Region
Eltern warten bis zu einem Jahr auf Kita-Platz

Die Nachfrage nach Plätzen in einer Kindertagesstätte ist gross, doch die Finanzen setzen Grenzen. «Es hat immer zu wenig Plätze», sagt eine Kita-Betreiberin aus der Region.

Jürg Rettenmund
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Glücklich schätzen muss sich immer noch, wer für sein Kind einen Platz in der Kita bekommt. Archiv

Glücklich schätzen muss sich immer noch, wer für sein Kind einen Platz in der Kita bekommt. Archiv

«Wir haben für unsere Umfrage genau 111 Briefe versandt», sagt Verena K. und schmunzelt. K. ist diplomierte Fachbetreuerin Kinder und will mit drei Kolleginnen im Raum Langenthal eine neue Kindertagesstätte gründen. Da sie noch in einer Anstellung arbeitet, will sie ihren vollen Namen nicht in der Zeitung sehen. Angeschrieben haben die vier Frauen Handels-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Um eine Antwort haben sie bis Mitte Juli gebeten.

«Wir haben alle unsere Ausbildung kürzlich abgeschlossen und bringen langjährige Berufserfahrung aus verschiedenen Bereichen mit. Wir sind überzeugt, dass es im Raum Langenthal noch Bedarf für weitere Kindertagesstätten hat», sagt Verena K. «Die Wartelisten bestehender Kitas sind nach wie vor lang.» Die ersten Rückmeldungen hätten sie in dieser Überzeugung bestätigt. Auch wenn diese noch keine genauen Rückschlüsse zuliessen, sei sie zuversichtlich, eine neue Kita gründen zu können.

Neue Gruppe problemlos gefüllt

«Platzhirsch» unter den Kita im Raum Langenthal ist die Kinderkrippe «Windrose». Wie ihr Name verrät, gehört sie einer früheren Generation von Kita an. «2015 werden wir 100-jährig», hält Leiterin Denise Köhli fest. Doch weil die Krippe sogar der Krippenstrasse den Namen gab, verzichtete der Krippenverein Langenthal darauf, den Namen an den heutigen Sprachgebrauch anzupassen. Von heute 63 Plätzen der «Windrose» sind 16 Schülerplätze.

Denise Köhli teilt die Überzeugung von Verena K., dass der Bedarf an Tagesplätzen im Raum Langenthal noch lange nicht gedeckt ist, obschon sie erst im letzten November selbst eine neue Gruppe eröffnen konnte. «Wir konnten sie problemlos füllen.» Man habe aber gehofft, dadurch die Warteliste abbauen zu können. «Das ist nicht eingetreten.» Die Liste umfasse nach wie vor rund 30 Kinder. Die Eltern müssen sich ein halbes bis ein ganzes Jahr gedulden, bis sie zum Zug kommen.

«Es hat immer zu wenig Plätze», bestätigt Rosemarie Wagner von der Kindertagesstätte KitaRo in Roggwil. Im Moment sei die Warteliste zwar ziemlich leer, doch das habe auch mit der Jahreszeit vor dem Beginn eines neuen Schuljahres zu tun. Wenn Kinder neu in den Kindergarten kämen, finde jeweils ein starker Wechsel statt.

«Keine Probleme» für die Kita Wunderland in Madiswil erwartet auch Leiterin Franziska Schär. Ihre zwölf Plätze seien immer belegt, da es eine lange Warteliste gebe. Die Wartefrist für Eltern, die ihr Kind anmelden, könne bis zu einem Jahr betragen.

Die KitaRo kann derzeit 20 Plätze anbieten. Auf die grosse Nachfrage würde Rosemarie Wagner eigentlich gerne selber reagieren. Doch in der Liegenschaft an der Geissbergstrasse, in der die Kita gegenwärtig untergebracht ist, findet keine dritte Gruppe Platz. Rosemarie Wagner: «Wir haben auch schon neue Liegenschaften angeschaut.» Doch ein neues Haus bedeute immer auch neue Investitionen, die man sich leisten können müsse. Das Finanzkorsett, das die öffentliche Hand den Kita-Trägerschaften schnüre, sei eng.

Ähnliche Gedanken wie in Roggwil hegt in Aarwangen Marcel Cavin als Präsident des Vereins Kita Beerihuus. Gegenwärtig geht es zwar vor allem darum, die Gemeindeversammlung vom nächsten Montag von der Notwendigkeit der Kita zu überzeugen (siehe Kasten oben). Doch eigentlich würde Cavin lieber ausbauen. Denn mit zwei Gruppen wäre die Kostenstruktur günstiger als mit nur einer.

Hoher Investitionsbedarf

Platz gäbe es im Beerihuus zwar noch. Doch während die 2009 bezogene Wohnung bis zur Umnutzung durch die Kita bewohnt gewesen sei, sei die zweite lange leer gestanden und alt. Entsprechend hoch wäre der Investitionsbedarf. Noch ist der Verein Kita Beerihuus deshalb am Rechnen. «Füllen könnten wir eine zweite Gruppe dagegen problemlos», ist Marcel Cavin überzeugt.

Ein besonderes Bedürfnis hat Rosemarie Wagner im Raum Langenthal geortet: eine Kita für die Kinder von Spitalpersonal mit unregelmässigen (Schicht-)Arbeitszeiten. Im Raum Bern gebe es deshalb entsprechende Angebote. «Eine auf diese Kinder und ihre Eltern zugeschnittene Gruppe würde ich in der KitaRo gerne anbieten können.»

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