Endlich Chilbizeit!

Kinder stehen vor den Bahnen Schlange – auch ohne Geld im Sack.

SaW Redaktion
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Der «Disco-Express» in Aktion, hier am Zürcher Knabenschiessen. Foto: KEYSTONE

Der «Disco-Express» in Aktion, hier am Zürcher Knabenschiessen. Foto: KEYSTONE

Schweiz am Wochenende

Auf gehts, hinein gehts!», ruft eine Lautsprecherstimme über den ganzen Platz. Es ist Chilbi! Autoscooter, Achterbahn, Zuckerwatte, Magenbrot. In der ganzen Schweiz strömt Jung und Alt auf die Plätze, um zu feiern. Neben Essständen, Luftgewehrschiessen und Büchsenwerfen sind vor allem die verschiedenen Bahnen die Attraktion für Kinder.
Hinter dem Zauber steckt ein Menge Arbeit. Das weiss Urs Welte-Senn aus erster Hand. Seit 21 Jahren fährt er als Schausteller von einer Chilbi zur nächsten. Heute arbeitet er in Einsiedeln SZ. Am Montag stand seine Berg-und-Tal-Bahn noch in Zollikon ZH. Seit 11 Jahren ist Urs zusammen mit seiner Frau Corina mit dem «Disco-Express» unterwegs. Die kleine Eisenbahn, die in hohem Tempo im Kreis fährt, ist vor allem bei Kindern beliebt, die sich noch nicht auf die ganz grossen Bahnen trauen. Die beiden Mädchen (7 und 11 Jahre) der Familie Welte-Senn sind nicht mehr so begeistert von der Chilbi.
Kein Wunder: Ihre Eltern stellen ihre Bahn pro Saison bis zu 23-mal auf. Ihr Grossvater – die Familie Senn arbeitet seit vier Generationen an der Chilbi – ging jede Woche in einem anderen Schulhaus zur Schule. Denn zu dieser Zeit zogen die Schausteller noch wie Fahrende durchs Land. Auch Familie Welte-Senn übernachtet am Wochenende im Wohnwagen. Doch die beiden Töchter gehen unter der Woche ganz normal zur Schule. Das ist wegen der besseren Verbindungen heute möglich. Zudem finden die Chilbis nun meistens am Wochenende statt.
Nur noch in wenigen Gemeinden bekommen die Schulkinder einen zusätzlichen Tag frei für die Chilbi. So hat etwa in Zollikon die Schule nach den Sommerferien erst am Dienstag begonnen. Doch vielerorts sind die Schulen nicht mehr bereit, dies mitzumachen. Die Organisatoren beginnen darum schon am Samstag oder Freitag statt traditionell am Sonntag. Für einen einzigen Tag würde es sich nicht lohnen, Bahnen und Stände aufzustellen.
Urs Welte-Senn beobachtet, dass im Vergleich zu früher immer noch viele Kinder an die Chilbi kommen. Sie haben aber weniger Geld im Sack. «Früher sparte man extra auf die Chilbi, heute bezahlen die Kinder ihre Handy-Rechnung mit dem Sackgeld.» Darum laufe das Geschäft nicht mehr so gut wie auch schon.
Neben der Telefonrechnung dürften aber auch die gestiegenen Preise dafür sorgen, dass viele Kinder es sich zweimal überlegen, ob sie Achterbahn oder Autoscooter fahren wollen. Doch es geht auch ohne Geld: An mancher Chilbi sind die erste Halbe- oder Viertelstunde lang alle Bahnen gratis.
Am Montag packt Familie Welte-Senn wieder zusammen und zieht weiter. Der «Disco-Express» steht am nächsten Wochenende in Lachen SZ.
Heute ist Chilbi unter anderen in den folgenden Gemeinden:
Abtiwil und Oberhelfenswil (SG); Bonstetten, Wald, Wädenswil und Zell (ZH); Reiden (LU); Morschach und Einsiedeln (SZ).

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