Kriminalstatistik 2012
Erstmals seit Jahren wieder Zunahme der Straftaten im Kanton

Die Zahl der Straftaten im Kanton Zürich ist im vergangenen Jahr um 8,4 Prozent angestiegen. Insgesamt registrierte die Kantonspolizei 138291 Delikte, das sind 10702 mehr als im Vorjahr.

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Vor allem die Zahl der Vermögensdelikte im Kanton Zürich ist im vergangenen Jahr angestiegen.

Vor allem die Zahl der Vermögensdelikte im Kanton Zürich ist im vergangenen Jahr angestiegen.

Keystone

Damit verzeichnete der Kanton Zürich eine geringfügig höhere Zunahme als die 8,2 Prozent auf gesamtschweizerischer Ebene. Die Zahl der Straftaten ohne Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz ging von 2004 bis 2011 kontinuierlich von etwa 151'500 auf 107'000 zurück und stieg letztes Jahr erstmals wieder an auf über 118'000.

Der Hauptgrund für die Zunahme ist im Anstieg von Vermögensdelikten zu suchen. Hier registrierte die Polizei 86'054 Fälle, knapp 9000 mehr als im Jahr zuvor, wie Kripo-Chefin Christiane Lentjes Meili vor den Medien sagte. Ein Grossteil davon entfiel auf Taschen- und Trickdiebstähle, Einbruchdiebstähle sowie bei Einbrüchen verübte Sachbeschädigungen.

Steigende Internetkriminalität

Die Internetkriminalität beschert der Polizei immer mehr Arbeit. Dies legen die Zahlen nahe, die Kripo-Chefin Christiane Lentjes Meili am Mittwoch den Medien präsentierte. Die Menge an sichergestellten digitalen Daten sei im vergangenen Jahr auf 490 Terabyte "dramatisch angewachsen".

Zum Vergleich: 2009 beschlagnahmte die Kantonspolizei noch 100 Terabyte. Im Jahr darauf wuchs diese Menge erst auf 180 Terabyte, 2011 dann auf 300 Terabyte an.

Bei den 2012 beschlagnahmten Datenmengen handelt es sich grösstenteils um verbotenes pornographisches Bild- und Videomaterial. Immer grösser wird laut Lentjes aber auch die Menge an sichergestellten Geschäftsdaten.

"Würde man alle sichergestellten Daten ausdrucken, hätte man einen Papierstapel, der von Zürich nach Los Angeles reichen würde." Man könne sich leicht vorstellen, dass die Aufbereitung und Auswertung solch riesiger Datenmengen die Polizei "vor immer grössere Herausforderungen" stelle, sagte Lentjes.

Insgesamt rechnet die Kripo-Chefin damit, dass die Polizei künftig verstärkt mit Betrugsdelikten im Internet, aber auch mit Computerdelikten wie Skimming, Datenklau oder -beschädigung konfrontiert wird. (sda)

Erfreulich ist laut Lentjes, dass die Delikte gegen Leib und Leben um vier Prozent auf 5149 Fälle zurückgingen. Um über 50 Prozent zugenommen haben dagegen die schweren Körperverletzungen. Sechs Personen wurden Opfer eines Tötungsdelikts. 2011 waren drei Todesopfer gezählt worden.

Um gut fünf Prozent rückläufig waren auch die Straftaten im Rahmen häuslicher Gewalt. Wie schon im vergangenen Jahr hat aber die Zahl der polizeilichen Interventionen stark zugenommen. Der bei der Kantonspolizei neugeschaffene Dienst Gewaltschutz hat mehr als 360 Fälle bearbeitet.

Der Ausländeranteil bei Verstössen gegen das Strafrecht ist erneut grösser geworden. Derzeit liegt er bei über 55 Prozent. 28 Prozent der ausländischen Beschuldigten wohnen in der Schweiz, neun Prozent sind Asylbewerber. 18 Prozent der ftraffällig gewordenen Personen halten sich illegal im Land anwesend oder sind als Kriminaltouristen in die Schweiz gereist.

Cybermobbing: Schwierige Rechtslage

Während die Jugendkriminalität in der Stadt Zürich um 23 Prozent angestiegen ist, zog Lentjes mit Blick auf den Gesamtkanton eine etwas positivere Bilanz. Hier hat sich der Rückgang der vergangenen Jahre fortgesetzt.

Mit spezifischen Problemen sieht sich die Polizei in Fällen von Straftaten von Jugendlichen im Internet konfrontiert. Nicht zuletzt durch die Aufklärungsarbeit an den Schulen meldeten sich vermehrt Opfer von Cybermobbing bei der Polizei. Diese Form von Kriminalität sei strafrechtlich bisher gar nicht erfasst und stelle die Strafverfolgung deshalb vor ganz neue Herausforderungen, sagte Lentjes.

So könnten die verschiedenen Arten von Belästigungen im Internet nur schwierig konkreten Straftatbeständen zugeordnet werden. Heute stütze sich die Polizei vor allem auf Tatbestände wie Drohung oder Nötigung. Laut Lentjes sollte man jedoch prüfen, eine spezifische Rechtsgrundlagen zu schaffen.

Tendenziell stellt Lentjes eine allmähliche Verlagerung von direkten Formen der Jugendgewalt - etwa im Ausgang - in virtuelle Räume fest. "Der Cyperspace ist viel anonymer, der einzelne muss sich weniger exponieren." Für Jugendliche sei dies viel attraktiver.

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