Grimsel-Mauer
Einsprachen gegen Staumauererhöhung

WWF, Pro Natura und Grimselverein blockieren weiterhin die Bauten von Anlagen zur Förderung von erneuerbaren Energien so auch im Langenthal: Hier bekämpfen sie weiter eines von drei «KWO plus»-Projekten.

Samuel Thomi
Merken
Drucken
Teilen
Grimsel-Staumauer

Grimsel-Staumauer

az Langenthaler Tagblatt

Mit der AKW-Katastrophe in Japan und dem dieser Tage viel diskutierten Atomausstieg rückt auch die geplante Staumauer-Erhöhung an der Grimsel wieder in den Fokus. Zufällig liegen bis am 8. April die Pläne der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO) für das drei Teilprojekte umfassende Ausbauvorhaben «KWO plus» auf. Doch bereits scheint klar, dass dereinst Richter statt Baubehörden über die Erhöhung der Grimsel-Staumauer um 23 Meter entscheiden werden.

Bei den anderen zwei Teilprojekten einigten sich Umwelt- und Landschaftsschützer sowie Fischer und Anwohner letztes Jahr nach zähen Verhandlungen in der Begleitgruppe KWO plus (az Langenthaler Tagblatt berichtete). Die unbestrittenen Projekte haben die Aufwertung der bestehenden KWO-Turbinenanlagen Handeck und Innertkirchen sowie das neue, unterirdische Pumpspeicherkraftwerk Grimsel 3 zum Ziel.

«Kommt nicht infrage»

«Die Mauererhöhung im vorgesehenen Umfang kommt nicht infrage», so Urs Eichenberger. «Das haben wir bereits zu Beginn gesagt», kommentierte gestern der Präsident des Grimselvereins auf Anfrage. Ausser negativen Auswirkungen für das geschützte Hochmoor bringe die Staumauer-Erhöhung kein zusätzliches Kilowatt Strom: «Es geht es also nicht um einen möglichen Ersatz von Mühleberg.»

In dasselbe Horn blasen der WWF Schweiz und Pro Natura. Die Staumauererhöhung sei ein gutes Geschäft für die Betreiber, aber kein gutes für die Natur. Denn mit einem noch grösseren Pumpspeicherkraftwerk an der Grimselpasshöhe lasse sich zu Spitzenzeiten einzig mehr teurer Strom verkaufen. Laut dem gestrigen «Bund» halten WWF und Pro Natura daher ebenfalls weiterhin am Widerstand fest. Allerdings zitiert die Zeitung aus einem internen WWFArbeitspapier, worin der Umweltverband andeute, den Rechtsweg möglicherweise nicht bis zum bitteren Ende zu gehen. Allenfalls sei ja die KWO auch bereit, die Staumauer etwas weniger hoch zu bauen. - Die Hoffnung auf eine Einigung auf politischem Weg sei noch nicht ganz aufgegeben.

«Aufeinander zugehen»

Ähnlich äussert sich Roland Näf. Laut dem Präsident hat die SP Kanton Bern noch keine Position zu KWO plus; bekannt ist nur, dass die Stadtberner SP dagegen ist. Näf geht aber nicht davon aus, dass sich seine SP gegen eine Erhöhung der Staumauer wehren werde. «Aber unter der Bedingung, dass damit kein AKW- oder Strom aus Gas- und Kohlekraftwerken ‹veredelt› wird.» Für ihn sei «zentral, dass beide Seiten Kompromisse machen (vgl. Kasten). Im Baubewilligungsverfahren auch nicht mit Widerstand zu rechnen sei von den Grünen. Laut Präsident Blaise Kropf warte man das Konzessionsverfahren ab.

Wie Näf sieht Kropf «Verhandlungsspielraum», wenn es darum geht, den vergrösserten Grimsel-See als Speicher für neue erneuerbare Energie zu nutzen. Näf: «Es wäre wichtig, dass die BKW ihre ‹Begleitgruppe Mühleberg› zur ‹Begleitgruppe Energiezukunft› macht. Da wären wir bereit, wieder mit zu arbeiten und Kompromisse zu finden.»