Huttwil
Eisige Stimmung rund ums Sportcenter in Huttwil

Nach Markus Bösigers Entscheid, die Eishalle zu schliessen, herrscht bei vielen Vereinen Ungewissheit. Besonders enttäuscht sind sie darüber, dass sie den Entscheid des Sportzentrums aus den Medien erfahren haben.

johannes Reichen
Merken
Drucken
Teilen
Als Eishalle wird das Sportzentrum Huttwil nicht mehr gebraucht. Die Folgen sind ungewiss. joh

Als Eishalle wird das Sportzentrum Huttwil nicht mehr gebraucht. Die Folgen sind ungewiss. joh

Solothurner Zeitung

Das Eis ist längst abgetaut im Sportzentrum Huttwil. Am Freitagmorgen liegt die Halle im Halbdunkel, und Stille herscht über dem nackten Hallenboden. Nur im Büro in einer Ecke über den Zuschauerrängen ist es hell. Hier arbeitet die Leiterin Eventmarketing von Bösiger Langenthal. Um Eishockeyspiele, das steht fest, braucht sie sich in Zukunft nicht zu kümmern.

Markus Bösiger, der Besitzer des Sportzentrums, will die Kältemaschine im Sportzentrum nicht mehr anwerfen. Es gibt ab jetzt kein Eis mehr in Huttwil, so lautet seine Antwort auf die Entscheidung der Liga, den Huttwil Falcons den Aufstieg in die Nationalliga B zu verwehren. Nur: Was stellt man mit einer Eishalle ohne Eis auf die Dauer an?

Bösiger weilt gerade im italienischen Misano, wo am Wochenende ein Rennen im Truckrace stattfindet, er hatte gestern darum keine Zeit, Auskunft zu geben. Er verwies darum auf Lars Weibel. Der ist bei Bösiger als Leiter für Spezialprojekte beschäftig. «Wir werden Events machen», sagte er. Genaueres nicht, der Entscheid sei ja eben erst gefällt worden. Laut Weibel war das am späten Donnerstagabend.

«Es geht auf keinen Fall mehr»

Und gemäss Weibel war es auch gar nicht der Entscheid von Bösiger – allenfalls ein indirekter. «Wir sind zu diesem Schritt gezwungen worden. Wir haben uns Tag und Nacht für ein Nationalliga-B-Projekt eingesetzt, wollten ein gutes Ding aufziehen, aber wir haben nur Gegenwehr bekommen.»

Bösiger will jetzt den Schuldigen ermitteln, hat dafür einen Anwalt engagiert, aber die Auswirkung ist klar: «Es geht auf keinen Fall mehr», sagte Weibel. Das Ende der AG und des Spitzeneishockeys ist also besiegelt. Aber was heisst das für den Verein mit einer 2.-Liga-Mannschaft und den Nachwuchs? «Ob der Verein aufgelöst wird oder nicht, wird später entschieden», sagte Weibel. Jedenfalls gebe es einen Plan B, aber zu diesem konnte er nichts weiter sagen. Der Nachwuchschef der Huttwil Falcons, Martin Meyer, wollte gestern keine Stellung nehmen.

Und es gibt im Sportzentrum auch noch ein paar «Kundengeheimnisse», die Weibel jetzt nicht einfach so preisgeben kann. Es geht um Verträge mit Mannschaften und Verbänden, die in Huttwil trainieren. «Wenn es Beschwerden gibt, sind wir gewillt, Lösungen zu suchen», sagte Weibel. Markus Bösiger vorgestern dazu: «Dann sollen sie halt mit Rollschuhen trainieren.»

«Wir werden schrumpfen»

Neben den Falcons und sporadischen Hallenbenützern hat es noch weitere Vereine, die bisher auf Huttwiler Eis trainiert haben. Allen voran der Skating-Club Huttwil. Schon die Entscheidung Bösigers, die Mieten für die Sportvereine stark zu erhöhen, machte den Eiskunstläuferinnen zu schaffen: Der Skating-Club hätte in der neuen Saison rund 75 Prozent mehr bezahlen müssen, sagte gestern Präsidentin Elisabeth Bieri. Ohne Eis aber ist alles noch ein bisschen schlimmer für sie.

Besonders enttäuscht sind die Vereinsverantwortlichen darüber, «dass wir trotz unseren Bemühungen den Entscheid des Sportzentrums aus den Medien erfahren haben». Zwar hatte sie diese Entscheidung nicht ganz unvorbereitet getroffen. Doch die Folgen seien absehbar: «Wir werden schrumpfen.»

«Es wird weitergehen»

So werde es wohl künftig keine Kinderkurse mehr geben, sagte Bieri. «Dabei ist das unsere Zukunft.» Und es wurde bereits entschieden, dass ein Team neu in der Eishalle Brünnli in Hasle trainieren wird. «Wir können da Eis mieten, aber auch nicht in dem Umfang, wie wir das möchten und brauchen.» Fest steht ebenso, dass der internationale Synchronized Skating Cup mit jeweils bis zu 30 Teams aus Europa nach vielen Jahren nicht mehr in Huttwil stattfindet, sondern in Zuchwil.Wie die Zukunft für den Verein mit 35 Mitgliedern aussieht, ist ansonsten ungewiss. «Irgendwie», sagte aber Elisabeth Bieri, «wird es weitergehen.»