Langenthal
Er verhilft mit viel Fingerspitzengefühl Räumen zu noblem Glanz

Wenn filigrane Stuckaturen in herrschaftlichen Häusern bröckeln oder lieblos entfernt wurden, dann ist der Oberaargauer Frank Jäggi mit seiner Firma Stukkdesign gefragt. Vielfach im Auftrag vom Denkmalschutz ist er schweizweit unterwegs.

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Langenthaler Stuckateur Frank Jäggi
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Mit Gips, Wasser und filigraner Handarbeit schaffen die Fachprofis wahre Kunstwerke.

Langenthaler Stuckateur Frank Jäggi

Felix Gerber

Seine Leidenschaft für ein uraltes Handwerk ist spürbar. «Ich habe meinen Traum zum Beruf gemacht», sagt Frank Jäggi, von Beruf Stuckateur. Der 43-jährige Langenthaler führt durch sein Atelier und zeigt stolz seine Schätze, handgefertigte plastische Schmuckformen und Verzierungen, hergestellt aus Schweizer Baugips und Wasser, eben Stuckaturen. Rosetten, Konsolen, Säulen, Blumenornamente, Engel oder Leisten, Konsolen und Gesims für Decken und Wände.

Frank Jäggi ist in seinem Element, kramt Ordner hervor mit zahllosen Vorher- und Nachherbildern von Restaurationen von Innenräumen, vorwiegend in noblen Herrschaftshäusern, Museen oder Luxus-Hotels. Das Spektrum reicht von zierlichen Dekors, über grossflächige Wand- und Deckengestaltungen bis hin zu Zierleisten. Ob Barock, Jugendstil oder Art Déco - Jäggi verhilft den Räumen zu neuem Glanz.

Der Name Jäggi als Programm

«Ich will nicht bloss träumen, sondern Ideen und Wünsche verwirklichen», macht Jäggi klar und blickt auf seine Anfänge zurück. Der gelernte Maler und eidgenössisch diplomierte Gipsermeister kam erstmals während seiner Ausbildung im Fünf-Sterne-Haus Bellevue in Bern mit Stuckaturarbeiten in Kontakt. Die Arbeit habe ihn mehr als fasziniert, ihn habe ein Virus gepackt. Über Learning by Doing hat sich Jäggi die nötigen Fähigkeiten im damaligen Betrieb angeeignet.

«Für Stuckateur gibt es in der Schweiz keine Berufslehre.» Darüber hinaus ist Frank Jäggi «erb-lich vorbelastet», führte doch sein Vater während Jahrzehnten erfolgreich ein Malerfachgeschäft. 1999 gründete der damals erst 29-jährige Gipsermeister die Firma Stukkdesign mit Sitz in Langenthal. Den Namen will Jäggi auch als Programm verstanden wissen: Altes Handwerk wird mit Design verbunden. «Zu Beginn war es eine One-Man-Show und der Start war hart», erinnert er sich. 2006 übernahm er das Malergeschäft von seinem Vater. Sein Betrieb bietet nun die ganze Palette an, von der Malerei, Gipserei bis zu Stuckaturarbeiten.

Beschädigte Stuckaturen restaurieren

In seinem Atelier demonstriert Jäggi die verschiedenen Methoden für die Stuckaturarbeiten (siehe Kasten). «Wir stellen sämtliche Stuckaturen von Hand her. Die angewandte Technik hat sich grundsätzlich seit Jahrhunderten nicht verändert.» Was es brauche, seien ein gutes Vorstellungsvermögen und räumliches Denken.

Drei Techniken: ziehen, giessen oder nachmodellieren

Es gibt drei Techniken zur Herstellung von Stuckaturen: Ziehen, Giessen und Nachmodellieren. Für die gezogenen Profile werden Gips und Wasser so lange gerührt, bis eine klumpenfreie Masse entsteht. Der flüssige Gips wird auf einem langen Tisch geleert in eine Schablone aus Holz mit scharfen Metallkanten, die bestehenden Gipsfragmenten oder neuen Formen nachgebildet ist. Die Schablone wird so lange hin und her gezogen, bis der entstehende Gipsstab hart ist. Sind zusätzlich auf dem gezogenen Stuckstab Ornamente und Verzierungen erforderlich, kratzt der Stuckateur mit einem Skalpell die gewünschten Ornamente heraus. Beim Giessen der Objekte wird basierend auf dem Original eine Form aus Silikon nachgebildet, ein Negativ hergestellt. Die Form wird anschliessend mit dem flüssigen Gips gefüllt und nach der Härtung der letzte «Schliff» angebracht. Bei der Antragstechnik wird die beschädigte Stuckatur vor Ort nachmodelliert. (FS)

Der Grossteil der Aufträge umfasst Restaurationen von beschädigten Stuckaturen. Diese werden vor Ort oder im Atelier restauriert. Jäggi und seine Spezialisten restaurieren ebenfalls alte Stuckdecken und Wandstuckaturen. Ein weiteres grosses Feld sind Reproduktionen. Dazu nimmt Jäggi ein Muster ins Atelier und baut eine Rosette, eine Säule oder eine Büste originalgetreu nach und montiert diese anschliessend wieder - entweder mit einem Spezialkleber oder mit Schrauben, je nach Gewicht.

Im Kommen seien auch Arbeiten im Neubaubereich. Wirklich? Ja. Das Wie des Wohnens habe an Stellenwert gewonnen und die Verbindung von Neuem und Tradition habe wieder vermehrt Platz. «Designermöbel und Stuckaturen beissen einander nicht, sondern erzeugen eine positive Spannung», doziert Jäggi. Selbst in kubischen Häusern seien Stuckaturen denkbar. Denn diese müssten nicht opulent und rund sein, sondern dürfen durchaus auch geradlinig, kantig, eckig sein. Gerade im Zusammenhang mit Licht seien Stuckaturen geeignet. Der Fachprofi zeigt Beispiele von indirekter Beleuchtung mit LED-Lampen und Decken- oder Fussleisten. Aber warum sind Stuckaturen eigentlich immer weiss? «Stuckaturen leben vom Schattenwurf. Farbe nimmt der Stuckatur jedes Leben.»

Inzwischen hat sich die Firma Stukk-design erfreulich entwickelt. Es sei ihm gelungen, sich in der Branche einen guten Namen zu schaffen. «Heute arbeite ich in erster Linie mit den Denkmalschutzstellen in der ganzen Schweiz zusammen», sagt er stolz. Dementsprechend sieht seine Referenzliste aus: Von der Berner Villa Elfenau, Hotel Kulm in St. Moritz, Casino Bern, Hotel Vieux Manoir in Murten, mehreren Botschaften, Schloss Hilterfingen bis hin zu Privatvillen in der ganzen Schweiz, darunter auch einige in der Stadt Solothurn. Die Konkurrenz sei mit rund fünf ähnlich gelagerten Handwerksbetrieben übersichtlich. Die aktuelle Auftragslage sei sehr gut und sein Atelier auf Monate ausgebucht. Inzwischen beschäftigt Jäggi sieben Angestellte.

Der Handwerker - die Bezeichnung Künstler hört er nicht gerne - will sich aber nicht zurücklehnen. Er weiss aus eigener Erfahrung, dass jedes Geschäft ein Auf und Ab kennt. So will er auch sein Firmenmotto verstanden wissen: «Wer glaubt, gut zu sein, hat aufgehört, besser zu werden.»