Zürcher Kantonsrat
Entschuldigte Absenzen bleiben voraussichtlich im Zeugnis

Entschuldigte Absenzen auf der Sekundarstufe werden voraussichtlich auch in Zukunft im Zeugnis vermerkt. Eine Parlamentarische Initiative (PI) von CVP und SP, welche die seit 2010 geltende Regelung aus dem Volksschulgesetz kippen will, dürfte im Zürcher Kantonsrat keine Mehrheit finden.

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Absenzen gehören ins Zeugnis, sagt der Zürcher Kantonsrat.

Absenzen gehören ins Zeugnis, sagt der Zürcher Kantonsrat.

Das Parlament hat den Vorstoss am Montag in erster Lesung durchberaten. Dabei zeichnete sich ab, dass der Vorstoss bei der Schlussabstimmung in etwa vier Wochen abgelehnt werden dürfte.

Für die Initiative sprachen sich am Montag nebst CVP und SP die Grünen sowie die BDP aus. Zusammen bringen es diese Fraktionen jedoch nur auf 72 der 180 Stimmen im Parlament. Für eine Überweisung dürfte es damit kaum reichen. Bereits die vorläufige Unterstützung der PI war im Mai 2011 nur knapp mit 62 Stimmen zustande gekommen.

«Grosser Handlungsspielraum»

Anders als die unentschuldigten gehören entschuldigte Absenzen für die Initianten nicht ins Zeugnis. Damit würden auch Schülerinnen und Schüler bestraft, die «völlig unverschuldet» im Unterricht fehlten, heisst es in der Begründung zum Vorstoss, etwa im Falle von Krankheit oder bei einem Unfall.

Entschuldigte Absenzen lassen laut Corinne Thomet-Bürki (CVP, Kloten) einen grossen Handlungsspielraum zu. Dies sei nicht sinnvoll. Und Karin Karin Maeder-Zuberbühler (SP, Rüti) argumentierte, die Aufnahme von entschuldigten Absenzen stehe für eine misstrauische Grundhaltung gegenüber den Jugendlichen.

Es nütze niemandem, wenn Schulabgängerinnen und -abgängern aufgrund der Absenzenzahl keine Lehrstelle finden, sagte Stefan Hunger (BDP, Mönchaltorf). Mit der Überweisung der PI habe der Kantonsrat die Möglichkeit, «die gut gemeinte Idee» des Bildungsrates zu korrigieren.

«Verantwortung übernehmen»

Die anderen Fraktionen lehnten die Initiative ab. Rochus Burtscher (SVP, Dietikon) etwa sagte, Zeugnisse müssten die Realität abbilden. «Die Schüler müssen Verantwortung für ihr Tun übernehmen.» Grundsätzlich könne man jede Absenz entschuldigen, auch die unentschuldigten. Dies führe aber nicht zum Ziel.

Auch Christoph Ziegler (GLP, Elgg) vertrat die Meinung, dass Zeugnisse nicht nur aus Noten bestehen, sondern «möglichst umfassend informieren» sollten. Normalerweise interessiere sich niemand für die Absenzen, doch «bei Auffälligkeiten wird man wohl mal nachfragen dürfen.»

Der Bildungsrat hatte die Regelung auf das Schuljahr 2010/2011 wieder eingeführt - mehr als 20 Jahre nach der Abschaffung. Seither werden sowohl die entschuldigten als auch die unentschuldigten Absenzen auf Sekundarschulstufe im Zeugnis vermerkt. Auch der Kantonsrat hatte sich 2009 für diese Praxis ausgesprochen.