Huttwil
Endlich helles Licht am Ende des Tunnels

Weil hinter den Mauern der Strickerei Frilo eine technische Revolution stattfindet, übernimmt die dritte Generation.

Jürg Rettenmund
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Solothurner Zeitung

Friloweg heisst die Strasse, die von der alten Rohrbachstrasse in Huttwil zur Strickerei Frilo Swiss made führt. «Zu Recht», sagt Inhaber Kurt Loosli: «Mein Vater finanzierte die neue Zufahrtsstrasse samt Brücke über die Langeten selbst, um nicht mehr vom Bahnübergang an die Langenthalstrasse abhängig zu sein.» Der Vater, das war Fritz Loosli, aus dessen Anfangsbuchstaben sich der Firmenname noch heute zusammensetzt.

Fritz Loosli hatte 1947 die Strickerei in Huttwil übernommen, nachdem sein eigener Betrieb im Eigen in Eriswil zu klein geworden war. «Damals konnte man mit Maschinenstricken noch Geld verdienen, um eine Brücke zu bauen», sagt Kurt Loosli. Rund 40 Mitarbeitende hielten die Maschinen am Laufen.

Für Kurt Loosli, der 1977 ins elterliche Geschäft einstieg, war das anders. Über Wasser gehalten hat er sich, indem er in die Liegenschaft investierte: Er baute die für die Strickerei nicht mehr benötigten Räume in Gewerbeateliers und Lofts um und vermietete sie. Zudem baute er am Friloweg drei Mehrfamilienhäuser, die das Industrie-Ensemble samt Fabrikanten-Villa und weiterem Wohngebäude ergänzen. Auf dem Areal zwischen Friloweg und Bahndamm liess er zudem eine Wohnüberbauung planen (vgl. Text rechts).

Daneben aber hielt Kurt Loosli die Strickerei am Leben. Er spezialisierte sich auf hochwertige Baby-Kollektionen, die er jede Saison neu an den grossen europäischen Messen wie der Pitti Bimbo in Florenz präsentiert und so in die weltweit führenden Fachgeschäfte bringt.

Individuell und natürlich

Verarbeitet werden ausschliesslich Naturmaterialien wie Meranowolle, Baumwolle und Cashmere. «Als Kleinbetrieb sind wir in der Lage, sehr individuell auf die Wünsche unserer Geschäftspartner und damit der Kunden einzugehen und auch Kleinserien zu produzieren, die nicht in jedem Warenhaus zu finden sind», erklärt Loosli.

Das hat allerdings seinen Preis: Im Onlineshop von friloswissmade.com findet man ausserhalb der Sonderangebote Kleidungsstücke für zwischen 45 Franken (eine Mütze oder ein Paar Fäustlinge) bis 369 Franken (ein Cashmere-Mantel mit Mütze).

Das Durchhalten hat sich für Kurt Loosli gelohnt. Gegenwärtig findet hinter den über 100-jährigen Fabrikmauern eine technische Revolution statt: Auf den bisherigen Strickmaschinen konnte bloss Stoff in Bahnen gestrickt werden.

Aus diesen wurden die Kleider dann ausgeschnitten und genäht – mit andern Worten: konfektioniert. Die neuen Maschinen sind eigentliche Bearbeitungszentren, auf denen computergesteuert fertige Kleidungsstücke entstehen.

Deshalb gibt es nicht nur keinen Abfall mehr. «Die Stickerei wird weniger lohnintensiv dafür kapitalintensiver», erklärt Loosli. «Damit erhalten wir im Hochpreisland Schweiz endlich wieder gleich lange Spiesse mit Billiglohnländern.» Denn die neuen Maschinen können nicht irgendwo aufgestellt werden. Sie brauchen eine Betreuung durch Fachleute, wie sie die Huttwiler Strickerei noch hat.

In der Familie Loosli sieht man deshalb für die Strickerei helles Licht am Ende des Tunnels. Darum übernahm Tochter Patrizia Vietri zusammen mit ihrem Mann Mauro zum Jahreswechsel die Geschäftsführung. «Ohne die neue Maschinengeneration hätte ich ihnen abgeraten, hier einzusteigen», sagt der Vater.

Noch zwei Strickereien in Huttwil

Drei Maschinenstrickereien gibt es heute noch in der Schweiz. Zwei davon befinden sich in Huttwil – seit Beginn der Industrialisierung eine Hochburg dieser Branche. Bei Frilo sind die Weichen gestellt, dass das auch in Zukunft so bleibt. Kurt Loosli geht davon aus, dass der Umsatz in den nächsten Jahren wieder erhöht werden kann – und damit vielleicht zu den gegenwärtig rund zehn Stellen noch die eine oder andere neue geschaffen werden kann.