Flugplatz Dübendorf
Ernst Stocker: «Entscheid des Bundes ist nicht nachvollziehbar»

Der Bund hat entschieden: Der Militärflugplatz Dübendorf weiterhin fliegerisch genutzt werden. Das verärgert die Zürcher Regierung. Im Interview spricht Regierungsrat Ernst Stocker über die Gründe für die Frustration.

Thomas Schraner
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Der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker

Der Zürcher Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker

Keystone

Der Regierungsrat hält den Entscheid des Bundes für unverständlich und scheint frustriert zu sein, dass er vom Bund nicht angehört worden ist.

Ernst Stocker: Frustriert ist das falsche Wort, aber es nicht nachvollziehbar, was der Bund jetzt macht.

Warum steht der Entscheid so quer in der Landschaft?

Wir stehen mit dem Bund dauernd in Kontakt. Bis jetzt hiess es immer, der Entscheid, ob die Armee das Gelände noch brauche, falle demnächst. Studien zeigen, dass «Dübendorf» ohne Armee nicht wirtschaftlich betrieben werden kann. Zudem hat sich das Bundesparlament für einen Innovationspark ausgesprochen. Darum sind wir völlig überrascht über diese Ausschreibung.

Ist es realistisch, einen Betreiber zu finden? Der Bund zweifelt ja selber daran.

Das fragen wir uns auch. Wir wissen nicht einmal, ob der Bund auch ausländische Unternehmen ins Auge fasst.

Sie sind im Verwaltungsrat des Flughafens Zürich. Hat er Interesse?

Dem Kanton gegenüber hat die Flughafen AG signalisiert, dass sie kein Interesse habe, in Dübendorf eine weitere Piste zu betreiben, denn eine solche rentiere nicht.

Und wenn der Flughafen doch wollte, könnte die Regierung dies mit ihrer Sperrminorität verhindern?

Ich denke ja, aber das müsste man noch genauer abklären.

Der Bund sagt, die Businessfliegerei sei wichtig und werde in Kloten verdrängt. Macht Ihnen das keine Sorgen?

Ich glaube, die Businessfliegerei kann in Kloten mit der bestehenden Infrastruktur bestens abgewickelt werden. Wir hatten letztes Jahr erneut 3,2 Prozent weniger Flugbewegungen, obwohl die Passagierzahl zunahm. Es sind also noch mehr Bewegungen möglich.

Ist Ihr Draht zu Bundesrat Ueli Maurer gestört?

Nein, er ist gut. Aber es handelt sich um einen Entscheid des Gesamtbundesrates und nicht des VBS allein.

Was will die Regierung auf dem Gelände? Einen Innovationspark?

Wir wollen langfristige Nutzungen und der Kanton führt darum eine Testplanung durch. Einen kleinen Teil davon, 30 bis 50 Hektaren, könnte man für einen Innovationspark nutzen. Auch die ETH und die Uni haben grosses Interesse bekundet. Der Rest sollte frei bleiben für zukünftige Generationen. Die Regierung will hier keine überbaute Glattalstadt.

Was unternehmen Sie jetzt?

Wir werden beim Bund vorsprechen und unser Unverständnis zum Ausdruck bringen. Es wird sich weisen, ob sich bei der Ausschreibung überhaupt ein Betreiber finden lässt.

Kann die Regierung das Projekt notfalls blockieren?

Wir können über das Betriebsreglement und raumplanerische Instrumente sehr wohl Einfluss nehmen.