehr zufrieden. Wir schreiben bereits schwarze Zahlen», sagt er. Er kann vor allem auf auswärtige Gäste zählen und weiss auch den Grund: «Eine Pizzeria gibt es in jedem Dorf, unser Angebot nicht.»

Ebenfalls zufrieden äusserte sich Kanagasabathy Kanagasabes. Er hat das «Kreuz» in Bützberg zusammen mit seiner Frau Vasanharuby gekauft und am 22. Januar wiedereröffnet. «Es läuft nicht schlecht. Vor allem an den Wochenenden und an den Abenden ist das Restaurant gut besetzt», sagt er. Auch die Vereine würden sein Lokal besuchen, was ihn sehr freue. Damit scheint sein Anliegen, das «Kreuz» wieder als Dorfbeiz zu etablieren, aufzugehen.

«Sehr zufrieden», ist Markus Sicher vom «Kreuz» in Buchsi. Der ehemalige Wirt der «weissen Kuh» in Seeberg hat schon Ideen für die Zukunft. So möchte er den Kunst- und Kulturbetrieb aus der «Weissen Kuh» im «Kreuz» etablieren. «Das ist aber noch nicht spruchreif», sagt er.

«Ich will jemandem eine Chance geben», sagt Ernst Zaugg. Ihm gehört das Restaurant Sonne in Weinstegen. Er hat Waltraud Konz als neue Pächterin eingesetzt. «Sie macht mir einen sehr guten Eindruck, hat Ideen», begründet er den Vertrag. Sollte es schief gehen, könne er immer noch Wohnungen einbauen. Noch im Dezember hatte Zaugg gegenüber dem az Langenthaler Tagblatt geäussert, dass er auf jeden verkauften Kaffee 50 Rappen drauflege und die damalige Schliessung als «schon fast eine Erlösung» ansehe.