Umweltschutz
Es droht ein happiger Aufschlag auf Neuwagen

Neue Autos stossen in der Schweiz zu viel CO2 aus. Bis 2015 muss sich das ändern. Wenn nicht, könnten Neuwagen wesentlich teurer werden.

Stefan Schmid
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Viele Schweizer stehen auf grosse Autos, die zu viele Schadstoffe ausstossen.Keystone

Viele Schweizer stehen auf grosse Autos, die zu viele Schadstoffe ausstossen.Keystone

Eigentlich dürften neue Autos in der Schweiz bis 2015 nur noch 130 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer ausstossen. Importeure, die diese Ziele nicht erreichen, werden schrittweise bestraft.

Bis Ende 2012 waren die Schweizer Neuwagen indes noch weit von diesen Zielen entfernt, wie Zahlen des Bundesamtes für Energie (BFE) zeigen. Der durchschnittliche CO2-Ausstoss betrug 151 Gramm pro Kilometer oder umgerechnet 6,21 Liter pro 100 Kilometer.

Doch der Bundesrat steuert noch ambitioniertere Ziele an. «Die CO2-Emissionsvorschriften für neue Personenwagen werden bis 2020 auf durchschnittlich 95 Gramm CO2/km verschärft.» So steht es schwarz auf weiss in den Unterlagen zur Energiestrategie 2050.

Der Bundesrat setzt bei den Autos auf verbindliche Vorschriften, um die Einführung einer unpopulären Lenkungsabgabe auf Benzin möglichst zu vermeiden. Bald wird sich mit dieser Frage auch das Parlament wieder beschäftigen.

Vorliebe für grosse Autos

Reduktionsziele sind das eine – die Realität das andere. Bisher von der Öffentlichkeit kaum beachtete Zahlen des Automobildaten-Erhebungsinstituts Jato Dynamics zeigen, dass die Schweiz im internationalen Vergleich im Rückstand liegt.

Der durchschnittliche CO2-Emissionswert von Europas Neuwagen ist im vergangenen Jahr auf 132,3 g/km zurückgegangen (einzelne Länderwerte siehe Grafik). 2011 lag der Wert noch bei 136,2 g/km. An der Spitze liegen Staaten wie Portugal, Dänemark und die Niederlande, deren Neuwagen alle weniger als 120 g/km ausstossen.

Die Schweiz konnte sich zwar leicht verbessern, hat aber mit Durchschnitts-Emissionen von über 150 g/km immer noch die höchsten CO2-Werte Europas.

Grund dafür ist die Vorliebe der Schweizer für grosse und schwere Autos. Das Leergewicht der Neuwagen hat 2012 um 1,8 Prozent zugenommen und mit 1510 Kilogramm einen neuen Rekordwert erreicht.

Dieser Gewichtsanstieg kompensiert einen Teil der technischen Effizienzverbesserungen, denn pro 100 Kilogramm Zusatzgewicht verbraucht ein Personenwagen laut BFE rund 0,4 Liter mehr Treibstoff. Angesichts dieser Entwicklung schreibt das BFE: «Um die Reduktionsziele zu erreichen, wird in den nächsten drei Jahren eine raschere Absenkung der CO2-Emissionen als bisher erforderlich sein.»

VCS fordert Lenkungsabgabe

Der Verkehrs-Club der Schweiz ist unzufrieden mit dieser Entwicklung. Damit der Strassenverkehr umweltverträglicher gestaltet werden kann, genüge es nicht, die durchschnittlichen Emissionen für Neuwagen bis 2020 auf 95 Gramm pro Kilometer zu senken, schreibt der Verband.

Das Ziel müssten 80 g/km sowie die Einführung einer CO2-Abgabe auf Benzin sein. Diese Massnahme muss nach Ansicht des VCS spätestens im zweiten Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 umgesetzt werden.

Doch just mit diesem zweiten Teil der Energiestrategie tut sich die Landesregierung schwer. Noch sind keine Entscheide gefällt worden, wie das aktuelle System von Subventionen und Förderabgaben nachhaltig mit einer Lenkungsabgabe auf Energieträgern ersetzt werden könnte.

Umweltministerin Doris Leuthard macht indes keinen Hehl aus ihrer Ablehnung einer Abgabe auf Benzin. «Das ist nicht realistisch», sagte die Aargauerin vor einer Woche.

Sollten die Schweizer Autoimporteure die CO2-Reduktion auf 130 g/km bis 2015 nicht schaffen, werden härtere Sanktionen fällig. Dies dürfte die Preise für Neuwagen spürbar in die Höhe treiben.

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